Als einen „Regio-Menschen mit Leib und Seele“ bezeichnete sich Dominik Wunderlin in seiner Dankesrede nach der Verleihung der Johann Peter Hebel-Gedenkplakette 2021. Die Gemeinde Hausen ehrte den Kulturwissenschaftler, Kurator, Vizedirektor a. D. des Basler Museums der Kulturen und Stiftungsrat der Basler Hebelstiftung mit der hohen Auszeichnung am Samstag in einer Feierstunde in der Festhalle Hausen.

Bürgermeister Martin Bühler überreichte die Gedenkplakette und die Urkunde dem Schweizer Ethnologen, Volkskundler, Museumsmann, Autor und Referenten für seine großen Verdienste um den alemannischen Dichter Hebel. Gewürdigt wurde Wunderlins langjähriges Engagement in der Basler Hebelstiftung und dem Hebelbund Lörrach in Vernetzung mit der Hausener Hebelstiftung, oftmals als versierter Exkursionsleiter bei gemeinsamen Unternehmungen.

„Wir haben in die Nähe und ein bisschen über die Grenze geschaut“, meinte der Rathauschef über die Wahl des neuen Hebel-Plakettenträgers, der ein „wandelndes Geschichts- und Ortslexikon“ sei. Auch in Hausen sei Wunderlin gut bekannt. Bühler hob Wunderlins „wissenschaftliche, kreative und verantwortliche Mitwirkung“ bei der Einrichtung des Hebel-Wanderwegs von der Wiesenquelle am Feldberg bis zur Mündung in Basel hervor. So habe er die Texte für alle Tafeln auf Schweizer Seite verfasst.

Ein Goldvreneli als Brautgaben überreichte Sebastian Mattmüller von der Basler Hebelstiftung beim Hebel-Abend in Hausen an Sina Zäh, Lara Zettler und Nadja Dages (von links).
Ein Goldvreneli als Brautgaben überreichte Sebastian Mattmüller von der Basler Hebelstiftung beim Hebel-Abend in Hausen an Sina Zäh, Lara Zettler und Nadja Dages (von links). | Bild: Roswitha Frey

Als Laudator trat Felix Rudolf von Rohr ans Rednerpult. Der Geehrte heiße nicht umsonst Wunderlin, denn er sei „eine Wunderkerze, die an beiden Enden brennt für unsere Welt, unsere Heimat, unsere Traditionen, die Volkskultur und unsere Sprache“. Wunderlin habe stets einen Rucksack für seine Wanderungen, Pilgerfahrten und Exkursionen dabei, aber vor allem einen „prächtigen wissenschaftlichen Rucksack“, in dem in jeder Tasche ein anderer Erfahrungsschatz stecke. In seiner Arbeit als Kurator im Museum der Kulturen, seinen wissenschaftlichen Arbeiten, Publikationen, Ausstellungen, Führungen, Vorträgen und Expeditionen habe Wunderlin thematisch den Bogen weit über Europa hinaus gespannt, würdigte von Rohr die Weltoffenheit des 67-Jährigen.

Seine besondere Liebe gelte der alemannischen Welt, auch der Fasnacht. Der Laudator ging auch auf Wunderlins enge Verbindung zu Hebel und große persönliche Wertschätzung für den Dichter ein. Schon als Schulbub in Liestal habe er Bekanntschaft mit den Kalendergeschichten und dem Schatzkästlein gemacht. Hebels Weisheiten und Ratschläge, die heute so gültig seien wie vor 200 Jahren, weiterzugeben, sei für Wunderlin immer ein wichtiger Anstoß. In Vorträgen und Texten habe er Hebel unter die Menschen gebracht und lebendig erhalten, er habe für den Hebel-Wanderweg in Basel gekämpft, sei in Stadtführungen mit Hebel „auf die Gasse“ gegangen. Und er habe sich dafür eingesetzt, dass die Schweizer Post Hebel eine Sonderbriefmarke widmete, schilderte von Rohr den unermüdlichen Einsatz Wunderlins.

