Während der Hochphase der Corona-Pandemie hatten es Schulkinder nicht leicht: Zuerst mussten sie im Lockdown zu Hause bleiben und dort am Online-Fernunterricht teilnehmen, und als der Schulbesuch wieder möglich wurde, galt es strengen Hygienevorschriften wie Masken- und Testpflicht nachzukommen. Einigen Kindern fiel es schwer, den Anschluss zu halten; und einige litten offenbar auch unter den Corona-Regeln. Nun hat sich in Schopfheim eine „Selbsthilfegruppe für das Kindeswohl“ gegründet. Dabei geht es auch im die Frage, welche Corona-Tests angewendet werden.

„Die Corona-Pandemie hat viel verändert und in den Klassenzimmern dazu geführt, dass das Wohl des Kindes und die persönlichen Bedürfnisse schlichtweg übergangen oder nicht mehr berücksichtigt werden“ – so schreiben es die Initiatoren der Selbsthilfegruppe in einer Pressemitteilung, in der sie vor einigen Tagen die Gründung der Gruppe und eine Kontaktadresse bekanntgaben. Was steckt genau dahinter? Womit haben die Initiatoren ein Problem und welche Vorschläge zur Lösung haben sie? „Wir sind inzwischen rund 40 Mitglieder, mit 50 bis 60 Kindern, die sich einfach austauschen“, erklärt Frank Birgel, Mitinitiator, im Gespräch. Es sind Eltern von Kindern, die Schopfheimer Schulen besuchen – „auf diesen Umkreis haben wir es begrenzt“, sagt Birgel. „Einfach weil wir hier einen Wirkungsrahmen haben.“ Die Gruppe ist selbstorganisiert, sie hat sich zusammengefunden, „weil es verschiedene Themen gibt, die uns bewegen“, erklärt der Mitinitiator. Drei seiner Kinder besuchen Schulen in Schopfheim.

Eines der Themen: „Kinder werden nicht mehr im Dialog geführt, sondern es läuft an vielen Stellen hierarchisch ab und es ist nicht erwünscht, dass irgendetwas hinterfragt wird“, sagt Frank Birgel. Das habe sich durch die Corona-Zeit gezeigt und verschärft, auch an der umstrittenen Maskenpflicht und an den vorgeschriebenen Corona-Tests: „Es gibt Kinder, die ein Problem mit der invasiven Testung haben“, erklärt Birgel. Es gebe die Möglichkeit, Spucktests anstatt der üblichen Tests mit Nasenstäbchen zu verwenden. „Aus meiner Sicht ist es kein Problem, einen Spucktest anzuwenden“, so Birgel.

Die Tests seien offiziell zugelassen. Allerdings gebe es vonseiten vieler Schulleitungen da keine Gesprächsbereitschaft, „es gestaltet sich teilweise sehr schwierig, und manche Eltern wissen dann einfach nicht mehr, was sie machen sollen. Es gibt oft pragmatische Lösungen, auf die man sich aber nicht einlässt.“ Es sei zwar im Gespräch, Spucktests zu ermöglichen – allerdings nur für Kinder mit einem Attest, das ihnen bescheinigt, dass bei der Anwendung der herkömmlichen Tests gesundheitliche Folgen möglich seien.

Natalie Koch, ebenfalls Mitinitiatorin der Gruppe, schildert ein anderes Problem: „Wir haben während des Lockdowns gemerkt, dass manche Lehrer mit der Situation überfordert waren.“ Eine ihrer Töchter habe unter der Corona-Lage sehr gelitten. „Sie war in der Notbetreuung, ich habe erst nach mehreren Monaten mitbekommen, dass sie mit den Aufgaben komplett überfordert war.“ Ein Dialog zwischen Lehrern und Eltern habe nicht stattgefunden. „Manche Kinder haben so den Anschluss an ihre Klasse verloren.“

