Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts seien vor Ort gewesen und hätten Bußgelder verhängt. Allerdings könne das Ordnungsamt nicht Tag und Nacht dort präsent sein, so Nitz. Sein Hinweis an Gersbacher Bürger: Wer Laster sehe, die die verbotene Route nehmen, solle „davon ein Bild machen und das anzeigen“. Mehr, so Nitz, „können wir leider nicht machen.“

Ortsvorsteher Christian Walter stellte klar, dass es sich nicht um verirrte Lkw handle, sondern um ein planmäßiges Vorgehen. Verbotsschilder und Absperrungen seien beiseite geräumt, die Route mit laminierten Hinweistafeln und Farbmarkierungen deutlich erkennbar ausgewiesen worden. Sogar Weidezäune seien einfach umgelegt/überfahren worden. Nur weil der Landwirt dies rechtzeitig bemerkt habe, seien keine Tiere ausgebüxt. Walter

bezeichnete das Vorgehen des Windpark-Investors EnBW und der Baufirmen als „Unverschämtheit“, dieses Verhalten sei „normalerweise völlig inakzeptabel.“ Umgekehrt sei vor diesem Hintergrund der EWS Schönau ein Kompliment dafür zu machen, wie es im Vergleich dazu beim Bau des Windparks Rohrenkopf gelaufen sei. Was Professionalität angehe, gebe es da gewaltige Unterschiede. „Die von uns beauftragten Firmen haben Anweisung, den gesperrten Weg nicht zu nutzen“, erklärt EnBW-Sprecher Ulrich Stark auf Anfrage des SÜDKURIER. Er könne nicht sagen, in welcher Häufigkeit diese Anweisung missachtet worden sei.

Anfangs habe bei den Fahrern wohl eine Unklarheit bestanden. „Wir sind davon ausgegangen, dass sich das Problem mittlerweile erledigt hat.“ Aus den letzten Wochen kann er nur einen Fall bestätigen: Als der erste Selbstfahrer bei der Mettlenkopfhütte steckengeblieben war, musste zur Unterstützung eine Raupe über die Gersbacher Route geschickt werden. Die laminierten Schilder seien Hinweise für Biker und Wanderer, wie die abgesperrten Weg zu umgehen seien. Ortsvorsteher Walter äußerte sich ferner zu den neuen Gutachten der Windkraftgegner. Ihm fehle jegliches Verständnis dafür, dass die EnBW vier Wochen Zeit eingeräumt bekommen habe, um darauf zu reagieren. Umgekehrt seien die Fristen stets deutlich kürzer gewesen.

Bürgermeister Nitz ging auch auf einen offenen Brief aus Hasel ein, wonach die Wegsperrung eine „Retourkutsche“ Schopfheims sei: „Das hat rein gar nichts mit Retourkutsche zu tun“. Schopfheim habe Hasel gegenüber frühzeitig klar gemacht, dass man keine Umzingelung Gersbachs wolle. Das Weg-Nutzungsverbot sei daher nur ein konsequentes Umsetzen des Schopfheimer Gemeinderatsbeschlusses. Im Übrigen sei Schopfheim nicht schuld daran, dass der Investor sich nicht rechtzeitig genug mit der Frage beschäftigt habe, wie er zum Windpark kommen will.

„Skurril und abwegig“ nennt EnBW-Sprecher die Vorwürfe des Ortsvorstehers hinsichtlich der mangelnden Professionalität. Stark erinnert daran, dass die Hindernisse für die EnBW von der Stadt Schopfheim mit dem Durchfahrtsverbot für die 170 Meter Weg ja erst geschaffen worden seien. „Diesen Vergleich mit dem Windpark Gersbach kann ich überhaupt nicht nachvollziehen“, so Stark. Dasselbe gelte auch im Zusammenhang mit den Rotmilan-Gutachten der Windkraftgegner. „In dieser Situation waren die Elektrizitätswerke Schönau nicht.“ Der Vergleich sei daher völlig abwegig.

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