Schreckenstat im Bergdorf Riedichen: In der Nacht auf Mittwoch soll ein 27-jähriger Bulgare in einem Wohnhaus mitten im Dorf einen Mann getötet und drei weitere verletzt haben. Wie sich laut Polizei herausstellte, waren sie Arbeitskollegen. Noch in der Nacht leitete die Polizei eine Großfahndung nach dem 27-jährigen mutmaßlichen Täter und dessen Bruder ein. Am Tag danach steht das Dorf unter Schock. Die Einwohner sind fassungslos und müssen die Erlebnisse erst einmal verarbeiten.

„Das ganze Dorf wurde um kurz nach 23 Uhr abgeriegelt“, berichtet ein Bewohner gegenüber dieser Zeitung. „Die Zu- und Abfahrten wurden bewacht, dann kamen Hundeführer. Polizisten sind mit den Hunden und mit Taschenlampen durch das ganze Dorf gegangen und haben Schuppen und Scheunen durchsucht.“ Die Beamten durchkämmten bis weit nach Mitternacht den Ortskern, „sogar die Bienenstöcke haben sie durchsucht“, sagt eine Anwohnerin. Dann, so die Bewohner weiter, begann der Polizeihubschrauber mit einem Suchscheinwerfer über dem Dorf und den angrenzenden Wäldern zu kreisen.

Mit Informationen hielten sich die Ermittler in der Nacht zurück: „Auf Nachfragen haben wir nur erfahren, dass zwei Männer gesucht werden“, berichtet die Anwohnerin. „Was genau passiert ist, habe ich erst am Morgen danach erfahren. Man bekommt schon weiche Knie, wenn man so etwas hört.“ Die Bluttat hat sich offenbar mit brutaler Gewalt in der Einliegerwohnung eines Mehrfamilienhauses im Ortskern des kleinen Bergdorfs abgespielt. Wie Bürger erzählen, sei die Wohnung regelmäßig an Gastarbeiter aus dem osteuropäischen Raum vermietet. „Die sind eigentlich immer unauffällig. Man bekommt von ihnen normalerweise nichts mit“, erklärt die Anwohnerin, die nur einige Meter von dem Haus im Mitteldorf entfernt lebt. Wie die Polizei berichtet, waren in der inzwischen versiegelten Wohnung sechs Arbeiter aus verschiedenen Ländern untergebracht. Einer der Männer, der 27-jährige Bulgare, soll in der Nacht auf Mittwoch in der Mietwohnung einen 38-jährigen Arbeitskollegen getötet und drei weitere verletzt haben, einen davon, einen 64-jährigen Mann, schwer. Zwei weitere Männer wurden leicht verletzt. Nach der Tat sei der 27-jährige Tatverdächtige zu Fuß zusammen mit seinem Bruder vom Tatort geflohen.

Ein Bewohner des Hauses, in dem die Tat geschah, zeigt sich im Gespräch schockiert: „Wenn es nur eine Schlägerei gewesen wäre, wäre das etwas anderes. Aber wenn ein Menschenleben verloren geht, ist das eine ganz andere Dimension. Man hat keinen Streit gehört und nichts wahrgenommen. Wir sind erst aufmerksam geworden, als es irgendwann kurz vor 23 Uhr an der Tür geklingelt hat.“ Er habe mitbekommen, wie ein Schwerverletzter um Hilfe bat; kurz darauf trafen Polizei und Rettungswagen ein, Einsatzkräfte und Fahrzeuge füllten den kleinen Platz beim Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus. Die beiden Flüchtigen seien zu dem Zeitpunkt längst fort gewesen. „Die Bauarbeiter verhalten sich im Dorf eigentlich immer völlig unauffällig, die brechen oft früh morgens zur Arbeit auf und kommen spät zurück“, berichtet der Anwohner. „Man bekommt nicht einmal mit, wann sie gehen und kommen.“ Streits unter den Arbeitern seien bisher seiner Wahrnehmung nach nicht vorgekommen worden. „Wir hoffen natürlich, dass das schnell aufgeklärt wird und wir erfahren, was da wirklich abgelaufen ist“, so der Anwohner.

Die Fahndung nach den beiden lief den ganzen Tag über, auch unter Beteiligung des Polizeihubschraubers. Im Laufe des Tages weitete die Polizei ihren Suchradius aus, nachdem anfänglich noch vermutet wurde, dass sich die beiden Männer im Bereich rund um Riedichen aufhalten. Autofahrer in den Landkreisen Lörrach und Waldshut wurden am Morgen über das Radio dazu aufgefordert, keine Anhalter mitzunehmen. Zum Tathergang gab es von Seiten der Polizei keine Details, die Untersuchungen laufen. Das Opfer war durch „massive Gewalteinwirkung“, so die Polizei, ums Leben gekommen. Eine Täterbeschreibung gab es nicht, da diese „zu vage sei“, so die Polizei. Es wurde eine Sonderkommission eingerichtet.

Zells Bürgermeister Peter Palme zeigte sich am Mittwoch schockiert ob der Geschehnisse in der Nacht. „Und das im beschaulichen und friedlichen Riedichen“, so Palme. Der Bürgermeister war am Mittwoch ins Bergdorf gefahren, um sich vor Ort zu informieren und den Vermietern der Wohnung, in der die Tat stattgefunden hatte, seine Hilfe anzubieten. „Sie waren natürlich geschockt, machten aber dennoch einen gefassten Eindruck auf mich“, sagt Palme. Psychologische Hilfe hätten sie abgelehnt.