Das Corona-Jahr 2020 hat auch in Schopfheim den sehr angespannten Mietwohnungsmarkt etwas abgekühlt. Gleichzeitig bleibt es bis auf weiteres teuer und wird auch immer teurer, eine Immobilie zu kaufen. Das sind die Haupterkenntnisse aus der Jahresbilanz der auch für zahlreiche Immobilien in Schopfheim zuständigen Wohnbau Lörrach, die deren Geschäftsführer Thomas Nostadt am Montag im Gemeinderat vorgestellt hat.

„Der Immobilienmarkt spielt immer noch verrückt“, sagte Nostadt. Seit er auf diesem Sektor tätig sei, habe er nichts Vergleichbares erlebt, „die Situation ist einmalig“: Immobilienpreise, die scheinbar ohne Bremse in die Höhe schnellen, gleichzeitig niedrige Zinsen, die den Bauboom beschleunigen – auch in Schopfheim ist das eine bislang nicht dagewesene Lage. Die Bauwirtschaft, so Nostadt, sei völlig ausgelastet, es sei noch nie so schwierig und teuer gewesen, Baufirmen zu bekommen. Die Wohnbau Lörrach hatte das in Schopfheim zuletzt am eigenen Leib zu spüren bekommen, als sie am Eisweiher ein ganzes – inzwischen vollständig bezogenes – Quartier mit 65 Wohnungen errichtete und dort mit steigenden Rohstoffpreisen und völlig ausgebuchten Firmen konfrontiert wurde.

Thomas Nostadt hatte allerdings ein großes „Aber“ im Gepäck: „Der Mietwohnungsmarkt scheint sich von dieser Entwicklung zu entkoppeln.“ Die Zahl von Mietinteressenten sei auch in Schopfheim rückläufig, die lange Warteliste der Wohnbau Lörrach schwillt nicht weiter an. Das hänge, so Nostadt, eng mit Corona zusammen; zum Beispiel hätte die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt großen Einfluss. „Der eine oder andere Interessent zögert mit der Unterschrift, wenn nicht ganz klar ist, ob sein Arbeitsplatz sicher ist“, sagte der Geschäftsführer. Überdies sei bei vielen die wirtschaftliche Lage unübersichtlich, was die Nachfrage nach größeren und moderneren Wohnungen hemme. Und nicht zuletzt sei auch in Schopfheim deutlich zu bemerken, dass weniger Zuwanderer kommen: „Die Bevölkerung wächst nicht mehr so schnell. Das spüren wir ganz deutlich.“ Dennoch zweifelt Thomas Nostadt daran, dass auf dem Mietwohnungsmarkt damit „eine Wende“ erreicht sei: „Wir glauben, das ist nur eine Atempause.“ Die Wohnbau Lörrach führe immer noch deutlich mehr als 2000 Haushalte auf der Liste der Mietinteressenten, in Schopfheim war die Nachfrage 2020 von 866 im Vorjahr auf 727 Haushalte eingebrochen, im März 2021 allerdings wieder auf 819 gestiegen.

In Schopfheim sind etwa 70 Prozent aller Interessenten Ein- und Zweipersonenhaushalte. Laut Geschäftsbericht wohnen 69 Prozent dieser Mietinteressenten nicht in Schopfheim, 14 Prozent leben außerhalb des Landkreises. Das heißt, dass 55 Prozent aller Mietinteressenten bereits in der Region wohnen und ihren Wohnsitz nach Schopfheim verlegen möchten. „Diese Zahl belegt die Rolle Schopfheims als bevorzugter Wohnstandort im mittleren Wiesental“, folgert der Bericht. Die enthaltenen Zahlen des Statistischen Landesamts untermauern das: Demnach geht das Landesamt davon aus, dass Schopfheim im Jahr 2035 eine Bevölkerung von fast 21 000 Einwohnern haben wird – und die Tendenz gehe weiter zu kleineren – sprich: zahlreicheren – Haushalten. Perspektivisch könne auch die Zuwandererzahl wieder ansteigen.

Es war daher nicht verwunderlich, dass die Räte neugierig auf die Zukunftspläne der Wohnbau Lörrach in Schopfheim blickten: Mehrere Gremiumsmitglieder wollten wissen, ob und wenn ja wo und in welchem Umfang die Wohnbau in der Stadt tätig werden. Derzeit, so Nostadt, sei zwar kein größeres Projekt in der Größenordnung Eisweiher in Planung. Und dass die Wohnbau Lörrach sich auf kleinere Bauprojekte – etwa in den Ortsteilen – einlässt, schloss Nostadt kategorisch aus. Allerdings sei er stets für Ideen und Angebote empfänglich und halte die Augen nach geeigneten Flächen offen. Bürgermeister Dirk Harscher orakelte in dem Zusammenhang, er sei „guter Hoffnung, dass es demnächst wieder ein größeres Projekt mit der Wohnbau Lörrach in Schopfheim gibt“.

Einstweilen konzentriert sich die Wohnbau Lörrach, in der 2007 die Städtische Wohnbau Schopfheim aufging, auf den damals mit übernommenen Bestand an Wohnungen, der seitdem stetig weiter saniert wurde: „Die Aufholjagd seit der Fusion ist auf der Zielgeraden“, erklärte Thomas Nostadt. Zum Beispiel wurde 2020 die Sanierung eines rund 100-jährigen Fünffamilienhauses in der Wehrer Straße abgeschlossen.