Die VHS Schopfheim befindet sich derzeit in einer absurden Situation: Während sie sich aufgrund der Corona-Krise mit dem Ausfall der Kurse und den Einnahmeverlusten konfrontiert sieht, gehen nun – wie üblich – die Planungen für das Herbstsemester los.

„Wir sind eine Einrichtung, die vom Publikum und von den Kursen lebt“, sagt VHS-Leiterin Katrin Nuiro. Auch wenn ihre Hoffnungen groß sind, kann sie sich aktuell nicht vorstellen, dass die vorläufig bis zum 19. April unterbrochenen Kurse danach wieder aufgenommen werden können. „Es sieht so aus, als sei unser Semester ein sehr kurzes gewesen.“ Für die VHS Schopfheim bedeute jede Woche ohne Kurse einen Verlust von etwa 4000 Euro. „Wir haben das Glück, dass wir die Stadt im Hintergrund haben“, sagt Nuiro, die Einrichtung ist ein Eigenbetrieb der Stadt Schopfheim. Dies treffe nicht auf alle Volkshochschulen zu.

„Die Kursteilnehmer müssen natürlich nicht für eine gebuchte Leistung bezahlen, die sie gar nicht bekommen haben“, betont Nuiro. Das Gute sei, dass das laufende Semester noch nicht abgerechnet wurde. Je nach dem, ob die Verordnung der Landesregierung verlängert werde und damit der Betrieb der Volkshochschule weiterhin untersagt bleibt, würden die Gebühren entsprechend verrechnet werden. Das bedeute wiederum viel Arbeit für die fünf VHS-Mitarbeiter, die derzeit zudem damit beschäftigt sind, für einige ausgefallene Veranstaltungen Ersatztermine zu suchen. Jede der Mitarbeiterinnen habe ein eigenes Büro, was von großem Vorteil sei, da die Arbeit auch unter Einhaltung der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen weiterhin möglich sei.

Nuiro ist guter Dinge, dass das kommende Semester im Herbst problemlos starten kann. Allerdings befürchtet sie ein psychologisches Problem: Viele werden im Sommer zögerlich bei der Anmeldung sein, da mit der Corona-Pandemie auch Verunsicherung herrsche, die nicht plötzlich weg sein werde. „Das braucht Zeit, bis es wieder am Laufen ist“, so die Prognose der VHS-Leiterin. In das neue Programm soll indes auch das Thema der Krise aufgenommen werden, etwa unter dem Gesichtspunkt des gesellschaftlichen Zusammenhalts oder die Frage, wie viele Beschränkungen eine Demokratie verträgt.

Besonders schwierig gestalte sich die aktuelle Situation für die Dozenten der VHS – in Schopfheim sind es rund 100 Personen –, die allesamt Honorarkräfte sind, derzeit also keine Einnahmen haben. Eine Vielzahl davon mache die Kurse nebenberuflich, etwa 20 würden allerdings ausschließlich von Kursen leben, weiß Nuiro. „Die stehen nun vor dem Nichts.“ Die VHS Schopfheim sei bemüht, regelmäßig Infos zu Unterstützungsmöglichkeiten, etwa zur Soforthilfe für Solo-Selbstständige, an die Honorarkräfte weiterzugeben. „Ansonsten können aber auch wir nichts machen.“ Wichtig sei auch, dass der Kontakt zwischen Dozent und Kursteilnehmer bestehen bleibe. So habe eine Dozentin kürzlich etwa einen Brief geschrieben, den die VHS an die Teilnehmer weitergeleitet hatte.

Die VHS-Mitarbeiter und Dozenten sind derzeit damit beschäftigt, sich im Bereich des Digitalen Lernens fit zu machen. Von Schnellschüssen hält Katrin Nuiro, die auch Vorsitzende der Regionalversammlung Hochrhein der VHS ist, jedoch nichts. „Die Teilnehmer haben sich für ein Präsenzangebot angemeldet, nicht für einen Online-Kurs“, so Nuiro. Daher könnten solche Alternativen in der Krise lediglich ein Zusatzangebot sein und sollten daher kostenfrei angeboten werden.