Der Unmut über die Hochwasser-Situation in der Fabrikstraße brach sich jetzt, nachdem Langenau laut Ortsvorsteher Walter Würger „knapp an einer größeren Katastrophe vorbeischrammte“, im Gemeinderat Bahn. Würger sowie Anlieger und Firmeninhaber rund um das ehemalige Arlington-Socks-Areal fordern „eine schnelle Lösung“ – insbesondere für das berüchtigte Nadelöhr: die Brücke in der Fabrikstraße.

Viel fehlte nicht. Ewa sechs bis sieben Zentimeter waren unter der Brücke in der Fabrikstraße beim Hochwasser Ende Januar noch Luft, als an jenem Freitagabend gegen 22 Uhr die Wassermassen in der Kleinen Wiese ihren Scheitelpunkt erreichten. Bürgermeister Dirk Harscher, der an jenem Wochenende immer wieder vor Ort war, um sich selbst ein Bild zu machen, erinnert sich nur allzu gut: „Das war schon grenzwertig. Zum Glück ist der Hochwasserpegel dann wieder gesunken.“ Auch sei wichtig gewesen, dass „wir uns in diesem Jahr explizit vorbereitet und einen Bagger installiert hatten, um Holzstämme rauszufischen.“

Für diese Hilfe der Stadt bedankte sich Ortsvorsteher Walter Würger am Montag in der Gemeinderatssitzung – er stellte aber auch klar: „Wir sind nur knapp an einer größeren Katastrophe vorbeigeschrammt.“ Würger machte keinen Hehl aus seinem Unmut über die Situation an der Fabrikstraße.

Dass dies ein gefährliches Nadelöhr sei, sei mindestens seit dem 100-jährigen Hochwasser 1999 bekannt, so Würger, der damals als Abteilungskommandant der Feuerwehr Einsatzleiter war. „Jetzt sind 20 Jahre vergangenen und in der Fabrikstraße wurde nichts getan.“ Würger wies darauf hin, dass rund um die Brücke beziehungsweise auf dem ehemaligen Arlington-Socks-Gelände mehrere Firmen ansässig sind. „Man kann sich nicht gar nicht vorstellen, was die Firmen mitmachen, wenn da eine geballte Ladung Wasser auf sie zurollt.“

Einblicke in ihre Gefühlslage hatten zuvor in der Bürgerfragestunde Lars Schierhuber, Geschäftsführer der Firma Metalltechnik, sowie Wolf-Dieter Hänßler, der auf dem Gelände wohnt und dort auch Gebäude vermietet, gewährt. Hänßler erinnerte zum einen an das Schadenspotenzial von 35 Millionen Euro in diesem Bereich – und daran, dass die Hochwasserschutz-Planung für Langenau und Enkenstein deshalb aufgeteilt wurde, weil in Langenau im Gegensatz zu Enkenstein kein Planfeststellungsverfahren vonnöten ist, sondern alle Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Mit anderen Worten: Hier müsste es einfacher und schneller gehen. „Nichtsdestotrotz ist bisher nichts passiert.“ Die Brücke sei definitiv zu klein, zudem gehe von der unter der Brücke verlegten Gasleitung „eine große Gefahr aus“. Hänßler will deshalb wissen: „Wann wird endlich der Hochwasserschutz in Langenau gemacht?“ Warum ziehe man Langenau nicht vor – oder zumindest die Brücke? Noch deutlicher wurde Lars Schierhuber, der 2017 die Firma Metalltechnik übernommen hat. Er vermutet, dass „die Gefahr, die von der Gasleitung ausgeht, höchstwahrscheinlich unterschätzt wird“. Anders könne er sich nicht erklären, warum nichts geschehen sei. „Die Gasleitung und die Stromleitung müssen schnellstmöglich unter die Erde gebracht werden.“ Er könne „nicht jedes Mal Mitarbeiter zehn Stunden in den Regen stellen, einen Bagger und Nachtschichten abstellen beziehungsweise 24 Stunden drei Tage lang vor Ort sein. Diese Verluste zahlt mir niemand.“ An jenem Freitag, als sich die Lage zuspitzte, habe er die ganze Büromannschaft nach Hause geschickt und in Absprache mit Hänßler die Gasleitung abstellen lassen.

Er habe eine Fürsorgepflicht für seine 70 Mitarbeiter und fordere deshalb „einen vernünftigen Plan – und dass noch dieses Jahr die Umsetzung erfolgt. Ein weiteres Mal mach‘ ich das nicht mit“, stellte Schierhuber klar. Sei es doch nur eine „Frage der Zeit, bis ein wirklich großes Unglück geschieht“. Auch Ortsvorsteher Würger will nicht länger zuwarten: „Wir müssen das Momentum nutzen.“ Er bestand auf verschiedene Maßnahmen. „Dabei muss die Gasleitung Hauptpriorität haben.“ Doch auch anderes müsse in die Wege geleitet werden, wie ein regelmäßiges Ausbaggern der Wuhrgräben und der Kleinen Wiese – jährlich oder alle zwei Jahre.

Bürgermeister Harscher sah das nicht anders. „Wir müssen da jetzt dringend was machen.“ Zwar sehe der Hochwasserschutz-Fahrplan vor, dass jetzt erst die geplanten Bauarbeiten in Enkenstein an der Reihe seien und jene in Langenau eigentlich erst 2022/23. Doch müsse es darum gehen, die Situation an der Brücke, die das größte Risiko darstelle, „zu entschärfen, bis wir die großen Maßnahmen machen“. Demnach sei dann vorgesehen, an der Brücke „links und rechts eine Wand zu bauen“.

Im Moment sei jetzt aber die Gasleitung das größte Problem, so Harscher. Diese müsse so schnell wie möglich verlegt werden. Er habe bereits Kontakt mit der Badenova sowie wegen der Stromleitung mit der Firma Energiedienst aufgenommen. Harscher: „Ein Gesprächstermin steht.“ Aber nicht nur an der Fabrikstraße, auch im Bereich der Inselstraße gebe es Stellen, wo jetzt die Situation verbessert werden müsse.