Ein Stück Stadtgeschichte scheint jetzt endgültig unter den Hammer zu kommen: Der Gemeinderat hat den Weg freigemacht für einen Verkauf der Uehlin-Häuser an einen Investor. Dieser plant einen Neubau, der optisch „modern ist, aber sich stark an die Geschichte anlehnt“. Vor allem aber soll das neue Uehlin-Haus „ein lebendiger Ort der Kommunikation werden soll“. Angedacht ist eine gastronomische Nutzung im Erdgeschoss.

Die Uehlin-Häuser heute.
Die Uehlin-Häuser heute. | Bild: Martin Klabund
  • Um was geht es? 2007 hatte die Stadt das Uehlin-Areal gekauft, damit hier ein Einkaufsmagnet entstehen kann – also das Grundstück an der Scheffelstraße sowie die beiden 250 Jahre alten Häuser an der Hauptstraße 40. Im Jahr 2013 wurden die beiden Häuser vom Gesamtprojekt abgetrennt. Das Uehlin-Areal ist seit 2019 fertiggestellt. Versuche indes, die beiden Häuser gegen Höchstgebot zu verkaufen, scheiterten am Mix aus Denkmalschutz fürs Eckgebäude und dem spätestens seit dem Brand von 2017 maroden Zustand. Jetzt im Frühjahr wurde das Abrissverbot gekippt. Eine erneute Ausschreibung gegen Höchstgebot – verlangt wurde ein Mindestgebot von 250.000 Euro sowie ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept – brachte drei Angebote. Eine Jury sprach sich für die Pläne des Büros Atmos4 Projekt GmbH aus (Karlsruhe und Basel), das bei der Gestaltung mit dem Lörracher Büro Wilhelm und Hovenbitzer zusammenarbeitet. Dieser Entwurf – der nach der Jury-Sitzung noch überarbeitet wurde – wurde jetzt im Gemeinderat vorgestellt.
  • Das Konzept: Die Atmos4 Projekt GmbH will einen modernen Neubau erstellen, der sowohl die Erinnerung an das frühere Gebäude aufgreift wie auch die an Johann Georg Uehlin – Schopfheims erstem Zeitungsherausgeber. So soll der Neubau nicht nur „Uehlin-Haus“ heißen. Auch wird im Gedenken an Uehlin im Keller eine Druckmaschine aufgestellt, die via Glasboden im Erdgeschoss für jedermann sichtbar ist.

Die angedachte Nutzung wiederum sei ganz auf die Vorgabe ausgerichtet, diesen Ort zu einem zentralen Treff zu machen, der die Innenstadt stärke. So sind zwar in den oberen Stockwerken Wohnungen (acht bis neun), alternativ auch Büros vorgesehen . Im Erdgeschoss aber ist Platz für ein oder zwei Läden. Atmos4-Geschäftsführerin Claudia Wolf kann sich hier sehr gut „etwa einen Feinkostladen, eine Weinhandlung, ein Café“ vorstellen.

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Ihr gehe es darum, ein „zweites Wohnzimmer zu schaffen. Einen Ort der Begegnung, der eine Belebung gegenüber vom Marktplatz aufnimmt.“ Er solle die Menschen herüberführen in die Scheffelstraße. Daher sollen die Menschen auch außen um die Ecke zur Scheffelstraße herum sitzen können. „Unsere Idee ist, dass man hier morgens einen Cappuccino trinken kann und abends Rotwein und Pasta bekommt.“ Allerdings sei nicht an ein vollwertiges Restaurant gedacht – auch weil es dann womöglich Probleme mit der Abluft geben könnte. Grundsätzlich sei die Planung aber noch variabel, so Wolf – auch vor dem Hintergrund, dass ein Sportgeschäft Interesse angemeldet habe. Dieses benötige allerdings 400 Quadratmeter Verkaufsfläche, bräuchte also außer dem kompletten Erdgeschoss auch noch das Unter- oder aber das erste Obergeschoss. Wolf lässt durchblicken, dass sie sich dafür nicht recht erwärmen könne. „Unsere Präferenz ist es, diesen Platz mit Leben als Kommunikationsort zu füllen.“

