Gersbach Windkraftgegner machen ihrem Unmut Luft

Die Gersbacher Windkraftgegner machten in der Hauptversammlung am Freitag ihrem angestauten Unmut Luft. Die Ablehnung der beiden Windparks soll auch am 8. Juli zum Ausdruck kommen, wenn der Windpark Rohrenkopf eröffnet. „Gesetzeskonforme Aktivitäten“ soll es als Zeichen des Protests geben

Gersbach – Die Gersbacher Windkraftgegner machten in der Hauptversammlung am Freitag ihrem angestauten Unmut Luft. Deutlich wurde, dass den Behörden – vor allem dem Landratsamt Lörrach – sowie den am Bau der Windkraftanlagen beteiligten Energiekonzernen nach den gemachten Erfahrungen mittlerweile misstraut wird. Dieses Misstrauen und die Ablehnung der beiden Windparks sollen auch am 8. Juli zum Ausdruck kommen, wenn der Windpark Rohrenkopf eröffnet. „Gesetzeskonforme Aktivitäten“ soll es als Zeichen des Protests geben.

Zur Einweihungsfeier am 8. Juli wird Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) erwartet. An diesem Tag soll es „gesetzeskonforme“ Aktivitäten wie etwa private Feste an den Ortseingängen mit Protestbeschriftungen geben – sprich „Banner ohne unflätige Beschimpfungen“, so der Windkraftgegner-Vorsitzende Wolfgang Ühlin. „Es gilt, dem Minister und den Vertretern der EWS zu zeigen, was wir von den Anlagen halten.“ Ühlin forderte die Mitglieder auf, sich auch selbst Gedanken über Aktionen zu machen. „Was ich nicht weiß, kann man mir nicht anhängen“, meinte er – wohl in Erinnerung an die Gemeinderatssitzung im vergangenen Sommer. Da gab es ein Trillerpfeifen-Konzert, das eine Anzeige durch den Bürgermeister zur Folge hatte. Diese wiederum führte zu einer Geldstrafe für Ühlin, der er durchaus erfreuliche Nebenwirkungen für seinen Verein abgewann: „Unter anderem bescherte sie uns das Spendenwunder von Gersbach.“ Kassierer Rolf Roller durfte einen außerplanmäßigen Zustupf von rund 7000 Euro aufs Vereinskonto buchen.

Mit der Zuwendung drückten viele Leute ihren Unmut über das Verhalten der Stadt Schopfheim aus. Und sie ermöglichten damit nicht zuletzt die Finanzierung des „Rotmilan-Monitorings Glaserkopf“. Das sei in gewisser Weise ein Erfolg. Auch wenn sich Ühlin und seine Gruppe sehr geärgert haben, dass in besagter Ratssitzung, bei der die Gersbacher keinen Platz im Ratssaal fanden, nicht einer der 220 Einsprüche gegen den Windkraft-Flächennutzungsplan behandelt worden sei. Ein weiterer Erfolg der Projekte des Vereins sei auch, dass zwischenzeitlich „Leute von Schweigmatt auf die Sachlage aufmerksam“ und zu hilfreichen Geldgebern wurden, die weitere Gutachten ermöglichen. Mit diesen konnten erst kürzlich geschützte Bodenbrüter wie die Waldschnepfe oder die Zauneidechse und viele weitere Arten im Bereich des geplanten Windparks Glaserkopf (Hasel) nachgewiesen werden.

In der Zusammenfassung einer „arbeitsintensiven“ Zeit erinnerte Ühlin auch an die aufwändige Horstsuche durch den Biologen Andreas Lang und an zahllose Beobachtungseinheiten durch die Gruppe „Milansuche“. Zusagen der Behörde „nur warme Luft“ Besonders hervorgetan habe sich dabei Frieder Blum, der „keinen Tag vergehen ließ, an dem er nicht mit Fernglas und Wärmebildkamera unterwegs“ gewesen sei. Letztlich wurden vier Horste am Rohrenkopf innerhalb der 3,3-Kilometer-Radien und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Dichtezentrum am Glaserkopf nachgewiesen. Allerdings habe sich dabei gezeigt, dass man sich auf Aussagen des Landratsamtes nicht verlassen könne.

