Die Corona-Krise stellt das Gesundheitssystem vor ungeahnte Herausforderungen. Im Kampf gegen die Pandemie stehen Ärzte und Mitarbeiter in Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen an vorderster Front und sind häufig bis zur Erschöpfung im Einsatz.

Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Schutzmaterial und personelle Engpässe erschweren Medizinern und Pflegekräften ihre Arbeit. Wir sprachen sprach mit Vertretern medizinischer Berufe über die aktuelle Situation.

Hausärztliche Praxis Hausen

Edmund Mularski ist Facharzt für Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis Schopfheim-Hausen. Was er zu berichten hat, steht symptomatisch für die momentane Situation, mit der sich bundesweit haus- und fachärztliche Praxen konfrontiert sehen. Es herrsche, so der Mediziner, eine absolute Ausnahmesituation. Zwar habe sich die Patientenzahl nicht erhöht, doch sei die Behandlung jedes einzelnen Patienten aufwändiger.

„Es geht um die Erkennung von Corona-Infizierten. Hierbei ist es zwingend erforderlich, die Menschen ärztlich zu versorgen und gleichzeitig unsere Praxis coronafrei zu halten“, erläutert Mularski. Zunächst führe die Praxis eine Telefon-Anamnese durch und entscheide dann, ob jemand in die Praxis kommen soll oder nicht. „Das ist ein erheblicher logistischer Aufwand“, berichtet Edmund Mularski. War früher das Wartezimmer voll, müsse nun darauf geachtet werden, dass sich immer nur ein einziger Patient im Wartezimmer befinde. „Die große Herausforderung ist, auch Patienten ohne Corona-Verdacht medizinische Versorgung zukommen zu lassen.“ Ein gravierendes Problem sei der akute Mangel an Schutzkleidung. „Hier haben wir kreative Lösungen entwickelt. So führen Patienten die für eine Corona-Untersuchung notwendigen Abstriche draußen auf dem Parkplatz eigenständig durch“, sagt der Facharzt.

Schutzmasken habe sich die Praxis über Umwege notdürftig beschaffen können, und Schutzbrillen habe man sich im Baumarkt besorgt. Schutzkleidung zu bekommen, sei derzeit unmöglich, und auch die Lieferketten für Desinfektionsmittel seien anhaltend unterbrochen. „Es wird seit Wochen davon gesprochen, dass wir zentral versorgt werden“, so Mularski. „Bisher ist von offizieller Seite nichts angekommen. Aber wir brauchen es händeringend.“ Und so könne derzeit zwar diagnostiziert und eingewiesen werden, aber eine ambulante Behandlung sei aufgrund fehlender Schutzkleidung nicht möglich.

Das Fazit von Edmund Mularski Fazit: „Wir sind in Deutschland institutionell gut aufgestellt. Die Krankenhäuser bereiten sich sehr gut vor, und wir haben viel mehr Intensiv- und Beatmungskapazitäten als andere Länder. Aber wir kommen jetzt langsam in die Phase, in der wir Corona-Infizierte auch ambulant behandeln müssen.“ Innerhalb der nächsten zwei Wochen werde in der Praxis eine Videosprechstunde freigeschaltet, kündigt Mularski an. Dann könne per Handy mit den Patienten von Angesicht zu Angesicht kommuniziert werden.

Medi-MVZ in Fahrnau

Auch die Praxis des Medi-MVZ in Fahrnau hat, um Patientenkontakte auf ein Minimum zu reduzieren, ihre Zugangsregeln drastisch geändert. Jeder Anrufer erfährt per automatischer Ansage, dass alle vor dem 16. März vereinbarten Termine abgesagt sind. Die Eingangstür zur Praxis bleibt geschlossen – Zutritt erfolgt nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung. Rezepte können per E-Mail oder über das Rezepttelefon bestellt und dann an die von den Bestellern gewünschte Apotheken verschickt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, im Internet einen Anamnese-Fragebogen auszufüllen und zu übermitteln, woraufhin eine Kontaktaufnahme seitens der Praxis erfolgt. Ohne Krankheitssymptome werden keine Abstriche vorgenommen.

Zahnarztpraxis in Schopfheim

Zahnarzt Nikolai Kanev hat seinen Schopfheimer Praxisbetrieb auf halbtägige Sprechzeiten heruntergefahren und konzentriert sich ausschließlich auf die Behandlung von Schmerzpatienten. Zuvor angelaufene Behandlungen werden selbstverständlich noch abgeschlossen. Die zeitliche Einbestellung von Patienten geschieht so, dass Kontakte mit anderen in der Praxis vermieden werden. Nicht zwingend notwendige Behandlungen wurden auf Eis gelegt. Dies sei notwendig geworden, weil auch der Praxis von Nikolai Kanev mittlerweile die Ressourcen ausgehen: „Mundschutz, Handschuhe, Desinfektionsmittel – all das geht zur Neige. Und die Besorgung von Nachschub bereitet große Probleme.“ Auch die Landeszahnärztekammer sei diesbezüglich machtlos. Der drastische Rückgang an Patienten gehe mit sinkenden Einnahmen einher, berichtet Kanev. Unterstützung seitens der Kassenärztlichen Vereinigung gebe es nicht. „Niemand sagt einem, wie es jetzt weitergeht. Im Moment leben wir von Tag zu Tag.“ Dennoch werde er alles tun, um Kurzarbeit für seine Praxismitarbeiter zu vermeiden. Man sei ein tolles Team und wolle auch schwere Zeiten gemeinsam durchstehen, so lange es gehe. „Meine größte Sorge ist, dass wir die Praxis schließen müssen, weil wir einfach nicht mehr weiter behandeln können“, sagt Kanev.

Psychologische Praxis

Diplom-Psychologe Martin Schwan berichtet eher gelassen über die derzeitige Situation in seiner Schopfheimer Praxis. Nach einem kurzzeitig erfolgten Patientenrückgang aufgrund von Terminabsagen aus Furcht vor Ansteckung bewege sich der Zulauf nun wieder auf normalem Niveau, sagt der Therapeut. Unter seinen Patienten sei die Verunsicherung hinsichtlich der Corona-Epidemie eher gering – hier leiste aus seiner Sicht eine gute und umfassende Aufklärung durch die Presse, Funk, Fernsehen und Internet gute Arbeit. Eher seien es Ängste und Schuldgefühle, die die Psyche vieler Menschen in diesen Tagen belasten. Angesprochen auf das Phänomen der Hamsterkäufe von Toilettenpapier vermag auch der Psychologe keine rationale Antwort zu geben. Eine aus einem Gefühl der Angst resultierende Gruppendynamik und die Orientierung am Verhalten anderer könnten als Gründe in Frage kommen, so Martin Schwan. Und nein, sein Praxisalltag habe sich nicht gravierend verändert. Termine zu Einzelgesprächen (mit Abstandsregel) gebe es nach wie vor nach vorheriger telefonischer Absprache.

Probleme bei der Beschaffung von Desinfektionsmitteln betreffen auch ihn. Hier sei Improvisation gefragt, und er behelfe sich, so gut er könne.