Für einigen Unmut sorgt, dass Bürgermeister Dirk Harscher die Stadt nicht in der Rolle des Kino-Retters sieht. Allerdings geht dabei unter, dass die Stadt das Kino durchaus bereits mit einem jährlichen Zuschuss unterstützt . Und der würde auch bei einem Betreiberwechsel fließen.

Insbesondere in sozialen Medien werden die Aussagen des Bürgermeisters im Gemeinderat kritisiert. Harscher hatte am Montag einer aktiven Beteiligung an einem Weiterbetrieb etwa durch einen Förderverein eine klare Absage erteilt. Er werde sich so einen Klotz „nicht ans Bein binden.“ Kommentiert wird das unter anderem mit Aussagen wie „Daumen runter“ oder „Das ist aber sehr schade, dann wird Schopfheim um eine Attraktion ärmer“. Allerdings: Abgesehen davon, dass noch nicht endgültig klar ist, ob die Betreiberfamilie Wursthorn tatsächlich zum Jahresende aufhört, wenn der Mietvertrag ausläuft, ist mit dieser Absage keineswegs automatisch die Klappe für das Kino gefallen. So hat sich Harscher am Montag zwar gegen einen finanziellen Einstieg im größeren Umfang wie den Kauf des Gebäudes oder eine Modernisierung ausgesprochen – die dann zwangsläufig teure Investitionen in Brandschutz und Barrierefreiheit nach sich ziehen würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Denkbar wäre das Szenario, dass ein Förderverein das Kino ohne bauliche Veränderung weiterbetreibt – und dieser könnte nach aktueller Gemeinderatsbeschlusslage durchaus mit städtischer Hilfe in Form eines Zuschusses rechnen. Tatsächlich unterstützt die Stadt das Scala-Kino schon seit vielen Jahren. 1989 beschloss der Gemeinderat, einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 6000 D-Mark zu zahlen, um den Fortbestand des Schopfheimer Lichtspielhauses zu sichern. Und diese Finanzhilfe fließt nach wie vor, wie Pressesprecher Marcus Krispin auf Nachfrage mitteilt. So erhielt die Eigentümerin ab Oktober 1999 einen jährlichen Zuschuss für den Kinobetrieb in Höhe von 15.000 DM, mit der Währungsumstellung wurden daraus 7700 Euro pro Jahr. Dieser Zuschuss werde immer auf zehn Jahre gewährt und wurde immer wieder durch Beschlüsse des Gemeinderates für jeweils weitere zehn Jahre verlängert.

Der jüngste Gemeinderatsbeschluss datiert vom 18. Februar 2019. Mehrere Auflagen sind mit dieser Hilfe verbunden: Der Zuschuss wird nur solange gewährt, wie das Kino betrieben wird. Außerdem müsse die Preispolitik „angemessen sein“ beziehungsweise die Preise dürften „nicht rapide geändert werden“. Es sind „aktuelle und hochwertige Filme zeitnah zu zeigen“ und die Eigentümerin habe alle zwei Jahre die Umsatzzahlen des Kinobetriebs unaufgefordert vorzulegen.