Wer zurzeit die Alte Kirche St. Michael betritt, erlebt einen Aha-Effekt. Der Innenraum ist in Purpur-Töne getaucht. Das im Tagesverlauf changierende Wechselspiel von Farbe und Licht ist ein besonderes visuelles Erlebnis für die Besucher. Es empfiehlt sich, die Kirche zu verschiedenen Tageszeiten aufzusuchen, um das ganze Farbspektrum von hell glühenden Nuancen bis zu bläulichem Violett wahrnehmen zu können.

Ausgelöst wird das staunenswerte Erlebnis Farbe durch die Raum-Licht-Installation „Magenta sehen“ von Marcus Pericin. Durch diese Installation könne man das alte und altbekannte Gebäude in neuem Licht sehen und neu entdecken, sagte der Kulturbeauftragte Dominik Baiker am Freitagabend bei der Eröffnung dieses Gemeinschaftsprojekts des Kunstvereins Schopfheim und der Stadt. Diesen Ort in Farbe zu tauchen, sei besonders reizvoll, denn damit treffe eine heutige Kunstform auf eines der ältesten Gebäude der Stadt.

Beim Eintauchen in die Farb-Installation würden Assoziationen geweckt: an gotische Kirchenfenster aus farbigem Glas, aber auch an den Erzengel Michael, der auch als „Fürst des Lichts“ gezeichnet werde und der rot gewandet dargestellt sei. Es gebe vielfältige Bezüge zu entdecken zwischen der Farbinstallation und der alten Kirche. Mehr über das Geheimnis der Installation entlockte Johannes Kehm, der Vorsitzende des Kunstvereins, dem Lichtkünstler Marcus Pericin von der Hochschule der Künste in Zürich. „Was hast du mit uns gemacht?“, wollte Kehm wissen, warum sein grünes Hemd plötzlich blau aussah und aus der Sakristei die Farbe leuchtet.

Wie Pericin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Farb-Licht-Zentrum der Hochschule, verriet, besteht die Installation aus Folien, Farbfiltern, durch die das Tageslicht gefiltert wird. Dadurch werde das Grün weggefiltert, so dass der Kirchenraum in Magenta-Töne getaucht wird, mal in warm strahlende, mal in kühlere. Blickt man zum Ausgang, zur offenen Tür, erscheint dieser nicht mehr weiß, sondern grün – im Nachbild. Für Pericin war es eine Premiere, denn erstmals hat er eine solche Installation in einem Kirchenraum verwirklicht. Zum Erlebnis Farbe und Licht kam für die 50 Vernissagebesucher noch das Erlebnis Klang dazu. Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon nahm an der historischen Stein-Orgel die Atmosphäre im Raum auf und spielte eine Improvisation.

Termine: Bis 5. September, samstags, 10 bis 17, sonntags 11 bis 17, mittwochs, 14 bis 17, freitags, 17 bis 20 Uhr. Klangimprovisationen von Christoph Bogon 30. Juli, 18.30 Uhr. Führungen von Dominik Baiker am 7. August,18 Uhr, 15. August, 15 Uhr, 28. August, 14 Uhr.