Rumms! Mit einem dumpfen Dröhnen fällt ein etwa 130 Jahre alter und 30 Meter langer Baumriese zu Boden. War es bisher ein leises Sterben der Buchen auf dem Entegast, ändert sich das jetzt: Zwei Wochen lang hallt das Kreischen von Motorsägen durch den Stadtwald. Bis zu 1500 Bäume müssen auf einen Schlag gefällt werden – eine direkte Folge der Trockenheit in den vergangenen Jahren.

Auf dem Boden liegt ein völlig verdorrter Ast. Die Rinde längst abgeplatzt, das Holz morsch. Der Ast sieht aus, als würde er schon Monate auf dem Boden herumliegen. Tatsächlich aber stammt er von einem eben erst gefällten Baum, wie Forstrevierleiter Stefan Niefenthaler erläutert. Die Trockenheit der vergangenen Jahre – sie hat den Buchen auf dem Entegast stark zugesetzt. Vor allem hier oben im Roggenbach‘schen Wald, in der Südostecke des Entegast-Stadtwaldes, auf einer rund zehn Hektar großen Fläche. „Hier ist der Bestand komplett geschädigt worden“, erläutert Niefenthaler. Daher folgt nun jener drastische Schritt, den der Forst bereits im September angekündigt hatte: Auf einen Schlag werden bis zu 1500 Bäume gefällt. Sie sind in Schnitt deutlich über 100 Jahre alt und teils um die 30 Meter hoch.

Nicht nur wo gehobelt wird, fallen Späne – das gilt auch fürs Sägen.
Nicht nur wo gehobelt wird, fallen Späne – das gilt auch fürs Sägen. | Bild: André Hönig

Grünes Licht hat sich der Forst dazu im Vorfeld von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und den Naturschutzbehörden geholt. Denn das Waldstück liegt mitten in einem FFH-Schutzgebiet. „Da gibt es klare Vorgaben“, erläutert Niefenthaler. Die Bäume in diesem Gebiet wurde daher unter anderem etwa auf Totholzinsekten untersucht, aber auch auf Fledermäuse beziehungsweise auf Nisthöhlen, die auch der Schwarzspecht und der Kauz gerne nutzen. Solche Exemplare bleiben stehen – auch jene, die erst jetzt im Zuge der Fällungen entdeckt werden. Niefenthaler: „Wir haben da ein Auge drauf.“ Auch wurde im Vorfeld geprüft, ob hier das geschützte grüne Beerenmoos wächst. „Es wurde aber nichts gefunden.“ Die Fachleute des FVA hatten nach dem Vorort-Termin bestätigt, dass diese Radikalkur notwendig sei. Niefenthaler: „Die Bäume sind so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr erholen werden. Dadurch stellen sie auch eine Gefahr für die Verkehrssicherheit dar.“

Das bestätigt sich jetzt auch bei den Fällungen. Von wegen „Buchen sollst Du suchen“ – das alte Gewitter-Sprichwort verkehrt sich hier ins Gegenteil. „Teilweise bricht beim Umfallen die halbe Krone weg“, berichten Waldarbeiter beim Pressetermin. Vorsicht ist geboten. „Da geht man lieber mal noch ein paar Meter weiter weg als sonst.“

Zwar zeigt sich auch an anderen Stellen im Entegast, dass nicht nur die Fichte angesichts des sich verändernden Klimas auf dem absteigenden Ast ist. Auch die Buche bekommt bei einer solchen Trockenheit wie in den Jahren 2019 und 2020 Probleme. Benötigen ein Baum doch je nach Größe bis zu 400 Liter Wasser täglich.

Hier im Roggenbach‘schen Wald aber kommt noch ein Sondereffekt hinzu. Stellenweise war hier in der Vergangenheit Platz geschaffen worden für Naturverjüngung. Die neuen Bäume nahmen den älteren, deren Wurzeln tiefer reichen, das Wasser weg. Auch waren die alten Bäume nun stärker direktem Sonnenlicht ausgesetzt. Dass es jetzt in diesem Jahr wieder mehr geregnet hat als in den Vorjahren, kam für diese Buchen zu spät. Niefenthaler stellt allerdings auch klar, dass dieser Hieb „nicht komplett unplanmäßig ist.“ In einigen Jahren wären diese Bäume ohnehin an der Reihe gewesen – nur eben nicht schon jetzt und so viele auf einmal. Stattdessen wäre nur ein Teil gefällt worden „und dann hätte man wieder zehn Jahre Ruhe gehabt.“ Immerhin: Aktuell sei Laubholz auf dem Holzmarkt wieder stärker gefragt, daher gebe es dafür etwas bessere Preise als zuletzt. „Wir haben zumindest da so gesehen Glück.“

Stellt sich die Frage: Was wächst nach? Im Großen und Ganzen soll die Natur selber entscheiden, welche Baumart hier den Buchen nachfolgt, so Niefenthaler. Weil dies aber vermutlich im großen Stil die Eiche sein wird, ist angedacht, dass zumindest punktuell auch andere Laubbaumarten wie die Elsbeere sowie zudem auch Nadelbäume gepflanzt werden. Ein Thema könnte dabei die Douglasie sein. Das aber entscheide die Stadt Schopfheim als Waldeigentümer.