Der Eichener See ist derzeit im Fokus: Fernsehsender berichten über ihn, doch auch private Kamera-Augen sind auf ihn gerichtet: In Sozialen Netzwerken werden munter Bilder und Videos verbreitet – darunter allerdings auch Drohnen-Überflüge über den See. Was einigen Piloten womöglich nicht klar ist: Sie schweben sozusagen in akuter Bußgeldgefahr. Der Eichener See ist FFH-Naturschutzgebiet und Drohnen-Flugverbotszone.

Es summt und surrt am See. Immer wieder ist das Geräusch von Drohnen zu hören, die herum kreisen und Bilder oder auch Filme vom See machen. Wohl noch nie ist das Naturphänomen auf dem Dinkelberg so oft aus der Vogelperspektive bildlich festgehalten worden wie in diesem Jahr. Fotos und Filmchen werden im Internet denn auch rege verbreitet, ernten viele „Gefällt-mir-“Klicks.

Das Hobby Drohnenfliegerei kann zum teuren Spaß werden.
Das Hobby Drohnenfliegerei kann zum teuren Spaß werden. | Bild: Florian Schuh (dpa)

Den Daumen nach unten indes senken die Behörden, wenn die Drohnenflüge innerhalb der Flugverbotszone stattfinden. Steht doch der Eichener See unter höchstem europäischem Naturschutz, seit 2005 ist er als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen. Zuvor war er 1983 als flächenhaftes Naturdenkmal und 1942 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden. Genau genommen umfasst das FFH-Gebiet nicht nur die Kernzone des Karstsees, sondern auch einige Grünflächen drumherum. Als Drohnenpilot die Abgrenzung des Gebiets zu kennen ist wichtig – andernfalls kann aus dem Hobby ein sehr teurer Spaß werden.

„Der Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen und Flugmodellen über Naturschutzgebieten, über Nationalparken und über Natura-2000-Gebieten – also FFH-Gebieten und Vogelschutzgebieten – ist verboten, soweit der Betrieb von unbemannten Fluggeräten in diesen Gebieten nach landesrechtlichen Vorschriften nicht abweichend geregelt ist. Ein Verstoß hiergegen stellt in der Regel eine Ordnungswidrigkeit dar“, teilt Matthias Henrich, Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, auf BZ-Nachfrage mit.

Zulassung nur auf Antrag möglich

Nur ausnahmsweise und auf Antrag könne die Behörde für Luftverkehr und Luftsicherheit des Regierungspräsidiums Stuttgart das Überfliegen dieser Gebiete zulassen. Hierfür müsse aber ein öffentliches Interesse bestehen. Im Falle des Eichener Sees allerdings hat das Regierungspräsidium Stuttgart „für den Überflug über das genannte Naturschutzgebiet keine Ausnahmegenehmigung erteilt. Ein entsprechender Antrag lag dem RPS nicht vor“, so die Auskunft von Behördensprecherin Lisa Schlager. Sie stellt auch klar: „Der Aufstieg von Drohnen über Naturschutzgebieten ohne eine Ausnahmegenehmigung stellt eine luftrechtliche Ordnungswidrigkeit dar.“

Bei der Frage, ob solche illegalen Überflüge über den Eichener See gemeldet worden sind, landet man bei der Ordnungswidrigkeitsbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Wie RP-Sprecherin Clara Reuß mitteilt, seien „zu diesem Ort bislang keine Anzeigen eingegangen. Generell verfolgen wir solche Verstöße aber, soweit der Betrieb von unbemannten Fluggeräten in diesen Gebieten nach landesrechtlichen Vorschriften nicht abweichend geregelt ist und sofern wir den Steuerer und den Tattag ermitteln können.“ Das Gesetz sehe hier bei Vorsatz einen Rahmen bis zu 50.000 Euro vor – bei Fahrlässigkeit bis zu 25.000 Euro. „Wir setzen die Höhe gemäß § 17 Absatz 3 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten fest, da es keinen eigenen Bußgeldkatalog gibt“, erklärt die Sprecherin. Dies bedeute auch, dass gegen einen gewerblicher Drohnensteuerer im Regelfall eine höhere Geldbuße verhängt werde, als gegen eine Person, „der dies lediglich als Hobby betreibt“.