Seit fünf Jahren ist der offene Bücherschrank am Schopfheimer Marktplatz ein Magnet für kleine und große Leseratten. Vom ersten Tag an betreuen Evelin und Max Schwörer gemeinsam mit Birgit und Henning Uhlich das kleine Eldorado für Leseratten – und das ehrenamtlich und mit vollem Einsatz. Bürgermeister Dirk Harscher dankte aus Anlass des kleinen Jubiläums den vier Paten für ihren unermüdlichen und selbstlosen Fleiß im Namen der Stadt.

Er ist nicht zu übersehen, der Bücherschrank auf dem Lindenplatz vor dem Rathaus. Seine Nutzung ist denkbar einfach: Tür auf, stöbern, ein Buch entnehmen – und schon kann die Lektüre vor Ort beginnen. Umstehende Bänke unter Bäumen bieten jedem Leser ein schattiges Plätzchen. Freilich darf man die Bücher auch nach Hause nehmen.

Im März 2015 entschieden sich der damalige Bürgermeister Christof Nitz und der Gemeinderat für das Aufstellen des offenen Bücherschrankes im Stadtzentrum. Anfängliche Unkenrufe erwiesen sich schon bald als unbegründet: Der schmucke Edelstahlschrank vom Typ BOKX 02, der rund 450 Büchern Platz bietet, fand schnell großen Anklang bei Einheimischen und Gästen. Zu verdanken ist der Erfolg den Familien Schwörer und Uhlich, die sich nach wie vor täglich hingebungsvoll um ihren „Schützling“ kümmern. Während des Treffens mit Dirk Harscher ließen sie die vergangenen fünf Jahre kurz Revue passieren. „Es war vieles gut gewesen“, erinnerte sich Henning Uhlich. „Wir hatten viele nette Gespräche mit Nutzern und haben viel Lob geerntet. Uns wurde mehrfach gesagt, dass dies der am besten sortierte Bücherschrank zwischen Lörrach und Todtnau wäre. Da sind wir richtig stolz drauf.“

Um von Lesern geäußerte Wünsche erfüllen zu können, holen die Paten unter anderem Bücher aus der Schopfheimer Buchschachtel. Über 4000 Bücher hat allein Familie Schwörer bislang herangebracht. Besonders gefragt seien Kriminalromane, Länderbeschreibungen, Biografien, Koch- und Gesundheitsbücher sowie Kinder- und Jugendliteratur, weiß Uhlich zu berichten. „Was wir nicht so gern haben, sind religiöse, politische sowie Schul- und Fachbücher.“ Auch sei das kistenweise Anliefern von Büchern – wenn auch gut gemeint – wegen des begrenzten Platzes nicht zweckdienlich. Leider landen auch immer wieder Uraltbücher und Krempel in den Regalen. Die mühsame Entsorgung nehmen die Paten zähneknirschend in Kauf, „denn schließlich soll unser guter Ruf erhalten bleiben“. Ein weiteres Ärgernis: der Bücherklau. Immer wieder seien dem Bücherschrank gestempelte Titel entnommen und im Internet oder auf Flohmärkten zum Kauf angeboten worden, beklagte Henning Uhlich.

Der Bürgermeister überreichte den vier Helfern zum Dank Präsente. „Das alles funktioniert nur durch ihren Einsatz“, lobte er. „Ich hoffe, dass es noch lange weitergeht.“ Die Chancen stehen gut: Allen Widrigkeiten zum Trotz haben die Familien Schwörer und Uhlich nach eigenem Bekunden noch immer Spaß an ihrem ehrenamtlichen Tun. Und so werden sie auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass in der Schopfheimer Innenstadt immer wieder neuer Lesestoff für die Passanten bereitsteht. Nach dreimonatiger Schließung aufgrund der Corona-Pandemie ist der Bücherschrank inzwischen wieder allen Bürgern zugänglich.