Verlockend, bunt und geheimnisvoll wirken die Wundertüten für Kinder, die mit Spielzeug und Süßem gefüllt sind. Solche Papiertüten samt überraschendem Inhalt finden sich neben Sammelbildern, Kaugummi- und Orangenpapieren und populären Comicfiguren in der neuen Sonderausstellung „Des Sammlers Leidenschaft“ im Städtischen Museum Schopfheim. Seit Mittwoch ist sie für Besucher unter den aktuellen Corona-Regeln nach Terminbuchung geöffnet.

Auch Comicfiguren sind in der Schau als Objekte zu entdecken.
Auch Comicfiguren sind in der Schau als Objekte zu entdecken. | Bild: Roswitha Frey

Es ist die letzte Ausstellung, die Ulla K. Schmid als Museumsleiterin konzipiert und aufgebaut hat. Bevor sie Anfang Juni in Ruhestand geht, bietet Schmid in dieser Schau einen nostalgischen Rückblick auf beliebte Sammelobjekte der 1950er und 1960er Jahre. Der unterhaltsame Streifzug durch Bildergeschichten und Spielfiguren dürfte bei vielen Besuchern Kindheitserinnerungen wecken. Zugleich wird ein Stück Konsumgeschichte der Wirtschaftswunderjahre aufgeblättert.

Sammelbilder waren in den Wirtschaftswunderjahren beliebt.
Sammelbilder waren in den Wirtschaftswunderjahren beliebt. | Bild: Roswitha Frey

Ulla K. Schmid, Jahrgang 1955, hat als Kind, wie sie erzählt, liebend gern am Kiosk oder in einem Schreibwarenladen die Wundertüten gekauft, die damals zehn oder 20 Pfennig gekostet haben. Die Vorfreude und Neugierde, was wohl in den verschlossenen Papierbehältnissen steckt, erhöhte noch den Reiz der Wundertüten. In der Verpackung entdeckten die Kinder kleine Spielzeugobjekte, aber auch Schmuck und Süßigkeiten. Erfunden in den 1950er Jahren, erlebten die Wundertüten in den 1960er Jahren einen Boom. Als Verkaufsschlager entpuppten sich spezielle Serien zu Themen wie Afrika, Cowboys, Zirkus, Zoo, Raumfahrt, später auch zu Sportanlässen wie Fußballbundesliga, Weltmeisterschaft, Olympiade. Verfilmungen der Karl-May-Geschichten boten ebenfalls beliebte Motive für die Wundertüten, die bis Anfang der 1970er Jahre ihre Blütezeit hatten. Neben 3D-Objekten und Leckereien fanden sich auch kleine Sammelbilder in den Tüten.

In Vitrinen sind originale Wundertüten aus den 1960er Jahren zu sehen, außerdem deren Inhalte wie Spielwaren, kleine Objekte und Figürchen aus den Serien „Afrika“, „Zirkus“ und „Zoo“. Da entdeckt man unter anderem Beduinen mit einer Kamel-Karawane, Bären, winzige Autos, Schiffe, Instrumente.

Hoch im Kurs bei den Kindern standen Sammelbilder mit Fußballerporträts von Kicker-Idolen wie Beckenbauer und Gerd Müller. Weitere Blickpunkte sind originale Orangenpapiere. Seit dem späten 19. Jahrhundert sind solche dünnen, durchscheinenden Papiere bekannt, mit denen die Früchte, die damals etwas ganz Besonderes und Exotisches waren, zum Schutz vor Druck und Schimmel umwickelt wurden. Abgebildet wurden auf den Papieren neben Werbung auch Darstellungen aus Literatur, Märchen, Sagen und aktuellen Geschehnissen. Im Museum sieht man gut erhaltene, seltene Exemplare, farbenfroh bedruckt mit vielfältigen Motiven wie Szenen aus „Robinson Crusoe“.

Ein weiterer Themenkreis gilt den Kaugummipapieren. Diese mit Comicfiguren bedruckten Einwickelpapiere für Kaugummi wurden in der Nachkriegszeit immer populärer. Bedruckt waren sie meistens mit Motiven aus Walt Disney-Zeichentrickfilmen und Comicfiguren wie Fix und Foxi, Donald Duck, Micky Maus. Ulla K. Schmid hat an den Wänden eine Auswahl solcher origineller Kaugummipapiere mit lustigen Comicbildern ausgehängt. Comicfreunde werden auch ihre Freude an Originalheften und Objekten über die „Familie Feuerstein“ und „Die Jetsons“ haben. Die in der Steinzeit spielenden Abenteuer von Fred Feuerstein, Barney Geröllheimer & Co eroberten ab 1966 als Zeichentrickserie auch die deutschen Fernsehzuschauer. Schon zuvor tauchten sie in Comicheften der Reihe „Hucky und seine Freude“ auf.

Heiteres Quiz ergänzt die Ausstellung

Erst 1970 flimmerten „Die Jetsons“ erstmals im deutschen Fernsehen über die Bildschirme. Zwei Geschichten um die Steinzeit-Helden Feuerstein und den Weltraum-Clan Jetson sind in Großkopien zum Anschauen ausgehängt. Fred Feuerstein und sein Freund Barney Geröllheimer im fußbetriebenen Auto aus Stein und Holz werden zudem als Objekte präsentiert, ebenso wie Roboter Rosie mit Häubchen und Schürze.

Bis auf zwei Stücke aus Museumsbestand sind die Exponate alles private Leihgaben. Eine Museumsschrift mit erklärenden Texten und geschichtlichen Hintergründen liegt aus. Als Aktionspunkt hat sich Ulla K. Schmid ein heiteres Quiz ausgedacht, das in der Ausstellung gelöst werden darf: also Türe auf für die wundersame Welt der Wundertüten, Bonbonpapiere, Comicgeschichten und knisternden Überraschungen.