Die Parkplätze bei ohnehin schon beliebten Ausflugszielen in der Natur sind in Corona-Zeiten noch überfüllter als zuvor. Im Gegenzug sind die Gemeindekassen noch klammer als zuvor. In einigen Gremien wurde daher in den vergangenen Monaten überlegt, an solchen Plätzen Parkgebühren zu erheben. Die Todtnauer sind schon einen Schritt weiter: Die Einführung von Parkgebühren am Radschert ist beschlossene Sache, kommende Woche soll der Parkscheinautomat aufgestellt werden.

In Todtnau wurde bereits über die Parkgebühren entschieden: In Kürze soll ein Automat auf dem Radschert-Parkplatz aufgestellt werden.
In Todtnau wurde bereits über die Parkgebühren entschieden: In Kürze soll ein Automat auf dem Radschert-Parkplatz aufgestellt werden. | Bild: Ulrike Jäger

Die Stadt Todtnau hat allerdings schon vor Corona darüber nachgedacht, den Parkplatz beim Radschert gebührenpflichtig zu machen. Der Radschert bietet bei klaren Tagen einen fantastischen Ausblick auf das Wiesental bis hin zu den Schweizer Alpen, und er ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen. Sommer wie Winter ist in Todtnauberg viel los, zum Teil drängen sich Autos dicht an dicht auf dem kostenlosen Parkplatz, bis auch die Zufahrtsstraße zugeparkt ist. Eine Parkgebühr könnte etwas Ordnung bringen und gleichzeitig eine willkommene neue Einnahmequelle für die Stadt darstellen.

Bereits Anfang 2020 war in Todtnau über die Einführung von Parkgebühren am Radschert diskutiert worden, schnell hatte sich aber gezeigt, dass die Umsetzung komplizierter ist als gedacht, und zunächst einige Fragen geklärt werden müssen. Im Februar 2021 wurde dann der Beschluss gefasst: Rund 100 legale und vor allem geordnete, eingereihte Parkplätze soll es auf dem Radschert geben. Wer künftig dort parkt, muss einen Euro pro Stunde, maximal sieben Euro pro Tag, bezahlen. Die Stadt rechnet mit Einnahmen in Höhe von rund 30.000 Euro im Jahr. Die einmaligen Ausgaben für die Parkplatzherstellung inklusive Parkscheinautomat von rund 42.000 Euro seien damit gerechtfertigt. Es sollen regelmäßige Kontrollen stattfinden. Nächste Woche soll der Parkscheinautomat in Todtnauberg aufgestellt werden.

Im Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Schönau ist man noch nicht ganz so weit. Die Überlegung, das Parken am Belchenparkplatz in Obermulten (Aitern) kostenpflichtig zu machen, wurde im Oktober 2020 in einer Verbandsversammlung diskutiert. Entschieden wurde noch nichts, allerdings stimmten die Vertreter der Mitgliedsgemeinden zu, für die Aufstellung der Parkscheinautomaten 25.000 Euro in den Haushalt 2021 einzustellen. Auf dem dortigen Platz können 100 Pkw parken, besonders an den Wochenenden könnten hier gut Einnahmen gemacht werden. „Die Investition soll sich rechnen, und am Ende sollen noch ein paar Euro übrig bleiben“, hieß es damals in der Sitzung. Überschüsse sollten der Fremdenverkehrsumlage zugutekommen, sagte Verbandsvorsitzender Peter Schelshorn. Damit würden die GVV-Mitglieder an dieser Stelle finanziell entlastet werden. Als Vorbild wurde etwa die Urlaubsregion Allgäu genannt, an deren Bergbahn-Parkplätzen häufig Parkscheine gelöst werden müssten.

Und auch das Kleine Wiesental denkt darüber nach, wie zum einen das gelegentliche Parkchaos an einigen Plätzen in der Gemeinde in den Griff zu kriegen ist und zum anderen etwas Geld in die Gemeindekasse kommen kann. Im März 2021 wurde im Gemeinderat über Parkgebühren diskutiert: Vor allem die Parksituation beim Nonnenmattweiher gab Anlass zur Sorge. An heißen Sommertagen wird hier nicht nur der Parkplatz, sondern auch die Zufahrt ab dem Abzweig von der Verbindungsstraße zwischen Mittel- und Hinterheubronn völlig zugeparkt – auch Rettungswege. Als einziger Naturbadesee im Landkreis zieht der Nonnenmattweiher Ausflügler aus ganz Südbaden an. In die Diskussion mitaufgenommen wurden auch die Parkplätze am Kreuzweg und am Hau – ebenfalls beliebte Ausgangsorte für Ausflügler in die Belchenregion. „Eigentlich war ich erst skeptisch, was Parkgebühren auf Parkplätzen in der Natur angeht“, hatte Bürgermeister Gerd Schönbett in der Sitzung gesagt. Er habe sich dann aber aus Gemeinden wie Todtnau inspirieren lassen. Wie die Diskussion im Gremium zeigte, möchte die Gemeinde die Entscheidung aber nicht zu leichtfertig treffen. Denn: Wer Parkraum bewirtschaftet, hat auch die Verkehrssicherungspflicht und kann haftbar gemacht werden.

Im Gemeinderat Kleines Wiesental wurden zwei Varianten diskutiert: Kurzfristig umzusetzen wäre die erste Möglichkeit, in der die Gemeinde Parkautomaten aufstellen würde, wie es in Todtnauberg getan wird. Variante zwei, eine Schrankenanlage, wäre hingegen längerfristig und aus Sicht der Gemeinde nur mit Kooperationspartnern machbar. Entschieden wurde noch nichts, lediglich dass die Verwaltung sich etwa mit Landkreis und Regierungspräsidium in Verbindung setzen solle. „Bisher sind noch keine Gemeinden diesbezüglich auf das Landratsamt zugekommen. Grundsätzlich obliegt die Parkraumbewirtschaftung den Gemeinden“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit.