Schopfheim – Autos halten an, Jugendliche steigen aus und bilden eine Schlange vor der Schopfheimer Shisha-Bar Legends, manche Eltern steigen mit aus, um ihre Zöglinge zu begleiten. Angekündigt ist ein Fantreffen mit den drei Internet-„Stars“ Freedom95, Supergirl und Einfach Hans, organisiert vom Freien Radio Wiesental. Youtuber? Fantreff? Die BZ wollte wissen, was sich dahinter verbirgt.

Fast 40 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, davon deutlich mehr Mädchen als Jungs, tummeln sich vor dem Lokal. Teils haben sie weite Wege auf sich genommen. Als sie dann endlich, völlig fasziniert, vor den drei Youtubern – ihren „Stars“ (die Wert darauf legen, dass ihre wahren Namen nicht preisgegeben werden) – stehen, wirken diese wie ganz normale Menschen. Auch wenn das auf 14 Uhr angekündigte Fantreffen erst um 14.45 Uhr beginnt. Warten erhöht die Vorfreude und die Spannung. Während die immer nervöser werdenden Fans vor der geschlossenen Tür warten, stehen die drei Hauptprotagonisten hinter dem Lokal.

  • Was ist ein Youtube-Star? Früher galt: Um das Potenzial für einen Star zu haben, war künstlerisches Talent in irgendeiner Form vonnöten: etwa gesanglich, tänzerisch oder musikalisch. Und jedes Talent musste erst noch von der Platten oder der Filmindustrie entdeckt werden. Heutzutage kann, wer eine Kamera besitzt, auf den Aufnahmeknopf drücken und quasi über Nacht mit Videos im Internet ein „Youtube-Star“ werden. Stellt sich die Frage: Was treiben solche Youtuber eigentlich? Die BZ hat sich einige Filme der drei Youtuber, die da in Schopfheim ihre Fans trafen, im Vorfeld angeschaut. Supergirl macht gerne Challenges (Herausforderungen/Wettkämpfe) oder überlegt sich zweideutige Videotitel wie: „Wo locht er lieber ein...?!“, während ihr Freund Freedom95 und sein Kumpel Einfach Hans sehr viel Pranks, was übersetzt Streich bedeutet, filmen. Das heißt, sie belügen jemanden, oder sie inszenieren eine spaßige Situation, um zu unterhalten. Versteckte Kameras werden im Raum aufgestellt, die Freundin kommt nach Hause, und ihr wird eine Hiobsbotschaft überbracht: Ihr Freund gesteht, dass er fremdgegangen ist. Die wütende Freundin beginnt nicht nur zu weinen, sondern gibt ihrem Freund auch eine Ohrfeige, die dreimal wiederholt im Video zu sehen ist. Das Schönste ist aber die Aufklärung über den Streich. Da ist die Freundin längst wütend aus der Wohnung gelaufen, als ihr Freund hinterherrennt und erklärt: „Schatz, es war doch nur ein Prank.“ Versteckte Kamera im Internetzeitalter.

Die jungen Menschen, die ihre Kamera in ihrem Zimmer aufstellen, und danach in liebevoller Detailarbeit die Videos schneiden, müssen nicht professionell ausgebildet sein. Youtuber kann jeder werden, es sind die neuen besten Freunde, das Mädchen, der Junge von nebenan. Die Nähe, die den Youtube-Stars gegenüber empfunden wird, steht stark im Kontrast zur früheren Distanz gegenüber den Stars. In den Videos sieht der Zuschauer das Schlafzimmer oder andere Teile der Wohnung und wird auch mit Hilfe anderer sozialer Netzwerke auf dem Laufenden gehalten.

  • Das reale Fantreffen: Zurück zum Fantreffen in Schopfheim. „Glaubst du, da draußen ist jemand?“, fragt Kobe alias Freedom95 seine Freundin Mone. Die Fans werden aufgefordert, Lärm zu machen, damit die „Stars“ rauskommen. Nun kann jeder mit den Youtubern Selfies machen, sich eine Umarmung abholen und ein Autogramm bekommen, außerdem boten die Drei auch die Möglichkeit, mit ihnen gemeinsam ein musical.ly Video aufzunehmen, also mit Hilfe einer Musikapp so zu tun als würde man mitsingen. Und was ist jetzt so faszinierend an den „Stars zum Anfassen“? Die zwölfjährige Samira aus Fahrnau erzählt, dass ihr die Pranks (Streiche) am besten gefallen. Und die 15-jährige Cora, die aus Lörrach kommt, sagt über das vor ihr stehende Youtuber-Trio: „Ich finde die einfach cool, sie sind sympathisch und immer gut drauf, einfach locker.“

Elvis Bejtovic, Moderator beim Freien Radio Wiesental und Veranstalter, war zufrieden mit dem Event: „Wir freuen uns und hoffen, die Drei irgendwann wieder bei uns in der Region begrüßen zu dürfen, nächstes Mal dann auch ausreichend durchgeplant und beworben, mit hoffentlich mehr als nur insgesamt 60 Fans.“ Alles in allem sei das Event angenehm gewesen, jeder Teilnehmer habe ausgiebig Zeit bekommen, mit seinen Idolen ins Gespräch zu kommen. Die Drei brächten mit all ihren Kanälen immerhin fast eine halbe Million Abonnenten zusammen. Am Abend unterhielten sich noch einmal einige ältere Fans mit den „Stars“ über Youtube, ihre Ambitionen und anderes. Freedom95 sagt dazu: „Grundsätzlich hat es uns allen sehr gut gefallen. Das Feedback war absolut positiv.“ Eines aber stellt er dann noch klar: „Wir nennen unsere Abonnenten ungerne Fans, deswegen war das Meet’n’Greet auch nicht als Fantreffen angesetzt.“