Schopfheim-Eichen – Wie geht‘s in Eichen weiter, wenn das Rathaus eines Tages verkauft wird – und somit die Bleibe von Ortsverwaltung, Ortschaftsrat und Vereinen? Die Eichener haben sich dazu nun schon zum zweiten Mal Gedanken gemacht. Und das, obwohl die Veräußerung ihres – wie es Bürgermeister Dirk Harscher im Gemeinderat formulierte – „Liebhaberobjekts“ nicht ihr eigener Wunsch ist. So soll die Hülschematthalle einen Anbau erhalten. Wie dieser umgesetzt werden kann, darüber werden sich jetzt mehrere Büros Gedanken machen und Machbarkeitsstudien entwerfen. Hat doch der Gemeinderat einstimmig zugestimmt, dass ein kleiner Wettbewerb ausgelobt wird, den die Stadtbau Lörrach betreut. Kosten: 25.000 Euro.

Im offiziellen Sprachgebrauch handelt es sich um eine „Mehrfachbeauftragung“. Wie Gebäudemanagerin Martina Milarch auf Nachfrage von Martina Hinrichs (SPD) erläuterte, liegt der Unterschied darin, dass das Siegerbüro hinterher nicht automatisch den Anspruch hat, diesen Entwurf auch umzusetzen. Zwar sollen sich die Büros bei der Machbarkeitsstudie auf den Anbau konzentrieren. Eine Rolle spielt aber dennoch, dass zugleich auch die Halle mittlerweile dringend saniert werden muss und dazu auch bauliche Veränderungen beim Kindergarten anstehen, der sich ebenfalls in der Halle befindet. Damit dieser nicht seine Zulassung verliert, muss für die Leitung ein eigenes, ausreichend großes Büro geschaffen werden. Das allerdings soll bereits jetzt erfolgen. Der Anbau indes soll baulich voraussichtlich 2024 in Angriff genommen werden, ein Rathausverkauf wäre für 2025 angedacht. Kurzum: „Es ist alles etwas kniffelig“, wie es Ortsvorsteher Rudolf Wasmer in der Gemeinderatssitzung formulierte.

Gerade aber um die verschiedenen Baustellen unter einen Hut zu bekommen sei es „klug, einen Wettbewerb zu machen“. Auch um die Kosten im Griff zu behalten und nachträgliche Verteuerungen zu vermeiden, sei es wichtig, „präzise zu planen.“ Die Eichener selbst wirken dabei kräftig mit. So wurde der Platzbedarf unter Einbezug der Eichener Bevölkerung ermittelt. Dazu fand unter anderem im August eine Ortsversammlung statt, bei der auch mögliche Synergien für den Platzbedarf von Kindergarten, Ortschaftsrat und Vereinen ausgelotet wurde. Auf Grundlage dieser Ergebnisse hat die Stadtbau Lörrach einen Bedarfsplan erstellt. „Wir Eichener sind dem Appell der Stadt gefolgt und haben nun schon ein zweites Mal nach Lösungen gesucht, wie ein Ersatz für das Rathaus aussehen könnte“, erinnerte Wasmer daran, dass ein Verkauf des Rathauses nicht zum ersten Mal auf dem Tisch liegt.

Obwohl es vielen nicht leicht falle, sich vom Rathaus – dem früheren Schulhaus – zu trennen, stehe die Eichener Bevölkerung hinter den Anbau-Überlegungen. Wasmer stellte klar: „Das Dorf will keine Luxuslösung und kein Wunschkonzert.“ Darauf hatte auch Wolfgang Bühler, Ortschaftsrat und Alt-Stadtrat, in der Bürgerfragestunde Wert gelegt. Das Raumprogramm sei „sehr knapp gehalten und ist kein hundertprozentiger Ausgleich“. Nicht nur sei Eichen jetzt „in Vorleistung getreten“, auch beteilige sich Eichen nicht unerheblich an der Finanzierung eines Anbaus mit schon lange dafür angesparten Verfügungsmitteln. Auch sei vorgesehen, den Verkaufserlös für die Finanzierung zu verwenden. Dazu gebe es zahlreiche Fördermöglichkeiten, „die genutzt werden sollten“, so Bühler. Beide – Bühler und Wasmer – betonten, dass der Verkauf „kein Eichener Wunsch ist“, sondern der Stadt, die hier Unterhaltskosten sparen wolle. Aber das Dorf gehe konstruktiv mit dem Thema um. Beide appellierten daher, einer Mehrfachbeauftragung von Büros zuzustimmen.

Für Kai Horschig (Freie Wähler) ist dieses Vorgehen „zu hundert Prozent richtig“ – und auch „die logische Konsequenz. Wenn man sich von Gebäuden trennt, muss man die Bestehenden entsprechend ertüchtigen.“ Wiechs sei dafür das beste Beispiel. In der neuen Halle tage der Ortschaftsrat jetzt in einen Raum, der auch von Vereinen genutzt werde und aktuell auch ein Klassenzimmer sei. „So muss es sein. Man braucht multifunktionale Räume.“

Auch Bürgermeister Dirk Harscher warb um Zustimmung. Der Gemeinderat setze damit ein Zeichen, wenn die Eichener schon ihr „Liebhaberstück Rathaus aufgeben.“ Dieses Signal kam auch – mit einem einstimmigen Ja.