Was die Windkraftgegner im Münstertal nun erreicht haben, wollen die hiesigen Kollegen auch im Kleinen Wiesental umsetzen: Mit knapper Mehrheit wurde beim Bürgerentscheid gegen die Windkraftanlagen auf der Breitnau gestimmt. Die Bürgerinitiative um Bernd Fischbeck fühlt sich bestärkt, der Weg hin zum Bürgerentscheid soll durch Infoveranstaltungen und Stammtische forciert werden.

„Ich habe mit dem Ergebnis im Münstertal gerechnet – aber nicht darauf gewettet“, sagt Bernd Fischbeck, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Schwarzwald Gegenwind“. Mit 54,5 Prozent stimmten die Wähler gegen die geplanten Windräder auf der Breitnau. Konkret heißt das, dass der unterschriftsreife Vertrag mit der Firma Enercon nun drei Jahre lang auf Eis liegt. „Das Thema ist dort nicht beendet“, betont Fischbeck, sodass die BI im Kleinen Wiesental auch künftig sehr eng mit den Windkraftgegnern in Münstertal sowie in Freiburg-Kappel und Horben kooperieren möchte.

Aber selbst wenn das Ergebnis des Bürgerentscheids ein anderes gewesen wäre, hätte sich die BI im Kleinen Wiesental nicht von ihrem Plan abbringen lassen, ebenfalls ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen, um die geplanten Windkraftanlagen auf dem Zeller Blauen zu verhindern.

Dennoch habe das knappe Abstimmungsergebnis einmal mehr verdeutlicht, dass „einige wenige Stimmen manchmal ausschlaggebend“ seien, so Fischbeck. Daher setze man auch im Kleinen Wiesental auf eine längere Vorbereitungszeit, in der die Menschen gut informiert werden sollen. Ein Element davon sind die gerade angelaufenen Stammtische in der Rothenburg in Niedertegernau.

Sorgen können Bürgern nicht genommen werden 

Zum ersten Termin am 24. Januar seien rund 40 Interessierte gekommen – allerdings ausschließlich Windkraftgegner, so Fischbeck. Der BI-Sprecher hätte sich auch Befürworter der Windkraft gewünscht, damit man miteinander hätte diskutieren können. Größtenteils sei von den Anwesenden die vielfach geforderte und vermisste Transparenz vor und während der Planungen auf dem Höhenzug des Zeller Blauen moniert worden. Auch habe ein Teilnehmer von seinen persönlichen Erfahrungen in Gersbach zu den dortigen Auswirkungen der EWS-Windräder auf dem Rohrenkopf berichtet.

Die EWS Schönau ist es auch, die gemeinsam mit Enercon einen Windpark mit bis zu neun Windrädern auf dem Zeller Blauen plant. Das Ergebnis des Bürgerentscheides im Münstertal wird von EWS bedauert: „Die Bürger des Münstertals haben sich aufgrund der öffentlichen Diskussion über Risiken der Trinkwasserversorgung und Quellschüttung und der daraus resultierenden Sorgen gegen den Abschluss eines Nutzungsvertrages für die kommunalen Flächen entschieden.

Leider ist es den Befürwortern des Projektes nicht gelungen, den Bürgern diese Sorgen trotz qualifiziert durchgeführter wissenschaftlicher Analysen zu nehmen“, schreibt Sebastian Sladek, Vorstand der EWS, auf Anfrage. Allerdings ließe sich die Situation im Münstertal aufgrund der individuellen Gegebenheiten vor Ort nicht mit der in Böllen, im Kleinen Wiesental oder in Zell vergleichen, „zumal die Verträge hier mit großer Mehrheit der Gemeinderatsstimmen gezeichnet worden sind“. Beim Windprojekt am Zeller Blauen spüre man sowohl Widerstand als auch Unterstützung aus der Bevölkerung.

Die BI nimmt indes weiter Kurs in Richtung Bürgerentscheid. Als der Gemeinderat im Februar 2018 dem Nutzungsvertrag mit der EWS und Enercon zustimmte, hätten sie „keine Ahnung“ von dem Thema gehabt, sagt Fischbeck. Um ein Bürgerbegehren einreichen zu können, müssen die Initiatoren Unterschriften sammeln, sieben Prozent der wahlberechtigten Bürger müssen unterzeichnen. Im Münstertal kamen im August 2018 doppelt so viele zusammen. Auf weitere Unterstützer hofft die BI bei der Veranstaltung am 8. Februar in Tegernau, bei der der Dokumentarfilm „End of Landschaft“ gezeigt wird. Der erst kürzlich fertiggestellte Film des Journalisten und Dokumentarfilmers Jörg Rehmann werfe ein kritisches Licht auf den „deutschen Energie-Alleingang“, sagt Fischbeck, der eine anschließende Diskussion erwartet. „Windkraft ist ein elektrisierendes Thema – im wörtlichen Sinne –, bei dem die Leute wach werden.“

Die Bürgerinitiative Schwarzwald-Vernunftkraft mit seinen Regionalgruppen lädt ein zum Filmabend am Freitag, 8. Februar, 19.30 Uhr, in der Mehrzweckhalle Tegernau. Gezeigt wird der Film „End of Landschaft“. Der Eintritt ist frei.