18 Anwohner aus der Siedlung am Floßkanal in Maulburg machten sich am Mittwoch auf den Weg, um Bürgermeister Jürgen Multner ihren Unmut mitzuteilen. In einer Blitzaktion sei in den letzten Tagen die Basis eines mobilen Vodafone-Mobilfunkmasts auf einem Feld direkt an die Wohnbebauung gesetzt worden, berichteten sie. Der Hauptgroll richtete sich gegen den Landwirt, dem der Acker gehört, aber auch vom Bürgermeister erwarten sie einen entschiedenen Einsatz für ihr Anliegen.

Die Basis der Mobilfunkanlage steht nur zwölf Meter vor dem Wohnzimmer von Siegfried Sütterlin im Barletenweg, wie er erklärt. Er ist entsprechend sauer und spricht von einer „Schweinerei“. Alle Nachbarn seien überrascht und erbost über die „Nacht- und Nebelaktion“. Nur einer Tag nach einer Meldung in dieser Zeitung über eine entsprechende Information im Gemeinderat sei schweres Gerät auf dem durchweichten Acker hinter der Siedlung angerückt und habe die Basis der Anlage aufgestellt, auf die nun noch ein 20 Meter hoher Mast gesetzt werde.

Bürgermeister Jürgen Multner erklärte sich spontan zum Gespräch bereit, um sich die Sorgen der Anlieger anzuhören. Er sagte, er sei selbst überrascht, da er vom Grundstückseigentümer erfahren habe, dass der mobile Funkmast eigentlich am Sonnenhof im Lettenweg aufgestellt werden solle. Erst als ihm der Elektriker vor einer Woche mitgeteilt habe, er solle ein dickes Stromkabel über den Floßkanal legen, sei ihm der jetzige Standort für die Anlage klar geworden, so Multner.

Anwohnerin Rosa Lonau kritisierte, dass die Anwohner der betroffenen Siedlung gegeneinander „ausgespielt“ würden. Multner betonte im sachlich geführten Gespräch im Ratssaal, dass die Gemeinde kein Mitspracherecht habe, wenn sich Grundstückseigentümer und Telekommunikationsanbieter einig seien. „Der Gemeinderat hat dem jetzigen Standort nicht zugestimmt und die Genehmigung der Anlage ist auch nicht zustimmungspflichtig“, so Multner. Die Standortwahl sei komplett an der Gemeinde vorbeigegangen und war nicht abgesprochen, betonte er. Die Notwendigkeit für einen vorübergehend genutzten Funkmast-Standort habe sich ergeben, weil der bisherige stationäre Mast auf einem gewerblich genutzten Gebäude in der Hauptstraße wegen Vertragskündigung entfallen sei und Vodafone nun Probleme mit der Funkabdeckung habe.

Rosa Lonau ließ den Bürgermeister so schnell nicht aus der Verantwortung. Beim Floßkanal handele es sich schließlich um ein gemeindeeignes Gewässer. Darüber sei jetzt die Versorgungsleitung verlegt worden, nach Beobachtung der Anwohner sogar unter Mithilfe des Bauhofes. Insofern sei die Gemeinde auf jeden Fall mit im Spiel. Multner rechtfertigte sich, er könne nicht jeden Vorgang in der Gemeinde kennen. Aber gerade aus der Kenntnis über das Konfliktpotenzial beim Mobilfunk werde die Gemeinde kein Grundstück für einen dauerhaften Masten zur Verfügung stellen. Insofern sei es auch fraglich, ob Vodafone innerhalb eines Jahres ein geeignetes Grundstück finde und das Provisorium eventuell länger stehenbleiben müsse.

Die Anlieger zeigten sich nicht als Totalverweigerer des Mobilfunks und meinten, „mit einer Verschiebung des mobilen Masts um 200, 300 Meter ans hintere Feldende“ einverstanden zu sein. Obwohl die Gemeinde nach Multners Worten kein Mitspracherecht bei der Wahl des Standortes für einen Mobilfunkmasten hat, will er nun das Gespräch mit Vodafone suchen. Auch wenn er den Erfolg nicht versprechen könne, wollte er sich für zwei Dinge einsetzen: eine Verschiebung des Interimsmasten weg von der Bebauung und zweitens ein transparentes Verfahren bei der Suche nach einem endgültigen Standort. Die Zeit dränge, der Mast solle in zwei Wochen in Betrieb gehen. Die Bürger waren mit dieser Zusage weitgehend einverstanden.

Indes bestätigt die Vodafone AG auf unsere Anfrage, dass der bisherige Standort nicht weiter betrieben werden kann und spätestens Ende Juli das jetzige Provisorium in Betrieb gehen wird. Keine Antwort gab der Konzern auf die Fragen, wo und nach welchen Kriterien ein Standort für eine feste Sendeanlage gesucht wird, und ob sowohl der provisorische als auch der künftige feste Standort mit der bei vielen Menschen umstrittenen 5-G-Mobilfunktechnik ausgerüstet wird.