Außergewöhnlich heftige Regenfälle haben in den vergangenen Wochen im Westen Deutschlands für wahre Horror-Bilder gesorgt: Fortgerissene Häuser, zerstörte Straßen und Brücken, ganze Ortsteile sind wegen der Unwetter versunken. Was wäre, wenn über Zell und seinem Umland ein Starkregen derselben Kategorie niederginge? Das war Gegenstand einer kurzen Diskussion am Montag im Gemeinderat.

Zell, so viel wurde deutlich, würde von einem derartigen Ereignis kalt erwischt werden – wie alle Orte im Umkreis. Werner Ganter (CDU) wollte in der Gemeinderatssitzung wissen, ob es für die Stadt Zell eine Art „Notfallplan“ bei schweren Unwettern gebe. Nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sei ihm die Frage gekommen, ob sich in Zell nicht Ähnliches ereignen könnte, „wenn zum Beispiel Bäche von Gresgen oder Blauen richtig anziehen“ und durch Starkregen zu Sturzbächen werden. „Dann sieht es nämlich hier auch nicht anders aus“, sagte Ganter.

Ganter dürfte da nicht nur die Bilder aus den Katastrophengebieten im Westen der Republik im Kopf gehabt haben. Auch im Wiesental hatten Kommunen an jenem verhängnisvollen Tag vor Hochwasser durch Starkregen gewarnt. Am 12. Juli versandte zum Beispiel die Stadt Schopfheim eine Hochwasserwarnung – ausdrücklich nicht entlang der Wiese, sondern an kleineren Bächen sei die Gefahr von Überflutungen groß. Im Kandertal, am Tüllinger und am westlichen Dinkelberg hat es am 14. Juli auch schwere Schäden durch Hochwasser gegeben. Und dass der Gresgerbach vom gleichnamigen Bergdorf nach Enkenstein und nicht nach Zell abfließt, dürfte im Jahr 1999 der einzige Grund gewesen sein, dass der Dorfkern des Schopfheimer Ortsteils überflutet wurde und nicht westliche Teile der Zeller Innenstadt.

Bürgermeister Peter Palme erklärte zwar, dass der Werkhof „Programme zur Pflege der Bäche“ habe, um diese von Unrat und Schutt freizuhalten. Beispielsweise ist der Fischbach, der von Adelsberg herab kommt, mit einem Rechen ausgestattet, damit Schwemmgut – Geröll oder Bäume – hier hängen bleibt und nicht in die Stadt gespült wird. Dieser und weitere Rechen würden regelmäßig vom Werkhof kontrolliert. Wenn sich ein Hochwasser anbahne, sei er zwar in ständigem Kontakt zur Zeller Feuerwehr und diese sei auch in Alarmbereitschaft, um eingreifen zu können. Palme musste aber auch einräumen, dass Zell keinen darüber hinausgehenden Notfallplan für solche außergewöhnlichen und plötzlichen Starkregenereignisse habe, wie jene, die zur Katastrophe im Westen geführt haben: „Wenn sich allerdings so etwas wie im Ahrtal ereignet, sind wir nicht in der Lage, ganz schnell zu reagieren“, so Palme. „Das ist aber außer uns auch sonst niemand“, meinte der Rathauschef mit Blick auf die Organisation im Katastrophenschutz. Es müsse ein politisches Umdenken hin zu einem „übergreifenden Warnsystem“ geben.

Atzenbachs Ortsvorsteher Bernhard Karle – in Schopfheim im Tiefbauamt beschäftigt – erklärte im Gemeinderat, dass es ein Starkregenmanagement gebe, in das auch die Feuerwehr eingebunden sei. Hauptamtsleiter Karlheinz Keller allerdings stimmte Ganter zu: „Wir haben keine Stabsorganisation für solche Katastrophenfälle und es gab auch noch nie eine Übung.“ Das Thema sei unterrepräsentiert.

Auf Nachfrage erklärt Zells Feuerwehr-Gesamtkommandant Thomas Roth, dass es Sirenen auf den Dächern zur Alarmierung der Feuerwehr und vor allem zur Warnung der Bevölkerung zwar in den Ortsteilen, nicht mehr jedoch in der Stadt gebe. Im Ernstfall müssten die Katastrophenschützer auf Lautsprecherdurchsagen zurückgreifen. Und den Ernstfall, meint Roth, könne auch er „nicht ausschließen“ – Extremwetterlagen werden immer häufiger.

Werner Ganter forderte im Gemeinderat, das Thema für die Zukunft im Hinterkopf zu behalten, damit man in Zell im Fall eines dramatischen Starkregens eben vielleicht doch nicht ganz so kalt erwischt wird.