Die Caritas möchte in Zell ein soziokulturelles Zentrum schaffen, in dem Begegnung auf unterschiedlichste Weise stattfinden kann. Der Gemeinderat gab grünes Licht für einen Antrag beim Förderprogramm „Freiräume“. Dieses unterstützt in Baden-Württemberg die Entwicklung innovativer Projekte, bei denen etwa leerstehende Gebäude durch künstlerische und soziokulturelle Nutzungen wiederbelebt werden sollen.

„Wir wollen lebendige soziale Räume schaffen, in denen Menschen sich einbringen können“, sagte Reinhard Zahn vom Caritasverband für den Landkreis Lörrach, der die Außenstellen Zell und Schönau leitet. Gemeinsam mit Doris Leimeier, Teamleiterin der Zeller Außenstelle, stellte er die Idee im Gemeinderat am Montag vor: „Das Projekt wäre eine Chance, Orte der Begegnung zu schaffen sowie das Stadtbild mit Leben zu füllen“, sagte Zahn, der damit auf die Leerstände in der Zeller Innenstadt anspielte. Das Kulturcafé Fräulin, das seit 2016 leer steht, soll das Zentrum des Projekts bilden. Denkbar seien aber auch andere leerstehende Räume. Diese sollen vielfältig genutzt werden, etwa für Familienfrühstück, Kreativangebote, Hobby- und Künstlerausstellungen oder für generationsübergreifende Begegnungsangebote wie Spielenachmittage oder eine Computerwerkstatt. Die Leitung des gesamten Projekts möchte der Caritasverband übernehmen, „wir denken da an eine 50-Prozent-Stelle“, sagte Zahn. Der Förderantrag wird von Caritas und Kommune gemeinsam gestellt.

Warum braucht Zell ein soziokulturelles Zentrum? „Bürgerschaftliches Engagement wird in Zell großgeschrieben“, so die Antragsteller. Allerdings mangele es an der Vernetzung der bestehenden Beratungs- und Freizeitangebote, zudem gebe es außerhalb der Vereinstätigkeiten kaum generationsübergreifende Initiativen. Interkulturelle Veranstaltungen würden trotz des hohen Migrationsanteils in Zell eher die Ausnahme bilden. Daher sollen mit dem soziokulturellen Raum sowohl gemeinsame Angebote für Jung und Alt, als auch für Menschen verschiedener Nationalitäten geschaffen werden. „Mit dem Projekt möchten wir insbesondere die Menschen erreichen, die nicht aktiv am bestehenden Vereinsleben teilnehmen, sondern aus verschiedenen Gründen andere Formen der Begegnung wahrnehmen möchten. Alter oder Herkunft spielen dabei keine Rolle“, so die Antragsteller. Der Gemeinderat begrüßte den Vorstoß der Caritas und beauftragte einstimmig die Verwaltung mit der Förderantragstellung. In einem ersten Schritt soll nun ein Konzept entwickelt werden, federführend von der Caritas. Hierfür sind Gespräche mit der Kommune, den ortsansässigen Einrichtungen, Vereinen und bürgerschaftlichen Initiativen geplant – alle sollen miteinbezogen werden. Nach spätestens einem halben Jahr sollen erste Beratungs- und Freizeitangebote im neuen Café stattfinden.