Zwar ist die Corona-Problematik Auslöser der Gründung, doch will die Gruppe sich nicht auf die Lösung von Pandemie-Problemen beschränken. „Es geht einfach um Hilfestellung, wenn Eltern aus eigener Kraft nicht mehr weiter wissen, wenn es rund um die Kinder Probleme gibt.“ Zwar gibt es für diesen Zweck an jeder Schule auch den Elternbeirat; „der soll auch keineswegs übergangen werden“, so Birgel. Allerdings gebe es da „unterschiedliche Erfahrungen“, gerade in der Diskussion um die Corona-Maßnahmen. Vielerorts seien die Beiräte noch gar nicht gewählt und daher noch keine Hilfe. Die Selbsthilfegruppe wolle in Problemfällen als Vermittler auftreten, nicht nur mit den Schulleitungen sondern auch mit der Stadt. „Wir wollen Hilfestellung geben, um Lösungen zu finden“, erklärt Birgel. „Es gibt bei uns in der Gruppe Erfahrungswerte, die wir einbringen können.“ Geplant sind regelmäßige Treffen zum Austausch, derzeit noch via Internet, in Zukunft aber an einem Ort, der zurzeit noch gesucht wird.

Mitglieder der Selbsthilfegruppe gebe es unter anderem an der Max-Metzger-Grundschule, an der Grundschule Fahrnau, an der Friedrich-Ebert-Schule, an der Freien Evangelischen Schule, an der Waldorfschule und am Theodor-Heuss-Gymnasium. Dessen Schulleiterin Claudia Tatsch – gleichzeitig geschäftsführende Schulleiterin und als solche zuständig für alle staatlichen Schulen Schopfheims – wartet noch auf die Kontaktaufnahme: „Die Gruppierung hat sich bislang weder an uns noch meines Wissens an die Schulleitung einer anderen Schule gewandt“, sagt Tatsch. Sie stellt allerdings zwei Dinge klar: Erstens gebe es im Rahmen des vom Landeskultusministerium initiierten Förderprogramms Rückenwind bereits die Möglichkeit, Kinder mit Nachholbedarf gezielt zu unterstützen. „In diesem Rahmen erging auch ein Aufruf an die Eltern, sich einzubringen“, sagt die THG-Leiterin. Die Gründung einer Selbsthilfegruppe sei dazu nicht nötig. Zweitens sieht Tatsch in der Verwendung des Begriffs des Kindeswohls einen harten Vorwurf – nämlich den, dass dieses Kindeswohl an den Schulen, auch am THG, gefährdet sei. „Diesen Vorwurf muss ich entschieden zurückweisen“, so Tatsch. Sie selbst habe bei den Schülern nicht den Eindruck, dass diese sich in ihren Freiheiten eingeschränkt sähen.

Tatsächlich, so bestätigt der städtische Fachbereichsleiter Jürgen Sänger, seien der Stadt drei Fälle – alle am THG – bekannt, in denen von Eltern für die Kinder Spucktests beantragt wurden. Die Stadt habe diesen Wunsch respektiert und die Tests zur Verfügung gestellt – „allerdings erst nach Vorlage eines ärztlichen Attests, dass ein herkömmlicher Test für das jeweilige Kind nicht infrage kommt“, so Sänger. „Sonst haben wir auf einmal Hunderte, die den Spucktest haben wollen.“ Dessen Verfügbarkeit sei aber begrenzt. Dem Schulträger – also der Stadt – werden vom Land lediglich sogenannte Abstrich-Tests für Nase und Rachen zur Verfügung gestellt, die dann wiederum an die Schulen weitergeleitet werden.

Ganz grundsätzlich sehe die Stadt in den Elternbeiräten und im Gesamtelternbeirat „die ersten Ansprechpartner“ für Eltern, deren Kinder an einer Schule Probleme haben. „Wir würden solche Dialoge gerne weiter mit den offiziellen Gremien führen“, so Sänger. „Wenn aber eine Gruppe auf uns zukommt und das Gespräch sucht, werden wir uns dem nicht verschließen.“

Kontakt: „Selbsthilfegruppe Kindeswohl“an Schulen in Schopfheim, E-Mail selbsthilfe.schule.schopfheim@online.de, Tel. 07622/6 97 60 16 (ab 18 Uhr).