Kritik, aber auch viel Lob hatte die Stadt Schopfheim für ihre Transparenz in Sachen Corona erhalten. Als erste Kommune im Landkreis hatte sie 2020 damit begonnen, wöchentlich die Infektionszahlen zu veröffentlichen. Ende November 2021 hörte dies plötzlich auf. Allerlei Vermutungen kursieren seitdem. Bürgermeister Dirk Harscher teilt jetzt auf Nachfrage mit, dass der Grund dafür der zuletzt gestiegene Zeitaufwand sei.

Anders als andere Landkreise gibt es im Landkreis Lörrach in der Corona-Pandemie keine regelmäßigen Übersichten über das jeweils lokale Infektionsgeschehen. Während etwa der Landkreis Waldshut täglich für jeden Ort die Zahlen veröffentlicht, bilden die vom Landratsamt Lörrach herausgegebenen Daten nur die Lage auf Landkreisebene ab. Schon früh im Jahr 2020 hatte Bürgermeister Dirk Harscher einen Sonderweg eingeschlagen. Nicht nur, dass er in wöchentlich stattfindenden Pressegesprächen jeweils über die neuesten Entwicklungen informierte. Auch gab die Stadt wöchentlich die Infektionszahlen für die Gesamtstadt bekannt.

Obwohl nun seit Herbst die Zahlen massiv steigen, stellte die Stadt Schopfheim diesen Informationsservice Ende November ohne Erläuterung ein. Seitdem gab es gerade in sozialen Netzwerken die eine oder andere Spekulation. Beispielsweise wird gemutmaßt, dass das Landratsamt dem Schopfheimer Sonderweg Einhalt geboten hätte. Tatsächlich hatte Dirk Harschers Vorgehensweise gerade auch im ersten Pandemiejahr 2020 ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Von Bürgern gab es viel Lob. Auch veröffentlichte in der Folge weitere Kommunen Zahlen. „Ich hatte aber gerade auch am Anfang Kritik bekommen“, erinnert Harscher. Doch sei diese dann nach und nach verstummt. Überhaupt ist Harscher der Meinung, dass sich die Vorgehensweise aus seiner Sicht bewährt habe.

Warum aber hat dann die Stadt Ende November diesen Infoservice eingestellt? Bürgermeister Dirk Harscher stellt dazu auf Nachfrage dieser Zeitung klar, dass dies nicht auf Druck einer übergeordneten Ebene erfolgt sei. „Auch war dies nicht von mir so gewollt.“ Die Ursache sei vielmehr ganz einfach technischer Natur. „Die Übermittlung der Coronazahlen, die wir vom Landratsamt bekommen, hat sich grundlegend geändert und ist nicht mehr so einfach verständlich“, erläutert Harscher.

So würden derzeit sämtliche Fälle online geliefert. „Wir sehen nicht auf einen Blick, welche Fälle neu dazugekommen sind.“ Stand Ende vergangener Woche seien es „über tausend Fälle, die seit Ende Oktober übermittelt worden sind“. Leider stehe seitdem der Aufwand, „nahezu richtige Zahlen von unserer Seite zu übermitteln, in keinem Verhältnis mit dem Zeitaufwand“. Auch bestehe seit dieser Umstellung die Gefahr, falsche Zahlen zu veröffentlichen. „Daher haben wir uns entschieden, nach dieser Meldungsumstellung durch das Landratsamt auf die Zahlen zu verzichten.“ Stattdessen verweist die Stadt ausschließlich auf die Veröffentlichungen des Landratsamts – wie im Grunde alle anderen Kommunen auch. Harscher ist es wichtig, „dass es nicht darum geht, hier etwas zurückzuhalten. Es hat einfach nur mit einem hohen Arbeitsaufwand zu tun, die Corona-Zahlen zu ermitteln. Viel lieber hätte auch ich auf einem Blick die Zahl in einer Woche.“