Mitte Mai wurde gesät, jetzt wird quasi geerntet: Die Stadt, der BUND und der Verein Cambium sind voller Stolz auf die drei Insektenweiden in Schopfheim, die zur Zeit noch in voller Blüte stehen. Die drei Wiesen in Gündenhausen, im Käppelemattweg und am Fahrnauer Friedhof sind innerhalb von zwei Monaten zu bunten Blütenteppichen geworden, auf denen sich Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten tummeln. Nun soll die Saat auch bei den Schopfheimer Bürgern und Unternehmen aufgehen.

Reiner Geiger, Ruth Noack, Markus Hurter, Klaus Böttger, Michael Reimann (hinten von links), Karin Miehle-Bohne, Christine Arncken und Stefan Wetzel (vorne von links) sind stolz auf die Bienenweide.
Reiner Geiger, Ruth Noack, Markus Hurter, Klaus Böttger, Michael Reimann (hinten von links), Karin Miehle-Bohne, Christine Arncken und Stefan Wetzel (vorne von links) sind stolz auf die Bienenweide. | Bild: Nicolai Kapitz

„Ich hab‘ gar nicht gewusst, dass es so viele verschiedene Insekten gibt“ – Stefan Wetzel staunt nicht schlecht über die summenden Besucher der Blumen auf der Wiese am Fahrnauer Friedhof. Der Bauhofleiter hat hierhin zum Pressetermin geladen, um das Ergebnis der städtischen Bemühungen um mehr Artenvielfalt und auch mehr Farbenpracht zu präsentieren. Gemeinsam mit dem Verein Cambium – Betreiber des Hofs Dinkelberg in Wiechs – und begleitet durch die BUND-Ortsgruppe Schopfheim hatte der Bauhof im Mai Samenmischungen auf den dafür vorbereiteten Böden verteilt. Seither wuchsen die Blumenwiesen heran und stehen nun in voller Blüte. „Zweimal mussten wir gießen“, sagt Karin Miehle-Bohne, die mit dem Säen und der Pflege der Beete betraut war. Viel Pflege benötigen die Weiden nicht, sie müssen eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. „Da hatten wir so unsere Bedenken“, sagt Stefan Wetzel. „Wir befürchteten Probleme mit Müll und Hundescheiße.“ Aber bis auf ganz wenige Ausnahmen wurden die Blumenwiesen in Ruhe gelassen. „Und es wird von den Bürgern wirklich sehr positiv aufgenommen.“

Einer nimmt es besonders positiv auf: „Es summt und brummt“, sagt Klaus Böttger mit einem sichtlich zufriedenen Gesichtsausdruck. Denn das Summen der vielen Bienen, Hummeln und Schwebfliegen ist Musik in den Ohren des Schopfheimer BUND-Vorsitzenden, der unermüdlich dafür kämpft, nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in privaten Gärten mehr Lebensraum und auch mehr Nahrungsquellen für Insekten zu schaffen. Der BUND hat die drei bunten Wiesen gründlich untersucht und befindet die Vielfalt der Blumen und die Vielfalt der Insekten, die dazwischen hin- und herschwirren, als gelungen.

Böttger ist von dem Ergebnis der blumigen Aktion sogar so begeistert, dass er dem Bauhof gleich einem Orden ein eingerahmtes Lob überreicht. Anerkennung und Verpflichtung zugleich, denn auch Böttger findet, dass die jetzt blühenden drei Insektenweiden nicht viel mehr als ein Anfang sein können. „Jetzt kommt es darauf an, dass auch die Bürger mitmachen“, sagt der BUND-Vorsitzende. Und auch Stefan Wetzel hat dazu eine Meinung: „Die Stadt ist in Vorleistung gegangen. Jetzt sind andere am Zug.“ Und als ob ihn jemand gerufen hätte, erscheint Bauunternehmer Hansjürgen Blum zufällig an der Insektenweide und zeigt sich begeistert von der Vielfalt, der farbigen wie der flatternden. „Es ist faszinierend, was da möglich ist“, staunt der Geschäftsführer der Baufirma Binder & Blum – und erklärt sich spontan bereit, bei Bauvorhaben künftig wo immer möglich auf Saatmischungen dieser Art zurückzugreifen, zu Beispiel auf Dächern. Stefan Wetzel verspricht ihm ebenso spontan: „Die allererste Packung spendiert der Bauhof.“

Tatsächlich ist es das, worauf Wetzel und auch Böttger hinauswollen: Die Aktion – wie Stefan Wetzel sagt eigentlich nur ein „Test“ – soll als Vorbild dienen und Nachahmer finden. Private Häuslebauer und Hausbesitzer können ihre Gärten damit insektenfreundlich gestalten und gleichzeitig verschönern. Gewerbe und Industrie können ihre Außenanlagen entsprechend anlegen. Ganz aus der Pflicht will Klaus Böttger die Stadt dann aber doch nicht lassen: „Der Kreisel in der Wiechser Straße“, sagt Böttger, „könnte auf jeden Fall noch verschönert werden.“

Und das Bauhof-Team will ganz und gar nicht untätig bleiben: Zwar sind erst einmal keine weiteren Bienenweiden in Planung. Aber allein durch anderes Mähen und andere Pflege vieler Flächen könne viel bewegt werden, sagt Stefan Wetzel.