Eine Zusage von Umwelt-Fachbereichsleiter Georg Lutz, die Behörde würde bei einem solchen Nachweis weitere Prüfungen veranlassen, sei nichts weiter gewesen „als warme Luft“. Die Windkraftgegner ärgern sich: „Bei allem, was zu tun ist, müssen wir in Vorleistung gehen. Und haben wir das Geforderte erreicht, stellen die Behörden Nachforderungen.“ Teilerfolge können nicht darüber hinwegtäuschen: „Wie wir alle sehen und hören konnten, wurde der Rohrenkopf-Windpark erstellt.

Wie viele Lügen und Halbwahrheiten uns aufgetischt wurden, brauche ich nicht zu wiederholen“, konstatierte Ühlin und wiederholte dann doch das, was er unter der Rubrik „Münchhausen lässt grüßen“ einordnete: „Es werden keine Bäume gefällt, die Wege müssen nicht verbreitert werden, es wird kein Bitumen aufgebracht, alles offengelegt. Und: Die Gersbacher werden in Entscheidungen eingebunden.“ Auch auf das jetzt laufende Rotmilan-Monitoring zum Windpark Glaserkopf kam Ühlin zu sprechen.

Die jüngsten Untersuchungen – eine Raumnutzungsanalyse zum Preis von 5800 Euro plus der Kosten für die Auswertung von 2000 Euro („zu deren Finanzierung werden wir wohl noch einmal eine kleine Runde betteln gehen müssen“) – seien notwendig, um „ein signifikantes Tötungsrisiko für den Roten Milan nachweisen zu können“. Biologe Andreas Lang, nach dessen Plänen dieses Monitoring erfolgt, habe den Windkraftgegnern bescheinigt, dass sie „gut strukturiert und organisiert mit Ernst, Engagement und Ahnung“ an die Arbeit gehen.

Starke Mitstreiter habe der Verein auch in der Familie Bürk am Glaserkopf, der es mit dem Gang vors Verwaltungsgericht gelang, eine der Anlagen vorerst zu verhindern und durchzusetzen, dass das Regierungspräsidium erneut prüft. Aber auch dieser Institution glaube er nicht mehr viel, so Ühlin. Die „größte Enttäuschung“ aber sei für ihn die Umweltabteilung des Landratsamtes. Ühlin verwies auf jüngste Äußerung der Behörde zum Thema Waldschnepfe von vergangener Woche, wonach deren Existenz auf der Alternativzuwegung nur dann belegt sei, wenn die EnBW selbst einen Nachweis erbringe – innerhalb von weniger als einer Woche. In so kurzer Zeit sei es aber unmöglich, ein solches Gutachten zu erstellen. Das Vorgehen sei eine einzige Lachnummer, zumal jenes Büro den Auftrag dazu erhalten habe, das schon bei der Erfassung der Überflüge „mehr als schlampig“ gearbeitet habe.

Auch das Thema Windpark-Zuwegung selbst war in der Versammlung Thema. Haben doch am heutigen Montag die Gemeinderäte in Schopfheim noch einmal über die Wunsch-Route der EnBW zum Glaserkopf zu befinden, die über einen städtischen Waldweg führt. Die Windkraftgegner hoffen inständig, dass weder Ortschafts- noch Gemeinderäte „umkippen“ und ihr Veto korrigieren. Mancher befürchtet, dass sich „die Stadt“ vom Konzern kaufen lasse. In diesem Zusammenhang wurde darauf verwiesen, dass von den Ausgleichszahlungen (Rohrenkopf 550 000 Euro, Glaserkopf 258 000 Euro) „Gersbach noch keinen Cent gesehen habe und wohl auch nie sehen werde.“ Eine Zuhörerin appellierte an die Ratsmitglieder, im Interesse der Umwelt zu ihrem Wort zu stehen.

Und Vorsitzender Wolfgang Ühlin schloss den Abend mit einem „Appell an die Stadt Schopfheim, dass dieser Weg aus Artenschutzgründen nicht freigegeben wird.“

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