In Schopfheim wird es ab dieser Woche zwei Eisdielen geben. Diese Nachricht verbreitete sich in den vergangenen Tagen wie ein Lauffeuer in der Stadt – und wird kontrovers diskutiert. Warum? Die neue Eisdiele wird in direkter Nachbarschaft nur wenige Meter entfernt von der Schopfheimer Traditionseisdiele eröffnen. „Schopfheim verträgt zwei Eisdielen“, sagt der Zeller Gastronom Massimo Clissa, der sein Eis aus Zell künftig auch in der Markgrafenstadt anbieten wird. „Das ist nicht die feine englische Art“, meint „Cortina“-Inhaber Marco Sagui.

Das sagt Marco Sagui

„Ich hätte liebend gerne darauf verzichtet“, sagt Marco Sagui im Gespräch. Als er und seine Frau Alessandra vor drei Wochen von der neuen Konkurrenz in der Stadt erfahren haben, mussten sie schon erstmal schlucken. Mittlerweile haben sie sich aber wieder gefangen und blicken positiv auf die Eissaison 2022. „Wir hatten schon einmal eine solche Konkurrenzsituation – und wir sind noch da“, sagt Sagui selbstbewusst.

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In den 90er Jahren hatte es direkt ums Eck in der Hauptstraße eine weitere Eisdiele gegeben. Dass sich die neue Konkurrenz nun noch näher – in Sichtweite – ansiedeln wird, sei aber nochmal eine andere Situation. Die neue Eisdiele von Massimo Clissa, der in Zell die Pizzeria „Escopazzo“ und die Eisdiele „Marilena“ betreibt, wird in den ehemaligen Kiosk in die Hebelstraße 4 ziehen. Ende dieser Woche soll eröffnet werden.

Die „Cortina“ im Pflughof hat bereits seit Sonntag geöffnet. Marco Sagui sagt, dass seine Kunden schon auf die neue Konkurrenzsituation reagiert hätten. Größtenteils nehme er „Empörung“ wahr.

Reaktionen in den Sozialen Netzwerken

Auch in Sozialen Netzwerken gibt es vielerlei Reaktionen – das Thema wird emotional diskutiert, viele Schopfheimer sind mit der „Cortina“ groß geworden, gibt es diese doch schon seit knapp 60 Jahren in der Stadt. „Ich werde weiterhin nur zur Cortina gehen. Finde sowas echt sch****, dass man in direkter Nähe eine aufmachen muss“, schreibt etwa eine Facebook-Userin. Weitere Kommentare sind „Absolut unnötig und sinnlos“ und „Keine 10 Meter auseinander. Das ist doch für den anderen Eisdielenbetreiber ein Schlag ins Gesicht.“

Doch es gibt auch positive Reaktionen: „In Schopfheim ist Platz für zehn Eisdielen. Konkurrenz belebt das Geschäft! Wie viele Brillengeschäfte oder Friseure haben wir in Schopfheim? Sogar am Marktplatz sind zwei Gastronomien nebeneinander! In Lörrach gibt es genau das gleiche – gegenüber der Eisdiele einen Eis-Straßenverkauf!“, schreibt eine Userin, alles sei besser als ein leer stehender Laden. „In Schopfheim ist Platz für zehn Eisdielen“, schreibt ein anderer.

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Dieser Meinung ist auch Massimo Clissa. „In Schopfheim ist Platz für beide Eisdielen.“ Von einer Konkurrenz möchte er daher nicht sprechen, „und wir machen nur zum Mitnehmen“. Clissa möchte sich erweitern und schauen, ob sein Produkt auch in einer größeren Stadt bestehen kann. Unter gleichem Namen und gleichem Konzept wie in Zell wagt er nun den Schritt nach Schopfheim. Dass die neue Filiale in direkter Nachbarschaft zur „Cortina“ liege, sei der Tatsache geschuldet, dass die Räumlichkeiten eben frei und geeignet waren.

Clissa will Platz nicht streitig machen

Roswitha Sutter war vor drei Jahren mit ihrem Kiosk für Tabakwaren, Zeitschriften und Toto-Lotto ein paar Meter die Hebelstraße hinauf ins ehemalige „Bühler Mäxle“ gezogen. Seither steht der Laden leer. Clissa betont, dass er über den guten Ruf der „Cortina“ wisse und die Eisdiele eine treue Kundschaft habe. Er wolle den Inhabern ihren Platz nicht streitig machen, sondern ein respektvolles Nebeneinander. Indes gebe es in Schopfheim doch auch etwa mehrere Pizzerien und mehrere Döner-Stände, die alle gut nebeneinander bestehen könnten.

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Einen Beigeschmack hat die ganze Sache aber doch: Clissa wird die Schopfheimer Filiale mit seinem Zeller Mitarbeiter Diones „Jonny“ Zechinel aufziehen, er hat knapp 20 Jahre lang in der „Cortina“ gearbeitet. Vor wenigen Jahren wechselte er zu Clissa nach Zell. Dass sein ehemaliger Mitarbeiter nun wieder nach Schopfheim komme – als Konkurrent – habe Marco Sagui durchaus überrascht. Aber nun sei es so und er werde das Beste aus der Situation machen. „Ich werde mich nun deswegen nicht großartig verdrehen, ich mache weiter wie bisher.“