Schopfheim – Wer behält im Auge, wie viele Rotmilane Windrädern auf dem Rohrenkopf zum Opfer fallen? Im Prinzip niemand – deshalb wollten die Windkraftgegner dies selber in die Hand nehmen. Die Stadt aber bremst deren Bemühungen aus, indem sie keine Fahrerlaubnis erteilt. Wie viele Rotmilane werden von den Windrädern auf dem Rohrenkopf getötet und in welchem Zeitraum? Je nachdem, wie die Antwort auf diese Frage ausfällt, kann dies ein Hinweis für ein „signifikant erhöhtes Tötungsrisiko“ sein – was wiederum Auswirkungen auf den Betrieb der Windräder haben könnte.

Entsprechend interessieren sich die Windkraftgegner Gersbach für diese Zahl. So wollten sie denn dieses Jahr nicht nur ein weiteres Gutachten in Auftrag geben, das klären soll, ob sich der Windpark Rohrenkopf wie auch der Windpark Glaserkopf in besonders schützenswerten Rotmilan-Brutgebieten (Dichtezentren) befinden. Auch wollen sie sich auf die Suche nach getöteten Rotmilanen und Fledermäusen machen, wiewohl es keineswegs einfach ist, „Schlagopfer“ auf dem Rohrenkopf zu finden. Zum einen handelt es sich hier um dichtes Waldgebiet, wobei pro Standort eine Fläche von etwa einem Hektar abzusuchen ist. Zum anderen liefere man sich da allmorgendlich ein Wettrennen mit dem Fuchs. „Der ist schnell zur Stelle und holt sich den kompletten Vogel“, so Windkraftgegner-Vorsitzender Wolfgang Ühlin.

Da sich nun die Windräder auf dem Rohrenkopf auf einer Distanz von fünf Kilometern verteilten, hatten die Windkraftgegner den Antrag gestellt, mit zwei Fahrzeugen die Waldwege in diesem Gebiet befahren zu dürfen. Der Ortschaftsrat Gersbach hatte dieses Ansinnen befürwortet – die Stadt Schopfheim allerdings lehnt es nun ab. Bürgermeister Christof Nitz begründet dies auf Nachfrage zum einen mit der Windpark-Genehmigung des Landratsamts Lörrach. Diese sehe vor, dass „ohnehin ein Monitoring gemacht wird“. Das stimmt allerdings nur teilweise.

Tatsächlich hat das Landratsamt Lörrach in seiner Genehmigung vom November 2015 nur ein Monitoring für Fledermäuse zur Auflage gemacht. Ferner soll auch die Waldschnepfe im Blick behalten werden. Hingegen wurde „ein Monitoring für den Rotmilan am Rohrenkopf nicht für erforderlich gehalten“, wie Georg Lutz (Landratsamt Lörrach) auch nochmals auf Nachfrage bestätigt. Heißt: Nach dem Rotmilan schaut derzeit niemand. Daran hat auch das 2016 im Auftrag der Windkraftgegner erstellte Gutachten nichts geändert, auch wenn dieses die artenschutzrechtlichen Untersuchungen für den Rohrenkopf in Zweifel zieht. Die Stadt führt aber auch noch ein anderes Argument an. So befinde sich das Gelände rund um die Windkraftanlagen in der Obhut des Pächters beziehungsweise Betreibers, der EWS Windpark Rohrenkopf GmbH. Von dieser Seite aber gebe es keine Zustimmung fürs Betreten dieser Anlagen. Tobias Tusch, Geschäftsführer der EWS Windpark Rohrenkopf GmbH, präzisiert auf Nachfrage diese Aussage. Prinzipiell bedürfte ein Betreten zwar einer Zustimmung. In der Praxis allerdings sei es so, dass „der Windpark wie bisher auch zugänglich bleiben soll für jeden Wanderer und Radler, der sich die Windräder anschauen will“.

Ein Befahren der Waldwege mit Fahrzeugen allerdings lehne die EWS ab – auch mit Blick auf die Frage, „wer bei Unfall und Schäden, sei es an Wanderer, Natur oder was auch immer, haftet“. Entsprechend habe sich die EWS geäußert, als die Stadt als Grundstückseigentümer wegen der Fahrerlaubnis angefragt habe.

Fest steht: Die Schlagopfersuche ist damit erst einmal gestoppt. Die Strecke zu Fuß abzugehen oder mit dem Rad abzufahren, sei wegen der Distanzen keine Option, so Wolfgang Ühlin.