Schopfheim – Mit „Harold und Maude“, der schwarzhumorigen Kultkomödie um einen jungen Mann, der sich ständig mit dem Tod beschäftigt, und eine lebenslustige, jung gebliebene Dame, startete am Dienstag nach langer Corona-Pause die Theaterreihe der Kulturkooperation Wehr-Schopfheim in der Schopfheimer Stadthalle in die neue Saison. In einer Aufführung der Theatergastspiele Fürth erlebten knapp 100 Besucher eine unterhaltsame Inszenierung dieses Stücks von Colin Higgins, die berührende Momente hatte.

Die Botschaft der nicht zuletzt durch den Film von Hal Ashby aus den frühen 1970er-Jahren populär gewordenen Komödie ist klar: Das Leben ist ein kostbares Geschenk, das es auszuschöpfen gilt. So jedenfalls sieht es Maude, die sich über gesellschaftliche Regeln hinwegsetzt und lauter originelle Ideen im Kopf hat. Charmant und liebenswert spielt Kathrin Ackermann diese Lebenskünstlerin, die mit ihrer Courage selbst Pfarrer und Gesetzeshüter um den Finger wickelt. Mit wilden Locken, zierlicher Gestalt, farbig gemusterten Kleidern und unwiderstehlichem Lächeln gibt die aus dem Fernsehen bekannte Schauspielerin eine freigeistige Maude, die vor Vitalität nur so sprüht.

Als sie auf dem Friedhof dem verschlossenen und spleenigen jungen Harold begegnet, der wie sie gern zu Beerdigungen geht, entwickelt sich eine Romanze zwischen dem so ungleichen Paar. Maximilian Wrede spielt überzeugend den ebenso empfindsamen wie versponnenen Harold, der immer mehr auftaut, durch Maude neue Dinge ausprobiert und das Leben schätzen lernt. Der junge Mann hat einen Hang zum Morbiden und inszeniert immer wieder seinen fiktiven Schein-Tod, hantiert mit Sprengstoff, Strick, Särgen und Harakiri-Dolch, um seine egomanische Mutter zu schocken und ihr eine mütterliche Reaktion zu entlocken. Doch als er Maude kennen und lieben lernt, verändert sich der neurotische Junge aus reichem Haus und entdeckt, was für Schönheiten das Leben bereit hält.

In der Regie von Thomas Rohmer werden Maudes kühne Einfälle mit komödiantischer Spiellaune auf die Bühne gebracht. Da klaut Maude den Wagen des Paters, um einen Baum aus dem Stadtsmog zu retten und in den Wald zu verpflanzen. In ihrer kunterbunt möblierten Wohnung haust nebst zwei Papageien eine aus dem Zoo gekidnappte Robbe, die im Meer frei gelassen wird. Es ist amüsant und zugleich bewegend inszeniert und gespielt, wie Kathrin Ackermann als lebenserfahrene Maude ihrem jungen Freund die verlockenden Seiten des Lebens nahebringt: das Tanzen, Champagnertrinken, Sterne gucken, Gitarre spielen, asiatisch essen, Wasserpfeife rauchen, Kopfstand machen und Düfte erkennen.

Zwischendurch blendet die Inszenierung ins Haus von Harold, wo dessen resolute Mutter versucht, ihren Sohn mittels einer Dating-Agentur zu verkuppeln. Manuela Denz gibt die Mrs. Chasen als glamouröse, überspannte Lady, die ständig den Psychiater oder den sexy Masseur ins Haus holt. Skurrile Situationen ergeben sich, wenn sie die Heiratskandidatinnen unter die Lupe nimmt.

In schrägem Rollen- und Kostümwechsel dreht Magdalena Meier als flippiges Hippie-Girl, verklemmte Sekretärin und ungezogene Göre, die mit Schuhen auf der Couch lümmelt, in Sachen Komik voll auf. Doch Harold vergrault alle Bewerberinnen durch seinen Spleen, immer wieder gruselige Schock-Momente zu inszenieren. Viel Verwandlungsvermögen zeigen Hans-Peter Ampferer als Pater und als verführerischer Masseur und Sebastian R. Delta als Psychiater und Inspektor, dem Maudes eigensinniger Lebensstil ein Dorn im Auge ist.

Gegen Schluss wird die Komödie gefühlvoller, anrührender, auch melancholischer, denn die lebensfrohe Maude verabschiedet sich an ihrem 80. Geburtstag eigenwillig von der Welt und lässt Harold und den Zuschauern ein besonderes Geschenk zurück: eine Liebeserklärung an das Leben und den Appell: „Was die Welt braucht, sind Brücken, nicht Mauern!“. Der lang anhaltende große Beifall des begeisterten Publikums verriet, wie gut dieser Neustart in die Theatersaison angekommen ist.