Beim Fasnachtsauftakt am „Ölfte Ölfte“ am Montag hat die Narrenzunft mit „Werner (Schwald) vom Mitteldorf“ einen Statthalter aus dem Hut gezaubert, der in Raitbach aufwuchs, in Langenau lebt und jahrzehntelang das Häs des Sternenzinken trug – ein echter, in der Wolle gefärbter Schopfheimer Fasnächtler. Mit „Werner vom Mitteldorf“ am Zepter wollen die Aruba-Narren im Januar unter dem neuen Motto „Wär‘s nit so ernscht, chönntsch drüber lache“ in die Hauptfasnacht starten.

Das neue Narren-Motto wurde am Montagabend gleich hart auf die Probe gestellt: Den Narren war es wegen einer abgelaufenen Zulassung nicht möglich, die altehrwürdige Hurlibaus-Kanone abzufeuern. Damit pünktlich um 19.11 Uhr dann doch elf Kanonenschläge durch die Stadt dröhnen konnten, wurde in Absprache mit dem Ordnungsamt eine Kanone vom Schützenverein aus Zell herangeschafft und der Marktplatz großräumig mit Absperrbändern verziert.

Und als „Müüsli“ Klaus Strauß nach dem Einmarsch von Hästrägern, „Namelose“-Guggemusik und Stadtmusik seinen Prolog vortragen wollte, streikte das Mikrofon. Ohrenzerreißende Rückkopplungs-Geräusche fiepten über den Platz am Kronenbrunnen. Manch einer der Umstehenden dachte schon, „Müüslils“ Ausruf „Sag emol, scheiß Technik“ als neues Motto abspeichern zu müssen.

Hästräger wie auch die Besucher nahmen es mit Humor – offenbar war die Sache nicht ernst genug, um nicht doch noch drüber lachen zu können. Genauso wie über die Sprüche von Klaus Strauß, mit denen er im Prolog wie gewohnt gegen die Obrigkeit zu Felde zog. Stichwort Sitzverteilung im Gemeinderat nach der Kommunalwahl: „Wer wo hockt isch jo schißegal – Hauptsach sie schaffe optimal. Ob das so isch – verlöhnt euch druf – mir Narre passe immer uf.“ Stichwort Verkehrsberuhigung: „D‘Stadt will d‘Hauptstroß dekoriere, einfach nur mol usprobiere, des Stuck vom Kreisel bis zum Kranz mit gääle Flääre voll und ganz, rund und unterschiedlich groß – des wär dann d‘Spiegeleierstroß.“

Die so gescholtene Rathausspitze – namentlich Bürgermeister Dirk Harscher – gab angesichts dieser Spitzen auch völlig klaglos den Rathausschlüssel ab. „Sofie, wir buchen last minute und fliegen in den Urlaub“, witzelte Dirk Harscher in Richtung seiner Frau, nachdem er diese schwere Bürde an den neuen Machthaber – Werner vom Mitteldorf – übergeben hatte. Um diesen wiederum hatte die Narrenzunft natürlich ein großes Geheimnis gemacht. Seine Vorgänger Frank (Pfeiffer) vo de Hanfi und Kai (Horschig) us de Bismarckstroß gaben vom Podium herab Tipps, wer es wohl sein könnte. „Nur so viel“, gönnte sich Kai us de Bismarckstrooß einen Seitenhieb auf das lokalpolitische Geplänkel zwischen verschiedenen Parteien rund um den Feuerwehr-Kommandanten: „Es isch nit Heiko de letschte us de Belchestroß.“

Dann führten ihn die Zunfträte herein, den neuen Chef: „Sit über 20 Johr düe ich als Narr ins Publikum winke, als Ex-Zinkevogt und Sternegucker bin ich daheim im Sternezinke“, stellte Werner Schwald sich vor. „Als Statthalter will ich keine große Sprüchli klopfe, ich wünsch mir nur ä wunderschöni Fasnacht do in Schopfe.“ Mit einem kleinen Wunschzettel gab Werner vom Mitteldorf einen Vorgeschmack auf seine Kampagne: „Au wenn die siebe Tanne dort obe nümmi kasch seh – aber e richtiges Schiibefüür solls dört obe witerhin geh“, kündigte er eine Renaissance des im vergangenen Frühjahr abgesagten Sternenzinken-Feuers an.

Zum 66. Geburtstag der Clique soll das Feuer also wieder brennen. „Drum hät ich an dich Dirk, unse Burgi, ä großi Bit: Hilf du mit dim Ordnungsamt do bitte mit.“ Und weil sich diese Behörde schon bei den Kanonen-Schüssen als Möglichmacher gezeigt hatte, sind die Narren guter Dinge, dass das auch klappt. Das Gejohle rund um den Kronenbrunnen zeigte, dass auch der fast obligatorische Ärger über die Behördenauflagen nichts so ernst ist, dass man nicht doch irgendwie noch darüber lachen könnte.