Mit viel Lob und dem Goldenen Dukaten der Stadt Schopfheim im Gepäck verließ Artur Cremans am Montag seine letzte Gemeinderatssitzung als Stadtrat. Der 75-jährige SPD-Politiker wurde mit gebührenden Ehren wie angekündigt vorzeitig aus den Reihen des Gremiums entlassen. Seine Nachfolgerin Martina Hinrichs nahm für ihn am Ratstisch Platz, nachdem sie von Bürgermeister Dirk Harscher auf ihr Amt vereidigt worden war.

„Wenn ich in Zukunft einmal Kopfweh bekomme“, scherzte der scheidende Stadtrat, „dann weiß ich, dass der Heiligenschein klemmt.“ Artur Cremans, 40 Jahre im Gemeinderat, davon 22 als Chef der SPD-Fraktion, hatte sie sich verdient, die Lobeshymnen, die da aus den Reihen der Räte, aber auch vom Bürgermeister über ihn gesungen wurden. Und die waren ganz und gar nicht so „kurz und schmerzlos“, wie es sich der 75-Jährige zuvor noch gewünscht hatte. „So einfach geht es leider nicht“, scherzte auch Dirk Harscher zu Beginn seiner Dankesrede.

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„Es geht eine Ära zu Ende“, sagte der Bürgermeister, der nun rund eineinhalb Jahre den Ratstisch mit Artur Cremans teilen durfte und der wohl nicht zuletzt aufgrund dieser vergleichsweise kurzen Zeitspanne auf eine pfiffige Idee gekommen war: Harscher hatte seine Amtsvorgänger Klaus Fleck und Christof Nitz sowie deren langjährige Chefsekretärin Silvia Fricker um ein paar kurze Worte zum Vier-Jahrzehnte-Stadtrat Artur Cremans gebeten. „Ein fairer Partner“ sei er gewesen, der „nie einen persönlichen Vorteil“ gesucht habe und in den Sitzungen „immer bestens vorbereitet“ gewesen sei, ließ Klaus Fleck ausrichten.

Von Christof Nitz ist überliefert, dass er Artur Cremans für einen „fachlich immer fundierten sozialpolitischen Kämpfer“ und aufrichtigen Demokraten hält. Und Silvia Fricker weiß, dass Artur Cremans „den Stadthaushalt gekannt hat wie kein Zweiter“ und „immer als Erster in den Rathaussaal kam“. Er könne „viel davon bestätigen“, erklärte Dirk Harscher. Es sei ihm eine „ganz besondere Ehre“, Cremans für sein Wirken zu danken, sagte der Bürgermeister, bevor er den Goldenen Dukaten aushändigte.

Der Applaus im Ratsrund sprach für sich, dennoch ließen es sich die übrigen Fraktionen nicht nehmen, ebenfalls noch für sich zu sprechen: „Mir chönne mitenander schwätze, au wemmer nit immer de gliiche Meinung sin“, erklärte Jeannot Weißenberger in seiner kurzen Mundart-Laudatio aus der CDU-Riege. Ein Vorbild sei Cremans gewesen, vor allem für die jungen und neu hinzugekommenen Stadträte, die er geführt habe. „Es war hart, aber fair“, sagte Weißenberger. „Dank und Respekt.“

Hildegard Pfeifer-Zäh, Sprecherin der Freien Wähler, exerzierte die Buchstaben von Cremans‚ Vor- und Nachnamen durch und attestierte ihm unter anderem, ein „Mentor für politische Arbeit“ mit „allumfassendem Sachverstand“ zu sein. Ernes Barnet hob die sozialen Themenschwerpunkte seines langjährigen Ratskollegen hervor, die er als Grüner oft geteilt habe. Peter Ulrich, Cremans‚ Nachfolger als SPD-Fraktionschef, gebührten die Schlussworte: „Seit ich im Rat bin, bist Du ein Ankerpunkt.“ Cremans habe mit Wissen und Kompetenz, aber auch mit Schlagfertigkeit überzeugt. Er sei „schon gerührt“, sagte der Geehrte, der seinen Ratskollegen gleich noch ein Anliegen mit auf den Weg gab: Die „Ohren“ – die kreuzungsfreien Anschlüsse zwischen B 317 und B 518 –, die Hangentwässerung in Eichen und die Zukunft der beiden Uehlin-Eckhäuser seien noch offene Themen, die er nicht mehr weiter begleiten könne. „Aber ich bin mir sicher, ihr macht das genauso gut wie ich.“

Eine derjenigen, denen Cremans diese Aufgaben vertrauensvoll überlassen muss, ist Martina Hinrichs. Die 51-jährige gebürtige Niedersächsin ist Stabsstellenleiterin für Strukturpolitik und Tourismus im Landratsamt. Sie wurde am Montag von Bürgermeister Harscher per Amtseid und Handschlag für den Gemeinderat verpflichtet und nahm am Ratstisch Platz. Hinrichs war bei der Kommunalwahl mit 1677 Stimmen zur ersten Nachrückerin für die Gemeinderatsfraktion gewählt worden.