Im Grunde geht es um die Frage, ob auf dem Höhenzug schon konkrete Standorte für Windkraftanlagen eingegrenzt wurden oder nicht. Die BI bezieht sich auf den Beginn von vogelkundlichen Untersuchungen im Januar, die ohne eine Eingrenzung der Standorte nicht möglich seien. Die EWS Energie GmbH weist das zurück.

Was ist der Stein des Anstoßes? Die Bürgerinitiative hat herausgefunden, dass seit Ende Januar durch die EWS sogenannte avifaunistische Untersuchungen am Blauen laufen. Das heißt, das Unternehmen lässt die Vogelwelt auf dem Höhenrücken untersuchen. Diese Untersuchungen sind nötig, um den Artenschutz zu gewährleisten, beispielsweise gelten Rotmilane als gefährdet durch Windkraftanlagen. Gleichzeitig hat die EWS Energie GmbH in den Gemeinderatssitzungen in Zell und im Kleinen Wiesental Ende Januar mehrfach betont, dass es noch keine genaue Eingrenzung der laut Flächennutzungsplan bis zu neun Standorten für Windkraftanlagen gibt.

Und genau daran stört sich nun die BI: Denn wenn es keine Eingrenzung von Standorten gibt, dann sei auch ein vogelkundliches Gutachten „zwecklos“, schildert die BI in einem Schreiben an die Presse. Ergo: Die EWS GmbH wisse bereits genau, wo sie die Standorte plane, und lasse nun auf Basis dieser Standorte die Vogelwelt untersuchen. Die Genehmigung für die avifaunistischen Untersuchungen habe das Unternehmen bereits seit Mitte Januar. Folglich habe der Investor in den Sitzungen gelogen, was die Standorte angeht, denn „während der Gemeinderatssitzungen wurden die Fragen aus der Bevölkerung nach den Standorten sowohl vom WKA-Konsortium EWS-Enercon wie auch von den Gemeinden mit dem Hinweis beantwortet, man wisse noch nicht, wo die Windräder stehen werden“.

Und weiter: „Erneut wird sichtbar, dass die Öffentlichkeit in der Windkraftplanung nicht nur unzureichend, sondern bewusst falsch informiert wird“, heißt es in dem Schreiben der Bürgerinitiative.

Die EWS Energie GmbH setzt sich gegen diesen Vorwurf zur Wehr: Es würden nicht etwa auf Basis bekannter Standorte vogelkundliche Untersuchungen gemacht, sondern auf Basis der jetzigen vogelkundlichen Untersuchungen später Standorte eingegrenzt, erklärt Geschäftsführer Tobias Tusch auf BZ-Anfrage. Der Korridor, in dem nun Untersuchungen laufen, sei durch den Flächennutzungsplan vorgegeben. Seit September 2017 sei der Öffentlichkeit bekannt, dass EWS Anfang 2018 mit den Untersuchungen für das Genehmigungsverfahren beginnen wollte. „Noch gibt es kein Layout für einen Windpark und folglich auch keine Standorte.“

Außerdem benötige die GmbH überhaupt keine Genehmigung für die Untersuchungen: „Wir brauchen doch keine Genehmigung, um eine Genehmigung zu bekommen“, sagt Tobias Tusch mit Blick auf die Untersuchungen, die ja Teil des Genehmigungsverfahrens für den Windpark seien. Die laufenden Untersuchungen werden laut EWS bewusst ohne vorherige Eingrenzung von Standorten unternommen. „Das kostet zwar mehr Geld, aber wir können nur so ausschließen, dass wir artenschutzrechtliche Probleme bei der Genehmigung bekommen“, so Tobias Tusch.

Das bestätigt das Landratsamt als zuständige Naturschutzbehörde: „Von unserer Seite bedarf es keiner Genehmigung, um avifaunistische Untersuchungen zu beginnen“, erklärt Pressesprecher Torben Pahl.