Es ist mehr als unklar, ob es überhaupt eine Fasnachtssaison 2020/2021 geben wird. Fest steht aber: Wenn es eine gibt, dann kann auch wieder standesgemäß geböllert werden. Die alt-ehrwürdige „Hurlibaus“-Kanone vom Auma-Zinken kann nach einem Umbau wieder schießen. Es fehlt nur noch die Abnahme beim Landesbeschussamt in Ulm, um mit dem Geschütz wieder Salven abfeuern zu können. Möglich macht die Zulassung auch eine Spende der befreundeten Clique „Wildi Wiiber“.

Der alte Mörser ist kaum wiederzuerkennen: Er strahlt im schönsten Schopfheimer Stadtblau, die kleinen Dellen und Risse, die er über die Jahre während unzähliger Umzüge und Salvenschüsse davontrug, sind geflickt. Und das Wichtigste: Die alte Kanone hat ein neues Innenleben, mit dem sie nun auch wieder schießenderweise am Umzug teilnehmen darf. Die langen Gesichter im Vorstand des Auma-Zinkens sind einem Lächeln gewichen: Der Umbau hat geklappt.

Der war bekanntlich nötig geworden, weil im November 2019 auf einmal rausgekommen war, dass die Kanone gar keine Zulassung mehr hatte. Die Behörden legten das Geschütz sofort still und es war lange unklar, ob die „Hurlibaus“ überhaupt noch einmal würde schießen dürfen. Denn das mit einem Gas betriebene und vom Zinken in den 50er Jahren selbst gebaute Kanonenrohr wurde von Hand gezündet – ein Vorgang, dem die Behörden allein schon aus Sicherheitsgründen die Genehmigung verweigerten.

Es zeichnete sich dann aber im Februar eine Lösung ab: Ein Fachmann aus Hauingen machte den Auma-Zinken auf ein mit Gas betriebenes Knallgerät aufmerksam, das zum Verscheuchen von Vögeln auf Feldern eingesetzt wird. Das Gerät wird mit einem elektrischen Zünder ferngesteuert und passte ins alte Panzerrohr der „Hurlibaus“. „Es war eigentlich gar nicht so aufwendig, das einzubauen“, sagte Zinkenvögtin Sonja Litfin bei einem kleinen Treffen in der Kulturfabrik, wo die Kanone ihren Lagerplatz hat. „Sie knallt fast so laut wie früher. Ich bin jedenfalls erschrocken.“ Nun fehlt nur noch die Zulassung beim Beschussamt in Ulm. „Ungefähr 300 Euro soll das kosten“, sagt die Auma-Chefin – die kleinste Summe in der ganzen Kanonen-Reaktivierungs-Geschichte.

Aber auch die will erst einmal bezahlt sein und so traf es sich sehr gut, dass die befreundeten Hexen von der Clique „Wildi Wiiber“ beschlossen haben, in diesen auch für die Narren unsicheren Corona-Zeiten ein Zeichen des Zusammenhalts zu setzen: Die Clique um ihre Chefin Marianne Häßler hat spontan 333,33 Euro zusammengesammelt und spendet das Geld nun dem Auma-Zinken – die Summe reicht genau für die Zulassung beim Beschussamt und vielleicht noch ein paar Gläser Sekt, um auf die erfolgreiche Wiederinbetriebnahme der Kanone anzustoßen.

„Wir wollten ein Zeichen setzen, dass man zusammenhält“, sagte Marianne Häßler bei der Spendenübergabe – inklusive einer von Sarah Schwald gebastelten Mini-Kanone. Und war es bis jetzt die Kanone, die schweigen musste, so war es diesmal Sonja Litfin: „Mir fehlen da tatsächlich ein bisschen die Worte“, sagte sie. „Wir sind einfach dankbar.“

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