„Hebel ist eines der bedeutendsten Markenzeichen für unsere Region“, so von Rohr über den Dichter, der als Wegbereiter die Mundartdichtung salonfähig gemacht habe und mit Bodenhaftung und Respekt auf die Menschen zugegangen sei. Dies habe Wunderlin von seinem Lehrmeister aus Hausen übernommen, der für ihn „ein leuchtendes Vorbild“ sei.

Er schaue, wie Hebel, „dem Volk aufs Maul“ und blicke als Brückenbauer über den Tellerrand, wie sein Vorbild Hebel, rühmte der Laudator Wunderlins Engagement für die regionale Kulturgeschichte, für das Brauchtum und das Netzwerk der Geschichtsvereine am Oberrhein.

„Sehr bewegt“ zeigte sich der Geehrte in seiner Dankesrede, die er in Baselbieter Deutsch in „Liestaler Variante“ hielt. Persönlich, klug, humorvoll und sympathisch erzählte Wunderlin, wie er „nach seinen eigenen Wurzeln“ gegraben und schon früh zu Hebel gefunden hat. Er sei hinter dem Dichtermuseum in Liestal aufgewachsen, sein Primarlehrer habe ihn Hebel-Geschichten und Gedichte gelehrt. Hebel war für ihn als Volkskundler „eine wertvolle Quelle“. Wunderlin erinnerte an Ausflüge über die Grenze, die er in seiner Kindheit mit seinen Eltern unternommen habe, ins Badische, ins Elsass. Dies habe ihn geformt und zu dem gemacht, was er heute sei: „Ein Regio-Mensch mit Leib und Seele“. Wunderlin sprach über die „spannende und intensive Zeit“ seiner Beschäftigung mit Hebel. Und er hatte ein Präsent für Bürgermeister Bühler mitgebracht: Das „Baselbieter Schatzchäschtli“, eine Schachtel mit 21 Nummern der Baselbieter Heimatblätter, die Wunderlin redaktionell betreut. Er hoffe, dass sie einen Platz im Literaturmuseum Hausen finden.

Moderierte wurde der Hebel-Abend von Wernfried Hübschmann, der die Gäste, darunter die „Alten Frauen“ und „Alten Mannen“ und etliche Hebel-Plakettenträger, mit geistvollen Gedanken zu Hebel und eigenen lyrischen Betrachtungen und Gedichten einstimmte. Die Poesie sei auf seinem Weg der Wanderstab, griff Hübschmann das Bild der Wanderung auf. „Auch Hebel war ein großer Wanderer“, über Felder und Wiesen stapfend, unterwegs zwischen Ämtern und Pflichten, zwischen Amtsdeutsch und seiner geliebten Muttersprache, dem Alemannischen. Er trug aus seinem lyrischen Schaffen das frühe Sonett „Die Alleen“, die poetische Litanei „Was mir um die Ohren fliegt – 33 Variationen über Musik“ und das Gedicht „Alemannisches Nachtbild“ aus den „Wiesentalgedichten“ vor.

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Sebastian Mattmüller, Präsident der Basler Hebelstiftung, gratulierte dem Plakettenträger und überreichte drei Bräuten aus Hausen, die im letzten oder vorletzten Jahr geheiratet haben, ein Goldvreneli als Brautgaben. Nadja Dages, Sina Zäh und Lara Zettler nahmen die Goldmünze entgegen, Sandra Kiefer konnte sie nicht persönlich abholen. Mattmüller ermutigte die jungen Frauen, Hebels Geschichten weiterzutragen.

Eine Bläserformation der Hebelmusik Hausen, besetzt mit Trompeter Max Lehmann, Posaunist Heinz Eichin, Tubaspieler Ralf Bieri und Hornist Heiko Bieri, spielte Stücke von Mozart bis Gershwin. So war es, auch unter Corona-Bedingungen mit Maskenpflicht im Saal, „ein wunderschöner Hebel-Abend“, wie Bürgermeister Bühler abschließend sagte.