Nachdem die Gemeinde Aitern bereits deutliche Kritik am Entwurf des Managementplans „Natura 2000“ für den Belchen geäußert hatte, nimmt nun auch die Gemeinde Wieden Stellung. Bemängelt werden unter anderem die Vergrößerung der FFH-Flächen – Wieden ist die Gemeinde mit dem größten Flächenanteil am Natura 2000-Gebiet –, sowie die Düngeverordnung. Insgesamt würde die Lage der Landwirte verschlechtert werden. Das Regierungspräsidium indes betont, dass es sich lediglich um Empfehlungen zur Bewirtschaftung handele und nicht um Verbote.

Das Vorkommen von 23 unterschiedlichen Lebensraumtypen im Bereich des Belchen deutet für das Regierungspräsidium (RP) Freiburg auf eine außerordentliche Vielfalt des Gebiets hin, die es zu erhalten und zu schützen gelte. Daher wurde nun der Managementplan auf den Weg gebracht. Der Entwurf des Plans ist noch bis zum 25. April öffentlich und im Internet einzusehen.

In der Gemeinderatssitzung am Montagabend in Wieden wurde deutlich, dass der Plan nicht den Vorstellungen der Gemeinde entspricht. Mit einer Stellungnahme der Gemeinde an das RP, die inhaltlich die Meinungen der Ratsmitglieder sowie der örtlichen Landwirte enthält, positionierte Bürgermeisterin Annette Franz das beschauliche Bergdorf in dieser Angelegenheit. Bemängelt wird unter anderem die Vergrößerung der sogenannten FFH-Flächen (Fauna-Flora-Habitat). Bereits 2018 wurden Vorschläge bezüglich der geografischen Lage von der Gemeinde Wieden eingereicht, allerdings seien diese weder berücksichtigt noch seitens des RPs kommentiert worden. Da der Managementplan Belchen auf diese neu festgelegten Flächen basiere, könne die Gemeinde der Planung nicht zustimmen, hieß es in der Sitzung. Auch sehe sie sich nicht in der Lage, die geforderten Maßnahmen umzusetzen.

Auch die auf dem Plan basierenden Düngeverordnungen seien auf Wiedener Gemarkung nicht einzuhalten, hieß es im Gemeinderat. Denn auf den Weideflächen finde eine permanente Verschlechterung statt, die nur durch eine regelmäßige Düngung zu stoppen sei, was laut Managementplan so künftig nicht mehr möglich sein soll. Die Wiedener verwiesen auf einen Vertrag aus dem Jahre 2009, in dem die regelmäßigen Düngungen mit dem Land Baden-Württemberg geregelt seien. Auch bezieht sich die Stellungnahme der Wiedener auf die Ergebnisse des Klimopass-Konzeptes aus dem Jahre 2018, die neben einer aktiven Bewässerung auch eine moderate Düngung der Weiden empfiehlt, da eine tragfähige Bewirtschaftung durch den Landwirt ansonsten in Zukunft nicht mehr möglich sei. Die Gemeinde Wieden stellte sich daher die Frage, ob sie schlussendlich für den Erhalt der Flächen zuständig sei, falls Landwirte aufgeben sollten. Dies sei nicht umsetzbar, so der Tenor.

Das RP betonte am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung, dass die Landnutzer sowie Verbände und Behörden in die Erarbeitung des Managementplans für das FFH-Gebiet eingebunden würden. Der nun vorliegende Planentwurf enthalte Empfehlungen zu Maßnahmen, die die Erhaltung der im Gebiet vorkommenden Lebensraumtypen sowie Tier- und Pflanzenarten gewährleisten sollten. „Es handelt sich also nicht um Verbote, die verordnet werden, sondern um Empfehlungen zur Bewirtschaftung, um den guten Zustand zu erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung. Man sei sich der Einschränkungen bewusst, die sich durch die Vorgaben und Empfehlungen zur Erhaltung der Lebensräume für die Bewirtschafter ergeben. So schlagen die Fachleute unter anderem vor, auf den beweideten Borstgrasrasen auf Düngung und Kalkung zu verzichten. „Das Land Baden-Württemberg trägt eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der in Deutschland inzwischen sehr seltenen, nährstoffarmen Borstgrasrasen, die sich über lange Zeiträume der extensiven Bewirtschaftung entwickelt haben“, so das RP. Auf den Mähwiesen wird abhängig vom Erhaltungszustand eine Erhaltungsdüngung in gewissen Zeitabständen vorgeschlagen.

Die Naturschutzverwaltung unterstütze die Landwirtschaft dabei, den Anforderungen gerecht zu werden. Für jeden betroffenen Landwirt bestehe das Angebot, einen Vertrag nach der Landschaftspflegerichtlinie abzuschließen oder bei FFH-Mähwiesen die FAKT-Förderung in Anspruch zu nehmen, um einen finanziellen Ausgleich für die Nutzungseinschränkungen zu erhalten.

Wie erwähnt, werde die Gemeinde Wieden ihre Bedenken beim RP vortragen, Bürgermeisterin Annette Franz forderte aber auch jeden einzelnen Landwirt dazu auf, persönlich eine Stellungnahme abzugeben, bevor die Frist am Ende dieser Woche auslaufe.

Die Kritik aus Wieden deckte sich größtenteils mit der aus Aitern. Dort wurde ebenfalls betont, dass der Managementplan zu einer Verschlechterung der Lage der Landwirte führe und diese zur Aufgabe ihres Neben- oder Haupterwerbs gezwungen sein könnten. Aufgegebene Allmendweiden und Waldflächen würden in so einem Fall in die Bewirtschaftung durch die Gemeinde übergehen. Aitern betonte allerdings, dass die Gemeinde diese Aufgabe auf keinen Fall stemmen könne. Wie Wieden möchte auch die Gemeinde Aitern die bis zum 25. April bestehende Möglichkeit der Stellungnahme durch Bürger und Landwirte wahrnehmen und einen entsprechenden Brief an das Regierungspräsidium richten.