  • Gestaltung: Die Aufgabe, ein „Haus von heute mit Bezügen zu gestern zu generieren“, sei reizvoll und anspruchsvoll zugleich gewesen, erläuterte Architekt Fritz Wilhelm. Der Entwurf sehe ein Gebäude vor, das „modern ist, aber sehr stark an die Geschichte anlehnt.“ Damit es sich einfüge, sei etwa der Giebel des Nachbachhauses aufgenommen worden sowie der Sockel. Dadurch, dass das Gebäude an der Ecke zur Scheffelstraße um 95 Zentimeter zurückversetzt wird und zudem an dieser Stelle Umeckfenster vorgesehen sind – beides Anregungen der Jury – führe das Gebäude zudem jetzt noch mehr als der erste Entwurf in die Scheffelstraße hinein. Wilhelm ist überzeugt, dass „wir hier einen schönen Baustein setzen, der die Hauptstraße bereichert und die kleinen Ruinen vergessen lässt.“
  • Reaktionen: „Das ist ein tolles Projekt. Das passt perfekt rein in unser Stadtbild“, findet Bürgermeister Dirk Harscher. Wobei er sich auch Einzelhandel vorstellen könne an dieser „strategischen Lage.“ Er könne aber auch mit der vom Investor angedachten Nutzung leben. Peter Egi (Stadtplanung) spricht von einer „sehr schönen Lösung.“ Es habe sich eindeutig „gelohnt, einen Wettbewerb durchzuführen.“ Egi stellte aber auch klar, dass in Sachen Nutzung und Gestaltung „noch nichts in Stein gemeißelt ist.“ Investor und Stadt seien weiter „im Dialog“. Stadtrat Ernes Barnet lobte die Gestaltung – stellte für die Grünen-Fraktion aber klar, dass „es nicht unsere Vorstellung ist, dass da ein Schuhladen reinkommt.“ Umgekehrt wären vorhandene Gaststätten nicht über ein weiteres richtiges Restaurant erfreut. Der Gedanke gastronomischer Spezialangebote gehe da in die richtige Richtung.
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Thomas Kuri (CDU), selbst Jurymitglied, lobt die Planung ausdrücklich. Das jetzt vorliegende Ergebnis zeige, dass es völlig richtig gewesen sei, diesen Weg über Ausschreibung und Jury zu gehen. Die CDU-Fraktion habe sich stets für dieses Vorgehen ausgesprochen. „Das Ergebnis passt sehr gut an diese Ecke. Es übersetzt auch das, was diese Ecke ausmacht – es ist der Mittelpunkt.“ Ihm sei es daher wichtig, dass es „eine Bespielung dieser Fläche gibt, die den ganzen Tag stattfindet.“ Daher habe er auch die Idee eines Marktplatzes in der Jury-Sitzung ins Spiel gebracht. Ziel müsse sein, eine „Nutzung reinzubringen, die morgens beginnt mit Brötchenholen und bis zum Aperitif am Abend reicht.“ Eine Belebung an dieser Stelle bringe eine „wichtige Belebung an diesem gesamten Platz.“ Und vielleicht werde dieser ja noch größer, wenn er „erst einmal verkehrsberuhigt wird. Dann entwickelt sich das Ganze zu einem wirklichen Zentrum auch im Kleinen. Und genau dass muss es sein.“ Peter Ulrich erklärte für die SPD-Fraktion, dass diese ebenfalls die Pläne positiv sehe.

  • Problem Stellplätze: Den Finger in einen wunden Punkt legte Karlheinz Markstahler (Freie Wähler) – die Stellplatz-Frage. Zwar können Stellplätze für eine gewerbliche Nutzung abgelöst werden. Für Wohnungen aber wird ein Nachweis in einem Umkreis von 300 Metern benötigt. Das bereitet Claudia Wolf denn auch Kopfzerbrechen. Auf dem Grundstück selbst gebe es keine Möglichkeit. Aber: „Ohne Nachweis gibt es keine Baugenehmigung.“ Auch wenn Wolf überzeugt ist, dass einige, die hier einziehen werden, kein Auto haben oder benötigen – denn das sei ja mit ein Grund, in ein Stadtzentrum zu ziehen – führe wohl kein Weg an einem Stellplatz-Nachweis vorbei. „Eine Lösung aber werden wir nur gemeinsam mit der Stadt finden.“
  • Beschluss: Der Gemeinderat stimmte dem Gestaltungs- und Nutzungskonzept einstimmig zu. Damit kann nun der eigentliche Verkauf in die Wege geleitet werden.