Lange Warteschlangen bei der Ausleihe oder Rückgabe von Medien in der Stadtbibliothek sollen jetzt vermieden werden. Vor rund zehn Tagen wurden der neue Selbstverbucher und das automatische Rückgaberegal in Betrieb genommen. Jetzt können Kunden ihre Bücher und andere Medien ganz einfach selbst ausleihen oder zurückgeben – so sparen sich Personal und Kunden einiges an Zeit.

Der Grund für die Neuerung: Die Stadtbibliothek hat lange Öffnungszeiten, jedoch wenig Mitarbeiter. Um diese Öffnungszeiten aufrecht erhalten zu können, muss dem Personal Arbeit abgenommen werden. Durch das neue Buchungssystem sparen sie sich Zeit und können diese für andere, wichtigere Dinge verwenden. Außerdem bietet das kontaktlose Ausleihen einen höheren Hygienestandard, was besonders in Pandemiezeiten von großer Bedeutung ist. Und noch ein weiterer Grund sprach für das Umwandeln des bisherigen Buchungssystems. Seit der Eröffnung der Bibliothek im Jahre 1988 seien kaum Neuerungen vorgenommen worden, erzählt Fachbereichsleiter Jürgen Sänger, zuständig für die Bibliothek.

Mit den beiden neuen Geräten hat die Bibliothek einen großen Schritt in Richtung Modernisierung gemacht. Ein wichtiger Schritt, wenn man die Schopfheimer Bibliothek mit anderen in der Region vergleicht. Denn diese verfügten bereits alle über ein Selbstausleihersystem, berichtet Bibliotheksleiterin Katja Benkler. Die Nutzung ist einfach. Nachdem der Kunde am Selbstverbucher seinen Bibliotheksausweis gescannt hat, kann er die auszuleihenden Medien auf das Gerät legen. Der Selbstverbucher erkennt, um welches Buch es sich handelt, und vermerkt dieses automatisch auf dem Benutzerkonto des Kunden. Nach Abschluss der Buchung erhält der Kunde einen Fristzettel, auf dem die ausgeliehenen Bücher und deren Rückgabedatum vermerkt sind. Noch einfacher funktioniert das Zurückgeben der Medien im Rückgaberegal. Der Kunde stellt die Medien in das Regal, dieses erkennt, was zurückgegeben wurde, und speichert die Rückgabe im Benutzerkonto. Der Kunde muss lediglich überprüfen, ob das Gerät die Medien richtig erkannt hat.

Bisher habe die Bibliothek hauptsächlich positives Feedback bekommen. „Auch die ältere Generation findet es toll“, erzählt Benkler.

Möglich ist dieses Verfahren durch die RFID-Technologie (radio-frequncy identification). Durch elektromagnetische Wellen ermöglicht sie das berührungslose Übertragen und Speichern von Daten. Die Umwandlung auf dieses System sei ein zeitintensives Unterfangen gewesen, so Benkler. Die Bibliothek habe die Zeit während der Corona-Pandemie genutzt, um ein Drittel der Medien selbst für die neue Technologie aufzubereiten, der Rest wurde von einer externen Firma übernommen. Die Kosten der gesamten Umwandlung belaufen sich auf 42.000 Euro. Ein Teil davon, 16.000 Euro, wurden vom Soforthilfeprogramm „Vor Ort für alle“ vom Deutschen Bibliotheksverband übernommen.

Ein weiterer Vorteil des neuen Systems: Durch die Rückgabe und Ausleihe an zwei unterschiedlichen Orten verteilen sich die Kunden besser. So kommt es zu kürzeren Wartezeiten. Die Befürchtung, dass die Menschen so langsam von den Maschinen ersetzt werden, nimmt Katja Benkler sofort: „Wir haben noch genauso viel Personal wie vor der Anschaffung des Selbstverbuchers“, berichtet sie. Der Unterschied zu früher sei, dass die Bibliothekarinnen jetzt aber mehr Zeit für wichtigere Dinge hätten, wie zum Beispiel die Kundenberatung. Anfangs sei das System natürlich aufwändig, da jedem Kunden gezeigt werden müsse, wie es funktioniert. Bald würde sich die Zeitersparnis aber deutlich bemerkbar machen, so Benkler.

Die frei werdende Zeit soll auch für Aktionen verwendet werden – zum Beispiel für die Sommerleseaktion „Heiss auf Lesen“, die dieses Jahr zum ersten Mal angeboten wird. Bei dieser Aktion wird Kindern von der ersten bis zur achten Klasse, die Mitglied im Buchclub sind, die Möglichkeit gegeben, ausgewählte Bücher auszuleihen. Wer kein Mitglied im Club ist, hat keinen Zugriff auf diese Bücher. Nach Ende der Lektüre können sie sich mit den Bibliothekarinnen darüber unterhalten. Dieser Dialog fördere das Verständnis, so Benkler. „Das ist Leseförderung par excellence“, sagt sie außerdem über das Projekt. Und gerade diese Leseförderung sei der Kernauftrag einer Bibliothek.

Sie ist begeistert von der Rückmeldung auf die Sommerleseaktion. Es hätten sich bereits 32 Kinder angemeldet, womit sie anfangs überhaupt nicht gerechnet habe. „Ich wäre schon froh gewesen, wenn zumindest zehn Kinder mitgemacht hätten“, berichtet Benkler.