Seit gut sechs Wochen hat die Schopfheimer Gesamtfeuerwehr einen neuen Chef. Steffen Hofmann ist seit dem 1. September neuer Gesamtwehrkommandant und beendet damit eine Vakanz auf einer der wichtigsten Stellen der Stadt. Seit dem Weggang von Lutz Hofer im Sommer 2019 war der Posten unbesetzt. Dass in dieser nicht einfachen Zeit einige Feuerwehrleute in die Bresche sprangen und den Betrieb am Laufen hielten, erleichterte dem neuen Chef den Start erheblich. Doch es gibt einiges aufzuarbeiten – auch finanzielle Altlasten.

Man merkt Dirk Harscher an, dass er für diesen Termin eine ganz besondere Hingabe hat, als er am Montagvormittage die Gäste und Pressevertreter im Feuerwehrgerätehaus zum Vorstellungstermin des neuen Kommandanten begrüßt. Kein Wunder, ist doch der Bürgermeister in Langenau selbst Feuerwehrmann und kennt sich in der Materie bestens aus. Auch die Probleme, die es in den vergangenen Jahren in und um die Feuerwehr gab, hat Harscher so aus erster Hand mitbekommen. Und so merkt man ihm auch deutlich die Erleichterung an, mit der er den neuen Kommandanten der Gesamtfeuerwehr vorstellt. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, sagt Harscher über den neuen Chef im Feuerwehrhaus, Steffen Hofmann.

Zweimal musste die Stadt die Stelle ausschreiben. In einer ersten Bewerberrunde war kein passender Kandidat dabei, „das wären alles nur Notnägel gewesen“, sagt Harscher. In der zweiten Ausschreibungsrunde hat sich Steffen Hofmann, damals Abteilungskommandant in Elztal im Odenwald, einen Ruck gegeben und sich beworben. Einen ganzen Tag war er in Schopfheim zur Vorstellung, „wir haben ihm richtig auf den Zahn fühlen können“, berichtet Cornelia Claßen, die als Fachbereichsleiterin im Rathaus für die Feuerwehr zuständig ist. „Wir haben dann gewusst: Das ist unser Mann.“ Und so zog der 27-Jährige nach Schopfheim, mittlerweile ist auch seine Lebensgefährtin eingezogen.

„Es war die Chance, das Hobby zum Beruf zu machen“, sagt Hofmann, der zuvor bereits in der Audi-Werksfeuerwehr in Neckarsulm Erfahrung als Berufsfeuerwehrmann gesammelt hat. „Ich habe seither viel Zeit mit Kennenlernen verbracht“, berichtet der neue Kommandant. Er war schon fast in allen Ortsteilen bei den dortigen Feuerwehrabteilungen zu Gast, hat sich in die Projekte der Feuerwehr eingearbeitet und bereits einen Workshop angeleiert, in dem es um optimierte Abläufe innerhalb der Feuerwehr für die Zukunft ging. Aktuellstes und dringendstes Projekt: Die Feuerwehr braucht ein Corona-Hygienekonzept auch für Einsätze. Außerdem sind in die Jahre gekommene Feuerwehrautos zu ersetzen.

Und es gilt, an der Aufarbeitung von Altlasten mitzuarbeiten. Denn rund um den Abgang seines Vorgängers Lutz Hofer war in und um die Feuerwehr viel Porzellan zerschlagen worden. Bekanntermaßen war Hofer im Juli 2019 nach 19 Jahren bei der Schopfheimer Feuerwehr vom Gemeinderat aus – wie es damals hieß – internen Gründen beurlaubt worden. Zwischenzeitlich haben sich Stadt und Ex-Kommandant außergerichtlich einigen können, allerdings sind noch Vorgänge aufzuarbeiten. Es sind nur wenige Worte, die Cornelia Claßen und Dirk Harscher dazu sagen wollen. „Wir wollen nicht nachtreten“, meint Claßen. Es gehe vor allem um „strukturelle Dinge“ wie zum Beispiel die Tatsache, dass die drei hauptamtlichen Gerätewarte Jan Staib, Julia Blum und Thomas Lenz im Feuerwehrhaus eigenverantwortlich arbeiten können, was zuvor nicht möglich gewesen sei. Allerdings geht es auch ums Geld: „Es sind kostenpflichtige Einsätze nachzuarbeiten“, sagt Claßen. In den vergangenen Jahren seien Einsätze, die theoretisch Dritten in Rechnung zu stellen gewesen wären, nicht immer korrekt erfasst worden. Es gehe um eine sechsstellige Summe, die noch offen sei. Konkreter werden die Zahlen an diesem Montag nicht. Dafür werden Dirk Harscher und Cornelia Claßen konkret, wenn es um diejenigen geht, die den „Scherbenhaufen“ im vergangenen Jahr so gut es ging zusammengekehrt und dem neuen Kommandanten so einen relativ unbelasteten Start ermöglicht haben.

Neben den drei Gerätewarten war das vor allem der stellvertretende Gesamtwehrkommandant Andreas Lenz, über den Dirk Harscher und Cornelia Claßen voll des Lobes sind. „Was der Mann gemacht hat, war nicht selbstverständlich“, erklärt der Rathauschef. Lenz hatte sich als Ehrenamtlicher neben Beruf und Familie außerordentlich engagiert, er war „24/7 für die Feuerwehr da“, so Dirk Harscher. „Ein Außenstehender hat gar nicht mitbekommen, was hinter den Kulissen lief.“ Und das sei ein Zeichen dafür, dass nach dem „Schock“ vom vergangenen Jahr mit großem Einsatz daran gearbeitet wurde, den Schaden gering zu halten. „Andreas Lenz hat den Laden am Laufen gehalten“, sagt Harscher. „Ohne ihn und die drei Hauptamtlichen wären wir in ein Loch gerutscht.“ Und so kann sich Steffen Hofmann weitgehend auf die Zukunft konzentrieren. Die Feuerwehr Schopfheim hält er für „sehr gut aufgestellt“, vor allem was die technische Ausstattung angeht. „Das ist schon überdurchschnittlich gut“, sagt der 27-Jährige. Aber auch die Feuerwehrjugend macht ihm Mut. „Es könnten zwar immer mehr sein, aber der Stand ist sehr gut.“

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