Bei der Tafel Schopfheim klemmt es. Die Probleme sind vielschichtig, laufen aber letztlich allesamt ursächlich auf die Pandemie hinaus: Die Supermärkte bieten Lebensmittel aktuell nicht im gewohnten Umfang an, die Kunden des Tafelladens kommen unregelmäßiger und bei den Förderern brechen Spenden weg.

Tafel in der Stadthalle
Tafel in der Stadthalle | Bild: Gerald Nill

An vorderster Front stehen Tafel-Profi Bernt Hasler mit Karin Racke von der Diakonie, im Hintergrund wirken segensreich Brigitte Leisinger und Josef Brunner, die Vorsitzenden des Tafel-Fördervereins. Sie alle treibt im Moment die Sorge um, dass der Betrieb nicht rund läuft. „Wir müssten mal wieder mit den Märkten reden“, sagt Bernt Hasler und meint die 20 Supermärkte und Bäckereien zwischen Maulburg und Todtnau sowie Wehr.

Aber die Geschäftsführungen haben aktuell in der Corona-Krise ihre eigenen Sorgen und nicht unbedingt Lust, mit den Tafel-Anbietern zu reden. „Und am Telefon ist es nicht das Gleiche“, setzt Hasler auf den persönlichen Kontakt. Sowohl das Angebot, als auch teilweise die Qualität ist in den letzten Monaten zurückgegangen.

Insgesamt 50 Ehrenamtliche, die zum Teil stundenweise, teilweise aber auch fünfmal pro Woche parat stehen, steuern mit dem Lieferwagen die Supermärkte an und laden ein, was für sie an der Rampe steht. Oder sie lassen es teilweise auch gleich vor Ort und werfen es in den Abfallcontainer, wenn die Qualität nicht stimmt. Gammeliges Obst oder Gemüse muss gar nicht erst mit nach Schopfheim genommen werden. „Es geht auch um die Würde unserer Kunden“, betont Hasler. „Wir sind doch kein Entsorgungsunternehmen“, schimpft er über die schwarzen Schafe.

„Im großen und ganzen läuft die Zusammenarbeit mit den Supermärkten aber ganz gut“, rückt Karin Racke das Bild wieder gerade. Das Diakonische Werk hat den Tafelladen direkt an der Stadthalle Schopfheim im April übernommen. Seitdem sind Brigitte Leisinger und Josef Brunner in den Vorstand des Fördervereins gerückt.

Brunner betont: „Wir sind ein kleiner Mittelstandsbetrieb.“ Und spricht die laufenden Kosten für die beiden Fahrzeuge, die Miete und die Stromkosten an. „Das wird natürlich in keiner Weise durch die Einnahmen aus dem Verkauf der Produkte gedeckt.“ Spendengelder müssen also her, gerade erst hat der Verein wieder einen Bettelbrief an Spender und Betriebe abgeschickt. „Aber wir wissen natürlich auch, dass mancher Betrieb im Moment selbst mit Problemen kämpft.“ Wer kurzarbeitet, kann die Tafel nicht wie sonst unterstützen.

Staatliche Unterstützung erhält der Tafelladen nicht. Nur 10 bis 20 Prozent des ursprünglichen Warenwertes bezahlen die Kunden, die in der Tafel Schopfheim dreimal pro Woche für ein paar Stunden einkaufen können. „Wie in einem kleinen Tante Emma-Laden“, vergleicht Hasler. Nur viel günstiger. Dafür bekommen die Bedürftigen Lebensmittel, die im Regal liegen geblieben sind, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft oder von denen es bei Aktionen einfach zu viel gab. Karin Racke: „Nach der italienischen Woche sind die Regale des Tafelladens voll mit italienischen Produkten.“ Manches ist Saisonware und wird nach dem Stichtag im Supermarkt wertlos. „Deshalb haben wir von Weihnachten bis Ostern Nikoläuse im Laden und von Ostern bis in den Sommer Schoko-Hasen“, beschreibt Leisinger den leicht versetzten Jahreszyklus.

Normalerweise kam vermehrt Kundschaft Mitte des Monats, wenn das Geld knapp wurde. Diese Welle bleibt aus, vor allem bei der älteren Kundschaft, was an der Angst vor Ansteckung liegen könnte, vermutet Racke. Dabei unternimmt die Diakonie alles Mögliche, um durch Hygieneaufwand eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Ein Aufwand, der natürlich wieder mehr kostet und auch noch erwirtschaftet oder durch Spenden hereinkommen muss.

Neben armen alten Menschen sind es insbesondere Alleinerziehende mit Kindern, Flüchtlinge und ALG 2-Empfänger, die den Weg in den Tafelladen an der Hauptstraße finden.

Vor allem von den Hartz-IV-Leuten werde es im nächsten Jahr vermehrt Kundschaft geben, wenn sich Corona in manchen Betrieben richtig durchschlägt, so die allgemeine Einschätzung der Lage. „Man braucht eine Berechtigungskarte für den Einkauf“, informiert Hasler. „Diesen Ausweis geben wir hier in der Tafel montags von 13 bis 14 Uhr aus, wenn uns ein Einkommensnachweis vorgelegt wird.“ Wer günstig shoppen will, darf als Einzelpersonen nicht mehr als 1300 Euro verdienen. Für Kinder und Partner gibt es Zuschläge. „Wir haben momentan 220 Berechtigungsausweise ausgestellt.“

Dahinter verbergen sich 500 bis 600 Personen. Von Schopfheim werden auch der Laden in Wehr und die Ausgabestelle in Todtnau betreut. „Wir freuen uns über jede neue ehrenamtliche Hilfe und jede Spende“, fasst Karin Racke abschließend zusammen.

Weitere Informationen zur Schopfheim Tafel im Internet unter:
http://www.tafel-schopfheim.de