Der richtig große Cannabis-Coup, den acht junge Männer aus dem Raum Schopfheim landen wollten, sollte sich als richtig großer Flop erweisen: Am Ende landeten alle vor Gericht und einige im Gefängnis. Einer der Täter wurde nun vom Schöffengericht Bad Säckingen wegen Diebstahls mit einer Waffe, Beihilfe zum unerlaubten Drogenhandel sowie wegen Besitzes von Dopingmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt. Der 24-Jährige kam – trotz Vorstrafen – nochmal mit Bewährung und einer Geldbuße von 2000 Euro davon.

Eigentlich hatten sie an alles gedacht, als sie am Abend des 23. Oktober 2017 mit zwei Autos in Richtung Schweiz aufbrachen: Säge, Gartenschere, Messer, Plastiksäcke, Rucksäcke, Handschuhe und Sturmhauben. Das Ziel war eine Hanfplantage im schweizerischen Aargau. Dort, so wusste der Hauptinitiator, gebe es eine Anlage so groß wie zehn Fußballfelder, alles voll mit erntereifen Hanfpflanzen. Einfach abernten, trocknen, verkaufen – der ganz große Reibach. Eine „geile, chillige Nacht“ sollte das werden, so der Plan. Auch die Aufgabenverteilung war geregelt. Während der Kopf der Truppe zusammen mit dem Angeklagten erntete und verstaute, verteilten sich die übrigen zum Schmiere stehen um das Gelände. Eine Anhöhe schien dafür strategisch ideal.

Das einzige, was sie nicht bedacht hatten, war, dass es sich bei dem Hanf um so genannten Nutzhanf handelte, der so gut wie keinen THC-Wirkstoff enthält. Man kann damit alles mögliche herstellen, nur keinen berauschenden Joint – was für die Konsumenten in der Drogenszene ziemlich unattraktiv sein dürfte und wenig gewinnbringend für die Dealer. Der Angeklagte erklärte, dass ihm gleich bei der Ankunft klar gewesen sei, dass da nur Nutzhanf zu holen war, denn auf einem Firmenschild war zu erkennen, dass es sich um einen offiziellen Gärtnereibetrieb handelte. Trotzdem hätten sie sich entschieden, das große Freifeld zu durchqueren, um an die Topfpflanzen im Folienhaus zu gelangen, wo man „das richtige Cannabis“ vermutete. Laut Angaben des Initiators wurden sie bei der Ernte durch das Auftauchen eines Autos gestört, weshalb sie die Aktion vorzeitig abgebrochen und sich mit einigen gefüllten Säcken davongemacht haben. Die in der Eile zurückgelassene Tasche mit Werkzeug fand der Hanfgärtner anderntags in seinem Feld, vermisste dafür aber 80 erntereife Pflanzen. Die hätten eine Trockenausbeute von 4,2 Kilogramm ergeben. Auch bei der niedrigen Wirkstoffkonzentration von 0,25 Prozent lag in der Summe der THC-Gehalt leicht über der erlaubten Menge und fiel damit unter das Betäubungsmittelgesetz. Hauptvorwurf war aber der Diebstahl. Erschwerend kam hinzu, dass bei den Werkzeugen ein Klappmesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge gefunden wurde, was den Tatbestand des Diebstahls mit Waffen erfüllt.

Aufgeflogen sind die Täter durch Telefonüberwachungen im Zuge anderer Drogenermittlungen. Als die Fahnder in einer konzertierten Aktion 18 Objekte durchsuchten, war von der Beute aus dem Aargau nichts aufzufinden. Was daraus schlussendlich geworden ist, blieb offen. Die Täter behaupteten, es sei feucht geworden und in den Säcken verschimmelt. Allerdings tauchte später in der Schopfheimer Szene Cannabis von ähnlicher Qualität auf. Die Beamten wurden dann anderweitig fündig: In der Wohnung des Angeklagten wurden 34 Ampullen Testosteron sichergestellt, eine Menge, die das Neunfache des Erlaubten überschritt.

Bewährung als allerletzte Chance

Er habe das Mittel zum Muskelaufbau gespritzt, erklärte der 24-jährige Kraftsportler. Kraftsport betreibe er noch immer, nun aber ohne Dopingmittel, beteuerte er. Dass er seit einem Jahr überhaupt keine Drogen mehr konsumiert, bewies der vorgelegte Befund einer amtlichen Drogen- und Alkoholüberwachung. Dies und seine feste Arbeitsstelle, sowie ein stabiles Umfeld und der positive Bericht des Bewährungshelfers, bewahrten den Angeklagten vor dem Gefängnis. Die Bewährung sei die allerletzte Chance, gab ihm die vorsitzende Richterin Stefanie Hauser mit auf den Weg. Ihm wurde gerichtlich jede Art von Drogenkonsum untersagt.

Zur Kontrolle muss er während der zweijährigen Bewährungszeit Urinproben abgeben. Bei Zuwiderhandlung steht die Bewährung auf dem Spiel. Der 24-Jährige sah sich aber gereift und gelobte Besserung. Er habe bei der ganzen Aktion nur mitgemacht, weil er mit seinem versprochenen Anteil von 3000 Euro alte Gerichtsschulden bezahlen wollte, erklärte er. Zu diesen kommen nun weitere dazu. Das Urteil ist rechtskräftig.