Es wirkt schon fast ein wenig inszeniert. Genau in dem Moment, als die Schüler der Friedrich-Ebert-Schule zu einer Trockenmauer am Entegast kommen, die sie zuletzt im Rahmen der Schulsozialarbeit von überwucherndem Grünzeug befreit haben, huscht eine Eidechse über die warmen Steine. Ein breites Grinsen legt sich auf die Gesichter der Schüler, des Sozialpädagogen und der beiden Förster, die das Projekt betreuen, weil die Sinnhaftigkeit der Arbeit sichtbar wird.

Vor acht oder neun Jahren sei der Startimpuls gegeben worden für die Draußen-Gruppen, erinnert Sozialpädagoge Thomas Haug vom Diakonischen Werk im Landkreis Lörrach an die Geschichte der Schulsozialarbeit an der Schopfheimer Gemeinschaftsschule. Es ist eine Erfolgsgeschichte. Auch an diesem ersten Tag mit sommerlichen Temperaturen steht eine motivierte Gruppe von Siebtklässlern nachmittags am Entegast, greift unaufgefordert zu Sägen, Astscheren, Spachteln und Schippen, um der Artenvielfalt im Wald nachzuhelfen.

Damit alles Hand und Fuß hat, sind diesmal die Förster Stefan Niefenthaler und Christian Herrmann mit von der Partie. „Wir wollen unseren Einsatz nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht“, erklärt Haug. Daher sind die Fachleute für Einweisungen und Hilfestellungen mit von der Partie. Revierförster Niefenthaler weiß zu berichten, dass die alte Steinmauer am Forstweg im Entegast mindestens 150 Jahre auf dem Buckel hat und einst der Hangabstützung und Entwässerung diente. Mit der Zeit wucherte sie zu.

Feuersalamander und Gelbbauchunken sind in den feuchten Bereichen zu Hause. Eine trockene Mauer, die sich im Sonnenschein aufwärmen kann, lockt auch noch ganz andere Lebewesen an: Zauneidechsen und sogar Nattern. All das haben die Schüler bereits mit eigenen Augen gesehen. Dicke Baumwurzeln könnten aber die Mauer zerstören.

„Wo darf ich sägen?“, fragt Leander (13). Im Grunde weiß er schon ganz genau, wo ausgelichtet werden muss: bei den Jungbuchen, die zwischen Lörrach und Hochschwarzwald jede andere Baumart überwachsen würden, und bei den eng stehenden Nadelbäumen, wo die schwächeren entfernt werden. Georg (14) weiß: „Wo sie zu eng stehen, wachsen die Bäume zu kümmerlich und nehmen anderen das Licht weg.“

Hinzu kommt die wachsende Waldbrandgefahr durch den Klimawandel und herumliegendes Totholz. Als Leander wieder seine Handsäge ansetzt und mit rotem Kopf schuftet, drückt Förster Niefenthaler das Bäumchen um, damit die Säge nicht festklemmt. Und dann wird die Handsäge auch noch bei der sogenannten Wertastung in einem Tannen-Jungbestand angesetzt. Hier geht es um die Wertsteigerung von Nutzholz. Förster Christian Herrmann erläutert, dass die Tanne ihre toten Äste nicht abstößt. Die Folge seien wertmindernde Astlöcher. Das lasse sich durch rechtzeitiges Absägen der toten Äste vermeiden – aber dafür haben die Profis keine Zeit.

Sinnvolle Beschäftigung

Die Schüler sähen in ihrer Tätigkeit eine sinnstiftende Beschäftigung, bestätigt der Pädagoge. Jemand fragt, welcher Schüler zu Hause einen Garten hat. Maxim (13) meldet sich: „Wir haben einen Garten, aber wenn meine Familie etwas macht, bin ich nicht so motiviert.“ Haug antwortet: „Umso schöner, dass Du hier mitmachst.“ „Die eigenen Möglichkeiten entdecken, Widerstände spüren, sich selbst erfahren, auch bei Erschöpfung“, das sei der tiefere Sinn der Draußen-Gruppen, sagt der Sozialpädagoge. Achtsamkeit lernen und die Kraft der Natur spüren, in Verbindung mit der Umwelt, aber auch mit den Mitschülern außerhalb des Klassenzimmers kommen. „Der Krieg in der Ukraine ist ein großes Thema in der Gruppe“, beobachtet der Pädagoge. „Gefühlt geht für sie die Welt unter“, sagt Haug.

Mut machend sei es da für die Siebtklässler, wild wachsende Nussbäume an der Schule, die eigentlich beseitigt werden sollten, zu retten und an einem neuen Platz anzupflanzen: „Teilweise sind Schüler mit ihren Eltern am Wochenende zum Gießen dort hingegangen.“ Am Ende des Tages stehen kleine Erfolgserlebnisse, die zufrieden machen – wie nach der Schufterei im Entegast. Die Schüler haben Sägespäne im Haar, einer hat eine kleine Schramme am Arm – aber auch ein breites Strahlen über das ganze Gesicht.