Die Namen „Burglind“ und „Friederike“ klingen eigentlich nicht besonders brachial, wütend oder zerstörerisch. Die beiden Sturmtiefs, denen Meteorologen diese wenig bedrohlichen Bezeichnungen gegeben haben, waren es allerdings durchaus. Beide Stürme zusammen haben im Kleinen Wiesental vor allem im Wald zerstörerische Kräfte entfaltet – und rund siebenmal mehr Bäume entwurzelt oder abgeknickt, als es der berühmte Orkan Lothar vor etwa 18 Jahren tat. Der Gemeinde entstehen so rund 40 000 Euro Schaden. Und der Druck auf die Forstwirtschaft ist groß.

Mit Stirnrunzeln schaut Joachim Trautwein ins Tal. Bei Vorderheubronn haben die Stürme direkt an der Landstraße 131 einen guten Hektar Wald so gut wie komplett umgerissen. „Hier liegen ungefähr 300 Bäume“, sagt Trautwein und rechnet nach: Das sind ungefähr 500 Festmeter, das wiederum wäre grob gerechnet bei gesundem Nadelholz ein Wert von um die 30 000 Euro. Aber das Nadelholz, das hier nun in der Waagerechten liegt, ist eben nur noch Sturmholz, der Forstfachmann nennt es unspektakulär ZN – „zufällige Nutzung“. Sägewerke kaufen es zu einem weit niedrigeren Preis als gesundes Holz. Es wird ein sogenannter „ZN-Abschlag“ fällig, denn das Holz stand oft wochenlang unter Spannung, ist teilweise gesplittert – das schlägt auf die Qualität und drückt den Preis, um etwa fünf Euro je Festmeter.

Doch dabei bleibt es nicht: Nach Stürmen ist die Arbeit für die Forstarbeiter aufwendiger – was auch mehr kostet – und obendrein gefährlicher. Und die Forstwirtschafter stehen unter Druck. Denn bis Mai müssen die Sturmschäden weitgehend beseitigt sein. Denn sonst macht sich in diesen absterbenden Bäumen der Borkenkäfer breit. Über den Daumen gepeilt schätzen Joachim Trautwein und Bürgermeister Gerd Schönbett den so entstandenen Schaden für die Gemeinde Kleines Wiesental auf rund 40 000 Euro.

Förster Joachim Trautwein und Bürgermeister Gerd Schönbett machen sich ein Bild von den Strumschäden bei Neuenweg.<sup></sup><em>Bild: Nicolai Kapitz</em>
Förster Joachim Trautwein und Bürgermeister Gerd Schönbett machen sich ein Bild von den Strumschäden bei Neuenweg. | Bild: Nicolai Kapitz

Im Gemeinderat wurde am Mittwoch Sturmbilanz gezogen: Zwischen 7000 bis 8000 Festmeter Holz haben die Stürme Burglind und Friederike und dazu noch Schneebruch und Schneedruck auf dem Gemeindegebiet Kleines Wiesental umgehauen – Rekord für eine Wintersaison. 3000 Festmeter nahm der Sturm im Revier Tegernau, noch einmal 2500 im Revier Neuenweg. „Das hat uns ziemlich gebürstet“, bekannte der Tegernauer Förster Rüdiger Motzke bei einem Sachstandsbericht in der Gemeinderatssitzung. Wenngleich Trautwein die aktuelle Situation nach dem Sturm als „beherrschbar“ bezeichnete, zeigte auch er sich beeindruckt von der neuen Dimension, in der die Stürme ihre Schneisen in den Wald schlugen: „Solche Flächenwürfe kannten wir hier bis jetzt nicht.“

Hatten die Stürme schon für sich genommen eine mächtige Gewalt, so war zusätzlich auch buchstäblich der Boden dafür bereitet, dass viele Bäume der Gewalt nicht standhalten konnten: Der Januar war besonders warm und zugleich besonders reich an Niederschlägen – „die Bäume hatten daher keinen festen Halt, und der Sturm damit noch leichteres Spiel“, erklärte Trautwein im Gemeinderat.

Mit etwas über 2000 Festmetern liegt der Löwenanteil des Sturmholzes im Tegernauer Revier in Privatwald; der Gemeindewald ist mit 500 Festmetern betroffen. In Neuenweg ist jeweils zur Hälfte Privat- und Gemeindewald betroffen. Mit Blick auf die Privatwaldbesitzer sprachen die beiden Förster denn auch eine klare Warnung aus, wenn es nun ans Großreinemachen geht: „Nicht einfach reinschießen, sondern mit Bedacht und Umsicht vorgehen“, so die Mahnung: Waldarbeiten seien allgemein gefährlich – bei Sturmholz aber bestehe eine besonders große Unfallgefahr.

Auch bei Tegernau sind teilweise deutliche Schäden sichtbar.
Auch bei Tegernau sind teilweise deutliche Schäden sichtbar.

Angesichts der schieren Menge und des erhöhten Arbeitsaufwandes für diese Menge muss sich auch der Gemeindeforst im Moment zusätzlich zu den eigenen Waldarbeitern externe Hilfe holen, um beispielsweise die teilweise durch umgestürzte Bäume blockierten Wege rasch wieder „aufzusägen“, erklärte Trautwein. Allerdings sei es derzeit schwer, überhaupt Unternehmen zu finden.

Solange sich die Mengen an Sturmholz innerhalb des Jahreshiebsatzes bewege, sei das ganze „beherrschbar“, erklärte Trautwein. Dennoch: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bedeuten die Sturmschäden für die Waldbesitzer ein Negativgeschäft.