Noch ist im Gemeinderat kein Wort darüber öffentlich gesprochen worden, da ist die Erweiterung des Wohngebiets Bremt schon Stadtgespräch: Nachdem neben Bürgern und Anwohnern zuletzt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Grünen-Ortsverband Schopfheim teils harsche Kritik am Vorhaben geäußert hatten, meldet sich nun der Investor: Die Firmen Faller Immobilien und FD Immobilien wehren sich vor allem gegen den Vorwurf der „Erpressung“, den die Grünen mit Bezug auf die Kanal-Verlegung erhoben hatten.

Wie mehrfach berichtet, planen diese Firmen die Bebauung des Grünstreifens zwischen dem Wohngebiet Bremt und der Wiese entlang des früheren Fahrnauer Gewerbekanals, der in die Pläne einbezogen ist und reaktiviert werden soll, was dem Quartier einen Park-ähnlichen Charakter verleihen soll. Park oder nicht – gegen diese Pläne regte sich alsbald Widerstand. Bürger, BUND und zuletzt sehr deutlich die Schopfheimer Grünen erteilten dem Vorhaben eine Absage – es dürfe nicht noch mehr Grünfläche in Bauland umgewandelt werden. Insbesondere die Grünen kritisierten die angedachte Reaktivierung des Kanals, die auch den Schopfheimer Gewerbekanal und das Stadtwuhr wieder an die zuverlässige Wasserversorgung anschließen soll: Weil die Stadt dadurch Geld sparen kann, das eigentlich für die Sanierung der Einlaufbauwerke beider Gewässer am Hammerwehr eingeplant war, witterten die Grünen in einer Stellungnahme „Erpressung“.

Das und einiges mehr lassen die Investoren nicht auf sich sitzen. Faller Immobilien mit Geschäftsführer Gerhard Faller und FD Immobilien GmbH mit Geschäftsführer Simon David setzen sich in einer Stellungnahme deutlich zur Wehr: „Dass die Fraktion der Grünen und der BUND über ein mögliches Bauvorhaben an dieser Stelle in Schopfheim nicht erfreut sind, ist so weit ja völlig in Ordnung“, heißt es darin. „Wenn aber der Investor als Erpresser dargestellt wird, schlägt das dem Fass den Boden aus. Diese Anschuldigung ist haltlos und schlichtweg unverschämt. Und nebenbei nicht richtig.“

Es ärgere ihn „massiv“, dass der Name der beiden Firmen irgendwann im Zusammenhang mit dem Schlagwort „Erpressung“ auftauchen könnte, so Simon David im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch Gerhard Faller macht seinem Ärger Luft: „Es ist Wunsch der Stadt, dass dieses Kanalgrundstück als Naherholungsfläche mit einem Bach entwickelt wird, was wir auch planen.“ Von Erpressung könne überhaupt keine Rede sein, das sei „in gewisser Weise rufschädigend“. Es ist nicht der einzige Kritikpunkt, den die Firmenchefs kontern wollen. So stören sie sich an den von den Grünen genannten 1,9 Hektar Fläche, die in Bauland umgewandelt werden sollen: Davon müsse der geplante Park abgezogen werden, der öffentlich zugängliche Naherholungsfläche bleiben soll. Auch die in der Grünen-Stellungnahme geäußerte Befürchtung, es würden vorwiegend teure Penthouse-Wohnungen entstehen, möchten die Investoren entkräften: „Das ist ausgewiesener Humbug. Es wird sicher bei solch einer Bebauung deutlich mehr kleinere Wohnungen für Single-Haushalte geben als große Penthouse-Wohnungen“, so Simon David.

Eine weitere „unbelegte Mutmaßung“ sei die Zahl der Autos, die das neue Wohngebiet durch das Bremt ansteuern: Die Grünen sprechen von 300 bis 400 Pkw-Fahrten – „auf welche Statistiken wird sich hierbei gestützt?“, fragt David. Faller Immobilien habe in Bad Säckingen eine Wohnanlage mit einer Tiefgarage für 185 Autos errichtet, „weit über 50 Prozent der Autos wird dabei gar nicht täglich bewegt“. Er könne nachvollziehen, „wenn die Grünen auf diesem Grundstück keine Entwicklung wollen“, so Faller. „Aber es ist ein privates Grundstück, seit den 50er Jahren in Familienbesitz. Wer ein eigenes Grundstück hat, will selbst entscheiden, was darauf passiert – und welcher Hund darauf sein Geschäft macht.“ Es handele sich im Moment nicht um eine öffentlichen Fläche – auch wenn die Wiese von manchen Hundebesitzern teils so intensiv benutzt werde, dass der Landwirt, der sie mäht, das Gras wegen der Hinterlassenschaften der Vierbeiner nicht mehr an seine Rinder verfüttern könne. Darüber hinaus werde auch die Hochspannungsleitung, die über das Gelände führt, von den Investoren in den Boden verlegt, wodurch unter anderem der angrenzende Kindergarten profitiere.

Der Gemeinderat wird am Montag über das weitere Vorgehen entscheiden, er soll die Aufstellung eines Bebauungsplans beschließen. „Dass man vorher schon Stimmung macht, finde ich nicht in Ordnung. Das ist schlechter Stil“, sagt Gerhard Faller. Sollte sich der Rat gegen eine Bebauung entschließen, „dann ist das eben so“, so Faller.