Seit Mitte Mai dürfen sie wieder Gäste empfangen, die Schopfheimer Gastronomen. Doch unter Corona-Bedingungen sind strenge Auflagen einzuhalten. Wie rentabel ist der Betrieb mit eingeschränkter Gästezahl? Wie ist das Geschäft nach der Zwangspause wieder angelaufen? Sind manche Betriebe in die roten Zahlen gerutscht? Wir haben uns in einer Kneipe, in einem Hotel und in einem Gasthaus umgehört. Es zeigt sich: Restaurant und Hotel kommen glimpflicher weg als die kleine Kneipe.

Sonja Dede macht der leere Tresen in der „Hurli“ zu schaffen. In der Einraum-Kneipe ist die Theke Dreh- und Angelpunkt. Seit hier niemand mehr sitzen darf, bleibt die Beiz oft leer.
Sonja Dede macht der leere Tresen in der „Hurli“ zu schaffen. In der Einraum-Kneipe ist die Theke Dreh- und Angelpunkt. Seit hier niemand mehr sitzen darf, bleibt die Beiz oft leer. | Bild: Nicolai Kapitz

Sonja Dede steht hinterm Tresen in der „Hurlibaus“. Die Einraum-Kneipe in der Hauptstraße ist benannt nach einer Kanone, die vor Jahrhunderten einmal das größte Geschütz zur Verteidigung der Stadt war. Die „Hurlibaus“ von heute hat immerhin wohl die größte Theke der Stadt. Wie eine Halbinsel ragt sie in den Wirtsraum und ist Treffpunkt für viele Stammgäste. 30 Leute passen hier normalerweise hin. Doch genau das ist das Problem: „Die Leute wollen am Tresen sitzen“, sagt die 66-jährige Wirtin. „Seit ich nach der Corona-Pause wieder aufgemacht habe, ist die Kneipe oft leer.“ Eine Gartenwirtschaft gibt es hier nicht, die Plätze an den Tischen sind begrenzt.

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Viele der Stammgäste, die normalerweise an der hufeisenförmigen Theke ein Schwätzchen mit dem Nachbarn halten, kommen gar nicht mehr. An den Tischen sitzen wollen sie nicht. Und auch diejenigen, die gerne an den Spielautomaten zocken, kommen nicht mehr – die Automaten dürfen bekanntlich nicht laufen. Und so ist die „Hurli“ vor allem vormittags und mittags oft verwaist. Und am Wochenende, wenn mehr los ist, muss Sonja Dede, die seit 2002 in der Kneipe arbeitet und sie seit acht Jahren als Wirtin betreibt, oft Gäste abweisen: „Manchmal bis zu 30 oder 40, wenn das reicht.“ Immerhin: „Ich bin unendlich froh, dass der Verpächter mir eine Monatspacht erlassen hat und die Brauerei eine zweite übernimmt“, sagt Sonja Dede. Die 9000 Euro Soforthilfe vom Staat hatte sie nach dem Lockdown sofort beantragt und auch bekommen. „Sonst wäre hier schon lange zu. Aber das geht nicht mehr lange gut.“ Einen, vielleicht zwei Monate kann sie noch überbrücken – dann muss entweder wieder Kneipennormalität ohne Abstandsregeln einkehren, oder die „Hurli“ muss schließen.

Weit weniger dramatisch sieht es in der „Krone“ in Wiechs aus: Das Gasthaus mit angeschlossenem Hotel hat innen wie außen viel Platz, und die Gäste strömen wieder. „Zu 90 Prozent haben wir wieder Normalbetrieb“, sagt Senior-Chefin Doris Hauri. Normalbetrieb heißt natürlich, dass trotzdem alle Corona-Hygiene- und Abstandsvorschriften eingehalten werden. „Das Personal trägt Schutzmasken, und auch die Gäste ziehen alle mit.“ Durch einen erweiterten Biergarten auf der Terrasse konnten auch die Kapazitätseinschränkungen durch die Abstandsregeln aufgefangen werden. Zwar ist das Hotel noch nicht derart ausgebucht, wie man es in der „Krone“ gewohnt ist. Das Restaurant sei aber wieder sehr gut besucht, „man hat den Leuten angemerkt, dass ihnen das gefehlt hat“, sagt Doris Hauri. Inzwischen schreibe die „Krone“ wieder schwarze Zahlen.

Trotzdem ging auch hier die Krise nicht spurlos vorüber: Der Betrieb hatte eine sechsstellige Summe angespart, um in diesem Sommer einige Renovierungsarbeiten zu erledigen. „Corona hat diese Summe verbraucht“, erklärt Doris Hauri. Und auch das Personal sei in Kurzarbeit, teilweise immer noch. Obendrein haben alle großen Gesellschaften, die normalerweise zu Hochzeiten, Geburtstagen und Jubiläen zum Beispiel die Kutschenscheune der „Krone“ mieten, ihre Veranstaltungen bis in den Herbst hinein abgesagt. „Es ist natürlich schon ein Batzen, der uns da verloren gegangen ist. Das holen wir auch nicht mehr auf“, sagt Doris Hauri. „Wir sind aber froh, dass es wieder läuft.“

Mit gemischten Gefühlen sieht Gerhard Bechtel, Wirt der „Sonne“ in Schopfheim, die Zeit seit der Wiedereröffnung. „Die Zwangspause haben wir ganz gut mit einem Lieferservice überbrückt“, sagt Bechtel über die Zeit seit März. Die Küche des Gasthauses in der Altstadt war an das Team vom Gasthaus „Schlüssel“ in Pfaffenberg vermietet – „das kam sehr gut an“, sagt Bechtel. Umso schlechter ging es aber nach der Öffnung weiter. „So lautstark, wie da zum Beispiel auf dem Marktplatz gegen die Einschränkungen demonstriert wurde, dachte ich, die überrennen uns“, sagt der Sonnenwirt. „Aber das war nicht der Fall.“ Wirtsstube und Biergarten waren oft nur spärlich gefüllt – was immerhin dazu führte, dass er bisher keine Gäste abweisen musste. „Im Biergarten und drinnen finden alle Platz, das ist ein Vorteil“, sagt der Wirt. „Jetzt zieht es zwar langsam wieder an. Aber das Abendgeschäft ist weit schlechter als je zuvor.“

Drauflegen müsse er nicht, „aber wir kommen gerade so durch“, so Bechtel. „So macht es nicht wirklich Sinn.“ Da spielt auch hinein, „dass in der Stadt noch nicht wirklich was los ist“, meint der Wirt. Großveranstaltungen wie die Live-Night oder der Sommer-Sound fallen in diesem Jahr völlig weg, „Kunst und Kultur und das Vereinsleben fehlen völlig“. Und auch in der „Sonne“ fehlen die üblichen Festgesellschaften. „Corona hat uns etwas gekostet, das kann ich Ihnen sagen. Drei Monate Umsatzausfall, das ist ein Wort. Ich gehe bald in Rente und habe Rücklagen. Da kann man das schon überbrücken. Aber mit 20 oder 25 hätte ich das nicht überlebt. Was weg ist, ist weg. Und das ist auch nicht mehr aufholbar“, erzählt Bechtel. Der Gastwirt hofft, dass die Einschränkungen bald nicht mehr nötig sind. „Der Mundschutz ist eine Katastrophe. Wir ziehen das bei uns zwar durch. Aber wenn ich sehe, wie locker andere damit umgehen, macht es so keinen Sinn.“