Was steckt hinter der Ablehnung eines Kiosk-Projekts am Ortsausgang von Aftersteg? Unweit der Parkplätze zum Todtnauer Wasserfall möchte Gastronom Ralf Dreier mit seiner Frau Regine eine kleine Verkaufsstelle auf dem eigenen Grundstück errichten. Nach Ablehnung des Vorhabens im Ortschaftsrat wie auch im Todtnauer Bauausschuss wittert der Wahl-Aftersteger Intrigen, Indiskretionen und Absprachen seitens des Ortsvorstehers. Er will weiter für sein Projekt kämpfen.

Am meisten habe ihn aufgeregt, dass ein Anschreiben an Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner im Ortschaftsrat vor der Sitzung am 7. Juni kursierte und die Ortschaftsräte in der Sache befangen gemacht haben könnte, sagt Dreier im Gespräch mit der Zeitung. In seinem Schreiben an Wießner kündigte Dreier den wenige Tage später folgenden Bauantrag an, wies auf coronabedingte Einnahmeausfälle hin und schloss mit der Bitte um Hilfe. „Der Brief hätte nie weitergegeben werden dürfen“, sagt Dreier. Wießner verweist jedoch darauf, dass der Brief an den Bürgermeister und damit nicht persönlich an ihn gerichtet worden sei. Deshalb habe er das Schreiben zu den Akten im Bauamt gelegt, wodurch er auch in den Ortschaftsrat kam.

In der Folge lehnten zunächst der Ortschaftsrat und drei Tage später auch der Bauausschuss in Todtnau das Projekt ab. Fridolin Kunz, Ortsvorsteher in Aftersteg, hatte in der Sitzung geäußert, dass er unter Einbezug der Verkehrssicherheit, der verbleibenden Stellplätze auf dem Grundstück sowie der Tatsache, dass sich der geplante Kiosk im Außenbereich befinde, gegen das Bauvorhaben stimmen werde. „Damit folgen wir dem Landratsamt“, so Kunz. Ralf Dreier argwöhnt jetzt, dass dem städtischen Kiosk am Eingang zum Wasserfall eine Monopolstellung verschafft werden soll. Bürgermeister Wießner weigerte sich mitzuteilen, wer Pächter im städtischen Kiosk ist.

Es lohnt sich, einen näheren Blick auf das Dreiersche Anwesen zu werfen. Da ist zunächst das „Haus Dreier zum Stüble“. Daran grenzt die vom Bruder betriebene Autowerkstatt Dreier, sodann schließt sich das 1000 Quadratmeter-Grundstück unmittelbar vor dem Ortsausgangsschild an. Hier würde Ralf Dreier gerne seinen Kiosk mit 16 Quadratmeter Innenfläche ohne Terrasse bauen.

Durch die coronabedingte Schließung sei er bereits genug gestraft, jetzt solle der Umsatz gesteigert werden, hatte er dem Bürgermeister geschrieben. Bei Wiedereröffnung des „Stüble“, das sein Opa gegründet hatte, damals vor zehn Jahren, hätten noch alle im Dorf applaudiert. Liebevoll rustikal renoviert mit 24 Plätzen präsentiert sich das Stüble heute. Dreier ist heimatverbunden und alles andere als ein Sonderling. Im Gesangverein sei er Mitglied gewesen. Jetzt würden ihm aber Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Was den Gastronomen auch wurmt: In der gleichen Sitzung des Aftersteger Ortschaftsrates wurde der Bauantrag zum Umbau des Kiosks am Zugang zum Wasserfall genehmigt. Dabei bestehe dort ein Wasserschutzgebiet mit einer Quelle, wendet Ralf Dreier ein. Aber Eigentümer sei dort die Stadt Todtnau, merkt er an und impliziert damit, dass bei Bauanträgen aus seiner Sicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Schon manches Mal sei das der Fall gewesen und er benachteiligt worden. Zum Beispiel auch, als er einst ein Hinweisschild am Wasserfall für sein „Stüble“ haben wollte, was abgelehnt wurde, während der Glasbläserhof gegenüber dort für sich haben werben dürfen.

Das Verhältnis zum Ortsvorsteher ist angespannt

Womöglich werde ihm das Leben in Aftersteg auch schwer gemacht, weil er kein Blatt vor den Mund nehme und zum Beispiel auf Sicherheitsbedenken des Schutzgeländers am Wasserfall oder schlechte Wegzustände hinweise. „Ja, der Ortsvorsteher und ich haben öfter Krach untereinander“, bestätigt Ralf Dreier. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass Stimmung gegen ihn im Ortschaftsrat gemacht werde. Wenn es stimme, dass der Ortsvorsteher in der betreffenden öffentlichen Sitzung behauptet habe, das Landratsamt habe seine Bauvoranfrage bereits abgelehnt, „dann hat Kunz gelogen“, sagt Dreier klipp und klar. Schlimmer noch, er habe damit den Ortschaftsrat „unter Vortäuschung falscher Tatsachen manipuliert“.

Tatsächlich ist die Kiosk-Bauvoranfrage von Ralf Dreier beim Landratsamt als untere Baurechtsbehörde noch nicht negativ beschieden. Das bestätigt Sprecher Torben Pahl auf Nachfrage: „Nach Rückmeldung aus dem Fachbereich Baurecht wurde in dieser Angelegenheit noch kein Bescheid erlassen.“ In einem Schreiben vom 31. Mai an den Bauherrn fordert das Landratsamt lediglich einige Ergänzungen der Unterlagen an.

Selbst wenn der geplante Kiosk auf seinem Grundstück sich zwar innerorts, aber gleichwohl „im Außenbereich“ befinde, gebe es für „ortsgebundene gewerbliche Betriebe“ Ausnahmen vom pauschalen Bauverbot, beruft sich Dreier auf den Paragrafen 35 zum Baurecht im Außenbereich. Die gelte auch für Gastronomiebetriebe. Bürgermeister Andreas Wießner widerspricht. „Für Gastronomen gibt es da keine Sonderregelung“, sagte er. Ortsvorsteher Fridolin Kunz war trotz mehrfacher Versuche, Kontakt aufzunehmen, für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das letzte Wort für das Kiosk-Projekt in Aftersteg scheint also noch nicht gesprochen und Ralf Dreier gibt sich kampfbereit: „Ich werde darum kämpfen, notfalls mit juristischen Mitteln.“