Der Schopfheimer Rühr- und Mischtechnik-Spezialist Ekato ist auf Wachstumskurs. Am Stammsitz des Weltmarktführers aus Schopfheim wird deshalb aktuell eine 30 Meter hohe Test- und Montagehalle geplant. Der Ausschuss für Bau, Umwelt und Technik (BUT) der Stadt gab am Montag grünes Licht für das Millionen-Projekt.

Der Name Ekato ist in der Region ein Begriff. Eine 88-jährige Geschichte verbinden die meisten mit dem traditionsreichen Betrieb im Lus. Aber die meisten hielten den Hersteller von Rühr- und Mischwerken noch immer für eine überwiegend handwerklich ausgerichtete Firma, sagt Philip Mathon, seit sechs Jahren Ekato-Geschäftsführer. Geradezu klammheimlich hat sich der Betrieb mit inzwischen 850 Mitarbeitern zu einem globalen Unternehmen gemausert, das seine Produkte in 90 Ländern verkauft. Rühren mit bis zu 4000 Kilowatt und bis zu 280 bar Druck können nur ganz wenige. „In unseren Reaktorrührwerken kommt eine ganz spezielle Dichtungs-, Kühlungs- und Schmiertechnologie zum Einsatz“, erklärt Philip Mathon. Er zeigt Fotos riesiger Rühranlagen, auf denen der Mensch winzig erscheint.

„Genau deshalb muss unsere geplante Montagehalle in Schopfheim auch 30 Meter hoch sein“, ergänzt Linda Lewicki, die mit dem Neubauprojekt betraut ist. Dort müsse das Produkt probeweise zusammengebaut werden, bevor es nach Indonesien oder China geliefert werde.

Erforschung neuer Methoden für Plastik-Recycling

„Schauen Sie hier im Büro“, sagt Mathon. „Für den Kunststoff am PC und seiner Maus, für das Papier, für Glas und Metall, für Farbe und den Teppichboden brauchen Sie für die Ausgangsmaterialien Rühr- und Mischtechnik.“ Der Markt ist groß, dabei schneidet sich Ekato nach eigenen Angaben das dickste Stück vom Kuchen ab. Besonders stolz sei er auf den Beitrag zur Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken, berichtet der Geschäftsführer. 15 000 Ekato-Rührwerke verwandeln dort giftigen Schwefel in nützlichen Gips.

Kosmetik und Pharma, Shampoo und Creme – überall wird gerührt, und das in immer größeren Dimensionen. Will ein Hersteller 1000 Tonnen Joghurt herstellen, simuliert das Schopfheimer Unternehmen die Anforderungen und wird so zum Prozess- und Anlagenbauer. Tochter-Unternehmen bestehen inzwischen in Holland, USA, Japan, Singapur, China, Australien, Indien, Südafrika sowie Chile und Russland. „Die Export-Quote liegt bei über 85 Prozent“, beziffert Mathon. Er verschweigt nicht, dass es durch Corona gewisse Schleifspuren gibt: „Wir leiden in der Krise unter schwächelnden Absätzen in Italien und Frankreich, Amerika und England.“ Aber dank China boomt der Markt in Asien.

Blick in die Montagehalle der Abteilung Rühr- und Mischtechnik
Blick in die Montagehalle der Abteilung Rühr- und Mischtechnik | Bild: Gerald Nill

Die Zusammenarbeit mit China beinhalte unschätzbare Vorteile. „Als Corona Anfang 2020 in Europa noch überhaupt nicht angekommen war, wurden wir bereits von unserer chinesischen Niederlassung in Schanghai über die Gefährlichkeit des Virus informiert “, so der Ekato-Geschäftsführer. „Ende Februar hatten wir hier eine Taskforce für Hygiene und Abstand.“ Als das Virus kam, war das Unternehmen vorbereitet. „Es gab hier keine Verbreitung, wir hatten die Pandemie von Anfang an gut im Griff und darauf sind wir stolz“, sagt Mathon. 200 Mitarbeiter arbeiten permanent im Homeoffice. Im April 2020 habe China dringend benötigte Masken nach Schopfheim geschickt, erinnert sich der Manager. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Schopfheimer Unternehmens will jetzt schaffen, was seit Jahrzehnten in Deutschland nicht klappt: ein tatsächliches Kunststoff-Recycling. Was die Plastik-Industrie seit langem verspricht, aber nicht hält, will Ekato einlösen: den Joghurtbecher wieder in ein rohölähnliches Produkt zurückverwandeln.

Ganz aktuell ist auf dem Firmengelände am Lus ein neues Bürogebäude für Engineering und Konstruktion mit 75 neuen Arbeitsplätzen entstanden. „Wir investieren jedes Jahr zehn bis 15 Millionen Euro“, sagt Mathon.