Auch am Hausener Kfz-Zulieferer Auto-Kabel geht die Krise nicht spurlos vorüber: Die Belegschaft ist innerhalb eines Jahres um 20 Prozent auf 2800 Mitarbeiter gesunken. Allerdings sieht sich das Unternehmen dank Kurzarbeit und langfristiger Personalanpassung gut aufgestellt. Das teilt Geschäftsführer Markus Bolz auf Anfrage mit. „Die Situation ist angespannt“, sagt Bolz. „Und zwar nicht erst seit Corona, sondern bereits seit Mitte 2019.“ Ursache für die Schwierigkeiten im globalen Automobilgeschäft seien ein „Handelskrieg und Zulassungsprobleme“.

Produkte des Hausener Unternehmens steckten in fast allen namhaften Kfz-Marken, berichtete Bolz. So zum Beispiel in den Marken der VW-Gruppe mit Audi und Porsche, beim gesamten Daimler-Konzern, BMW, Peugeot, General Motors sowie beim chinesischen Hersteller Saic. „Wir sind zuständig für die Energieverteilung im Fahrzeug“, so der Geschäftsführer. Auto-Kabel ist Spezialist in der ganzheitlichen Systemlösung und entwickelt innovative Technologien für das Energiemanagement und die elektrische Sicherheit im Fahrzeug. „Unsere Produktpalette findet ihren Platz in Pkw, Bussen und Lkw bis hin zu Sonderfahrzeugen, Landmaschinen und Spezialanwendungen für die Industrie“, berichtet das Unternehmen.

Durch die sich abzeichnenden Schwierigkeiten auf dem Markt habe Auto-Kabel rechtzeitig reagiert und die Personalstärke angepasst. Das sei binnen Jahresfrist praktisch ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt, sondern durch Fluktuation und Nichtwiedereinstellung. „Kündigungen bewegten sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich“, erläutert Bolz. „Wir haben jetzt noch 2800 Beschäftigte, 20 Prozent weniger als Mitte 2019.“ Das Stammwerk in Hausen zähle jetzt noch 280 Mitarbeiter in der Produktion sowie 80 Beschäftigte im Management. Auto-Kabel ist weltweit aufgestellt und produziert auch in Mexiko, China, Tschechien, Schweiz, Frankreich, Serbien sowie Nordamerika. In den USA habe das Unternehmen gerade die Auszeichnung „best supplier“, also bester Zulieferer, von General Motors erhalten. Die USA und China seien die maßgeblichen Wachstumsmärkte für Auto-Kabel.

Markterholung wird drei bis fünf Jahre dauern

Bolz teilt seine Prognose mit: „Wir gehen jetzt davon aus, dass wir das hohe Niveau von 2018 nicht mehr erreichen.“ Im kommenden Jahr werde man voraussichtlich um zehn Prozent unter dem Top-Niveau bleiben. Bolz weiter: „Die Markterholung wird drei bis fünf Jahre dauern.“ In den USA und China sei mit einer etwas schnelleren Erholung zu rechnen.

Große Hoffnungen setzt Auto-Kabel auf das Feld Elektromobilität. „Das ist unsere Zukunft“, sagt Bolz. „Das ist ein extremer Wachstumsmarkt.“ In China würden bereits 50 Prozent im sogenannten Hochvoltaik-Segment produziert, also eine Abkehr vom klassischen Verbrennungsmotor. Er setze auf Hybridantriebe und vollelektronische Mobilität. Geforscht und entwickelt werde bei Auto-Kabel aber auch auf den Feldern autonomes Fahren und „Truck-Business“. „Strom fließt immer im Kfz“, so die Devise des Firmen-Chefs. „Wir sind zuständig für die Energieverteilung im Fahrzeug.“

Zurück zu Corona: Der Automobilindustrie folgend, werde seit April weltweit in Kurzarbeit geschafft. Der Juli sei zwar etwas besser gewesen, habe aber noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht. „Wir fahren auf Sicht“, verdeutlicht Bolz. „Das heißt: Bis Ende September werden wir noch bei der Kurzarbeit bleiben.“ Dennoch sei ihm wichtig: „Wir sind immer präsent und waren immer lieferfähig.“ Er ist überzeugt: „Das Geschäft wird wieder kommen.“