Dass man bei der Partnersuche im Internet über ein Datingportal in kriminelle Machenschaften verstrickt werden kann, hat ein 41-jähriger Mann aus Schopfheim auf drastische Weise erfahren. Wegen leichtfertiger Geldwäsche in 18 Fällen hatte er sich nun vor dem Amtsgericht Schopfheim zu verantworten.

Der Angeklagte schilderte die Vorgänge, weswegen er nun vor Gericht erscheinen musste, ohne jegliche Tabus. „Weil ich nicht länger alleine leben wollte, habe ich versucht, über das Internetportal den Kontakt zu einer Frau zu finden“, erzählte er. Die Suche sei schnell erfolgreich gewesen, er habe eine junge Frau aus Finnland kennengelernt, mit der er sich regelmäßig im Internet austauschte. Die Beziehung habe sich zu einem Liebesverhältnis entwickelt. Nach einiger Zeit habe ihm die Frau erklärt, dass ihr Vater eine Vertriebsfirma in Finnland besitze. Um in Deutschland kein Lager für Waren unterhalten zu müssen, sei er auf der Suche nach einem Zwischenversender. Dieser solle bestellte Pakete entgegennehmen und an die internationale Kundschaft weiterleiten. Diese Dienstleistung werde man ihm mit einem Honorar von 20 Euro für jedes angenommene und weitergeleitete Paket vergüten. Da er das als seriös erachtete, habe er den Job übernommen, erklärte der Angeklagte. Die Empfänger der Pakete habe ihm jeweils sein finnischer Auftraggeber mitgeteilt.

Dass er sich damit auf eine Betrügerbande eingelassen hatte, die mit gehackten Daten von Personen auf deren Namen Waren bei Versandfirmen bestellte und an seine Adresse geschickt habe, sei ihm nicht bewusst gewesen. Die Waren, meist hochwertige elektronische Geräte, seien von den Betrügern im Internet an Schnäppchenjäger zum Vorzugspreis verkauft worden.

Er sei sich keiner Straftat bewusst gewesen und habe sich auch gewundert, dass plötzlich die Polizei bei ihm auftauchte und den Sachverhalt darstellte. Daraufhin habe er mit der finnischen Freundin Kontakt aufnehmen wollen, aber keine Verbindung mehr bekommen. Auf die Frage des Richters, ob er sich nicht gewundert habe, dass die Pakete nicht direkt an die Empfänger ohne ihn als Zwischenversender verschickt wurden, erklärte der Angeklagte, sich darüber keine Gedanken gemacht zu haben.

Der Staatsanwalt forderte, den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 2400 Euro zu verurteilen, denn die Anklage sei in allen Punkten bestätigt worden. Der Verteidiger forderte einen Freispruch, weil sein Mandant die strafbaren Zusammenhänge gar nicht erkennen konnte. Das Urteil von Richter Stefan Götz lautete Freispruch. In der Urteilsbegründung machte er deutlich, dass er nach dem Gesinnungsstrafrecht, das sich weniger an der Verletzung des Rechtsguts als an der Motivation des Täters orientiere, beim Angeklagten keine leichtfertige Geldwäsche geltend machen könne. Die Kosten des Verfahrens muss nun die Staatskasse tragen.