Im Kleinen Wiesental hat sich der Streit um die geplanten Windkraftanlagen auf dem Zeller Blauen etwas beruhigt – die Beteiligten warten auf den Genehmigungsantrag durch die EWS Schönau. Die Bürgerinitiative Schwarzwald Gegenwind, die sich gegründet hatte, um den Windpark zu verhindern, hat jüngst aber mit einer Strafanzeige auf sich aufmerksam gemacht, die wegen womöglich illegal abgelagerten belasteten Erdaushubs gestellt wurde. Wir haben BI-Sprecher Bernd Fischbeck gefragt, welche Motivation dahintersteckt und ob die BI dabei eine Agenda verfolgt.

Herr Fischbeck, Sie haben als Sprecher der Bürgerinitiative SchwarzwaldGegenwind die Anzeige gegen die Verantwortlichen der Erdaushub-Ablagerungen an Waldwegen des Kleinen Wiesentals lanciert. Was hat Sie dazu bewogen?

Aufmerksam wurde ich durch die große Zahl entsetzter Bürger, die sich bei uns gemeldet haben. Es sind Menschen, die bereits die Diskussionen zu den Ablagerungen im Niederungsgebiet der Kleinen Wiese in Wieslet oder die Entwicklung des Niedertegernauer Gewerbegebiets verfolgt haben. Eine Entwicklung, wie ich sie seit meinem Zuzug ins Kleine Wiesental vor sieben Jahren beobachte und wie sie gerade auf der Achse Wieslet-Tegernau-Neuenweg mit einer nicht nur dem Tourismus schadenden Verwahrlosung zum Ausdruck kommt. Der Erholungswert der unbeschädigten Natur ist im Kleinen Wiesental das einzige „Tafelsilber“, mit dem Touristen angelockt werden können. Als Touristenschreck hingegen stellen sich die mit Bauschutt und zerbröseltem Asphalt aufgefüllten Waldwege dar.

Wieso folgte dann gleich eine Strafanzeige? Auf dieses Thema kann man auch anders aufmerksam machen.

Es ist klar, dass es nicht um harmlosen Erdaushub geht. Es geht um die verbotene vorsätzliche Vermischung von Schadstoffen aus Straßenbelag und Bodenaushub und deren Ablagerung im Wald und in Quellgebieten. Dies mit Wendeplätzen zu begründen, wie es Bürgermeister Schönbett macht, muss ich als Schutzbehauptung werten, wenn Aushub und Fremdboden in großen Mengen die Hänge hinuntergeschüttet wurde oder zermahlener Asphalt sich auf Wegen häuft. Selbst normale Niederschlagsereignisse oder die Schneeschmelze können eine Kontamination des Bodens verursachen.

Die BI Schwarzwald Gegenwind alias Verein Schwarzwald Vernunftkraft hatte sich vorrangig mit dem Ziel gegründet, den Windpark am Zeller Blauen zu verhindern. Hat die Bürgerinitiative ein neues Betätigungsfeld gebraucht?

Nein, mein Engagement bei diesem Thema wäre als Privatperson ohne Vereins- oder BI-Bezug mindestens ebenso groß. Und wer sich ernsthaft mit dem Verein auseinandergesetzt hat, wird den ersten Satz zum Zweck gelesen haben: „Aufgaben und Zweck des Vereins ist die Förderung des Umweltschutzes.“ Die Diffamierung und das Anprangern der Bürger, die sich über die Vermüllung ihres Waldes beschweren, ist weder fair noch zielführend. Vielmehr sollte der Bürgermeister eine Antwort auf die Frage geben, ob nicht aus Kostengründen der Wald anstelle einer teuren Deponie für belasteten Abraum herhalten muss.

Sie bringen mit der Anzeige Vorwürfe vor allem gegen Bürgermeister Schönbett, die Forstverwaltung, aber auch gegen die EWS vor, aus deren Wärmenetz-Baustellen Teile des Materials stammen. Der Aushub geschah ja nicht nur im Zuge des Baus der Nahwärmenetze. Es wurden auch Strom-, Wasser- und Glasfaserleitungen verlegt. Wieso zielt Ihre Kritik ausgerechnet auf die EWS?

Bei den Baumaßnahmen speziell in Tegernau, Wies und Neuenweg hat die EWS durch ihre Fernwärmenetze das Baugeschehen der übrigen Teilnehmer bestimmt. Die EWS ist also der Hauptakteur.

Fechten Sie hier nicht eine Art persönlicher Fehde mit dem Bürgermeister und den Verantwortlichen der EWS in der Öffentlichkeit aus?

Meine Privatinteressen bewegen sich weit jenseits von Herrn Schönbett oder der EWS. Die Frage bleibt: Wie halten es Herr Schönbett und die EWS mit dem Kleinen Wiesental? Ursprünglich war ich davon ausgegangen, dass der Bürgermeister der Natur nahesteht. Mittlerweile habe ich da erhebliche Zweifel. Inwieweit EWS an der Verteilung von Bodenaushub, Schutt und belastetem Asphalt beteiligt ist, werden die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Landratsamt ergeben. Die Parallelen der Verhaltensweise von Bürgermeister Schönbett bei Windkraftplanung und den jüngsten Maßnahmen liegen allerdings deutlich beieinander: Schaffen von vollendeten Tatsachen, unzureichende Einbindung von örtlichen Gremien, wie Gemeinde- und Ortschaftsräten, und Übergehen der Öffentlichkeit. Nicht nur ich, sondern ein sehr breit aufgestelltes „Wir“ der Mitglieder haben eine in unserer Justiz angesiedelte Instanz angerufen, um mit offenem Visier eine rechtlich saubere Überprüfung einer auch in den Augen Dritter in mehrfacher Hinsicht unhaltbaren Umweltzerstörung herbeizuführen.

Kritiker werfen Ihnen vor, durch derlei Aktionen Unfrieden in der Gemeinde zu stiften. Wie sehen Sie das?

Dies ist eine typische Verkehrung, die ablenken soll. Wir müssen Ursache und Wirkung auseinanderhalten und sehen, wer im vorliegenden Fall nicht nur sprichwörtlich den ersten Stein geworfen hat. Unfrieden stiften nicht diejenigen, die eine unverantwortliche Umweltverschmutzung mit der Gefährdung unseres Bodens und Wasserhaushalts über die Gemeinde hinaus verfolgt haben, sondern diejenigen, die sich – wieder einmal – über Verordnungen, Gesetze und Regeln hinweggesetzt haben. Um es deutlich zu sagen: Weder in einem Privatunternehmen noch in öffentlichen Institutionen sollte und darf gesauigelt werden, vor allem nicht rechtswidrig. Der soziale Friede ist daher nicht durch die Bürgerinitiative gefährdet, sondern durch die mittlerweile vielzähligen politischen Willkürentscheidungen und den Umgang von Bürgermeister Schönbett mit andersdenkenden Bürgern.

Zur Person: Bernd Fischbeck (72) ist Sprecher der 2017 gegründeten Bürgerinitiative Schwarzwald Gegenwind, die unter anderem den geplanten Windpark am Zeller Blauen verhindern will.