Sie ist weder Fisch noch Fleisch – so könnte man die Aufstiegstreppe beim Hammerwehr an der Wiese bezeichnen. Manche, aber nicht jede Fischart kann sie überwinden. Um aber Fischwanderungen stärker in Fluss zu bringen, plant die Teichgenossenschaft als Eigentümer der Anlage einen Umbau für 1,1 Millionen Euro. Nicht nur Fische wie der Lachs würden profitieren. Auch angelt sich die Stadt dadurch Ökopunkte.

„Es geht im Grundsatz darum, die Durchgängigkeit für Fische zu verbessern“: Bürgermeister Dirk Harscher muss zwar nicht brüllen, als er diesen Satz sagt, jedoch deutlich lauter sprechen als üblich, um gegen das Rauschen der Wassermassen anzukommen, die sich durchs Hammerwehr an der Wiese ihren Weg bahnen. Die Kraft des Wassers produziert nicht nur Strom, sondern auch eine eindrucksvolle Geräuschkulisse.

Genau diese Kraft ist allerdings auch Anlass für einen Umbau, den die Eigentümer der Anlage planen – die Teichgenossenschaft Schopfheim. Ihr gehören Kraftwerkbetreiber wie Energiedienst und die WKW Wasserkraft Wiesental, Anlieger und gut zur Hälfte die Stadt Schopfheim an, wie der kommissarische Tiefbauamtsleiter Remko Brouwer erläutert.

Zwar verfügt das Hammerwehr über eine Fischaufstiegstreppe, die gar nicht mal so alt ist. Erst 2001 war sie auf Initiative der damals zuständigen Gewässerdirektion Waldshut-Tiengen gebaut worden, um eine Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen wiederherzustellen. Bis dahin war der 3,50 Meter hohe Wehrabsturz ein unüberwindbares Hindernis. Die etwa 30 Meter lange und 1,60 Meter breite Fischtreppe sollte dieses Problem lösen – und nebenbei auch pro Sekunde 400 Liter Mindestwasser garantieren, damit der aufgestaute Fluss unterhalb des Wehrs nicht austrocknet. Die Baukosten trug damals das Land Baden-Württemberg, weil es damals sogar ein Modellprojekt war. So handelt es sich bei der Fischtreppe um einen sogenannten „Schlitzpass“, eine aus Nordamerika stammende Bauart. Die Wirksamkeit dieses Schlitzpasses sollte denn auch über einen längeren Zeitraum erfasst und dokumentiert werden.

Mittlerweile ist klar: Dieser Schlitzpass hilft manchen, aber beileibe nicht allen Fischen und Kleinlebewesen. Die Treppe ist zu steil, die Gegenströmung viel zu stark. Und so hat die mittlerweile zuständige Gewässerdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg angeordnet, dass hier etwas getan werden muss. Im Blick hat sie dabei keineswegs nur den Lachs. Auch wenn er immer an erster Stelle genannt wird, wenn es darum geht, Barrieren zu beseitigen, um Fischwanderungen zu ermöglichen – seit vielen Jahren setzten ja auch örtliche Anglervereine regelmäßig Babylachse in der Wiese aus, in der Hoffnung, dass sie eines Tages tatsächlich den Weg auch ins Wiesental zurückfinden. „Der Lachs ist zwar eine Hauptzielart, er würde aber wohl sogar noch halbwegs klar kommen“, vermutet Brouwer. Doch während der Lachs es bislang noch gar nicht bis hierher schafft, wandern viele andere heimische Fischarten sehr wohl je nach Jahreszeit durch die Wiese zu Laichgründen – und haben an dieser Stelle ein Problem.

Die Teichgenossenschaft nimmt sich dem nun an. „Die Planung läuft“, so Brouwer. Zum einen soll die Fischtreppe durch eine deutlich flachere Konstruktion ersetzt werden, die – weil sie mehr Platz benötigt – in Schleifen nach unten führt. Umgebaut werden soll in diesem Zuge auch die ganze Situation rund um den Einlauf zum Gewerbekanal, der sich direkt beim Hammerwehr befindet. Mit einem neuen Schieber soll besser reguliert werden können, wie viel Wasser der Wiese in den Kanal abzweigt, sagt Brouwer: „Die Wiese als Hauptgewässer hat klar Vorrang und hat bei Trockenheit Priorität.“

Umgebaut wird auch das Technikgebäude. Ferner wird die Brücke für Spaziergänger und Radfahrer durch eine neue Konstruktion ersetzt, der Einlauf des Gewerbekanals soll zudem mit einem Fischrechen abgeriegelt werden. Ein weiterer Rechen ist an der Stelle in Gündenhausen geplant, wo der Kanal zurück in die Wiese mündet. Brouwer: „Damit soll verhindert werden, dass wandernde Fische diese Route wählen.“

Zum einen, weil bei Trockenheit im Kanal kein ausreichender Wasserstand garantiert werden kann. Zum anderen, weil sich mit den Kraftwerken Gündenhausen und im Bifig weitere Hindernisse in den Weg stellen. „Die Situation dort ebenfalls durchgängig zu machen, wäre deutlich aufwändiger als jetzt diese einzelne Maßnahme.“ Bürgermeister Dirk Harscher ergänzt, dass „es dann natürlich auch vorbei ist mit Forellenangeln im Kanal“. Rund 1,1 Millionen Euro würde das Umbauvorhaben kosten. Die Stadt ist dabei gemäß ihrem Anteil an der Teichgenossenschaft mit ihm Boot. Klar sei, so Harscher, „dass wir das über eine Finanzierung stemmen müssen. Über Umlagen geht das nicht.“ Jedoch gebe es für das Projekt Ökopunkte – und die sind, wenn sie verkauft werden, buchstäblich bares Geld wert. Wie viele Ökopunkte es genau für dieses Vorhaben gibt, wisse man allerdings erst, „wenn es richtig losgeht.“ Harscher stellt auch klar: „Wir müssen das machen. Das ist eine Auflage.“ Würde die Teichgenossenschaft nicht von sich aus aktiv werden, käme zwangsläufig irgendwann eine behördliche Anordnung. „Indem wir das selber in die Hand nehmen, können wir uns ausreichend Zeit nehmen mit der Planung und auch mit der Ausschreibung“, sagt der Bürgermeister. Auch da spielt Geld eine Rolle. „Wenn die Firmen mehr zeitlichen Vorlauf haben, wirkt sich das auch auf den Preis aus.“

Ob der Umbau schon nächstes Jahr erfolgt, ist aber aus mehreren Gründen offen. Die Genehmigung steht noch aus, auch muss die Schonzeit beachtet werden. Remko Brouwer geht davon aus, dass „eine Bauausführung 2023 eher realistisch ist als 2022“, also noch viel Wasser die Wiese hinunter laufen wird.