Ist das ein Denkmal oder kann das weg? Um diese Frage dreht sich seit Jahren die Hängepartie um die alten Uehlin-Häuser in der Hauptstraße. Nach mehreren Monaten Verzögerung erwartet die Stadt in dieser Woche nun den Bescheid vom Denkmalamt. Das hat Bürgermeister Dirk Harscher am Montag im Gemeinderat mitgeteilt. Doch optimistisch klang der Bürgermeister nicht: Die Stadt erwartet, dass die Behörde den Abriss der Häuser verweigern wird.

Während im neuen Uehlin-Areal direkt nebenan schon die Fenster zum Einbau auf der Straße bereitstehen, sind die zum Teil eingeschlagenen Scheiben der alten Uehlin-Häuser traurige Zeugen davon, dass hier seit Langem nichts vorwärts geht. SPD-Fraktionssprecher Artur Cremans hatte das schon vor Wochen im Gemeinderat zu der Aussage angestachelt, dass er gegen das Denkmalamt eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Behördenwillkür einreichen würde, weil besagte Behörde sich mit dem Bescheid viel Zeit lasse. Am Montag nun griff Cremans erneut mit Ärger im Bauch zum Mikrofon: „Also meine Geduld ist jetzt endgültig am Ende. Wir lassen uns von dieser Behörde am Nasenring durch die Manege führen.“

Was Cremans so ärgert: Die Denkmalschutzbehörde brütet seit langer Zeit noch über einem von der Stadt eingereichten Gutachten zum Zustand der beiden Gebäude an der Ecke Hauptstraße und Scheffelstraße. Das Gutachten selbst kommt zu dem Schluss, dass die Häuser nicht mehr erhaltensfähig sind. Doch auch ein Vor-Ort-Termin Ende November – seinerzeit noch mit Ex-Bürgermeister Christof Nitz – hatte die Fachleute nicht davon überzeugen können, die Häuser für abrissreif zu erklären.

Das Amt hatte nach dem Termin Ende 2018 noch eine detailliertere Nachbesserung des Gutachtens von der Stadt gefordert. Als „unglücklich“ hatte Christof Nitz seinerzeit das Vorgehen des Denkmalamts bezeichnet, auch weil ein Gemeinderatsbeschluss eindeutig den Abriss der beiden Häuser verlangt.

Dass sein Nachfolger Dirk Harscher mit dem Thema glücklicher wird, darf nach der Montagssitzung bezweifelt werden: „Wir erwarten noch diese Woche einen Bescheid vom Denkmalamt“, griff Harscher nun Cremans’ erneute Wortmeldung auf. „Aber nachdem, was ich so gehört habe, ist das Ergebnis nicht positiv.“ Soll heißen: Die Stadt befürchtet, dass das Denkmalamt Abrissplänen zumindest vorläufig erneut einen dicken Strich durch die Rechnung macht.

Dirk Harscher hatte bereits in der Februar-Sitzung angekündigt, bei der Behörde in Freiburg vorstellig zu werden, um Druck zu machen. Je nachdem, wie der Bescheid aussieht, werde er das nun in Angriff nehmen, erklärte Harscher. „Ich will es erst einmal im Guten versuchen“, sagte der Bürgermeister mit mühsam verhohlener Ungeduld. „Aber wenn der Bescheid negativ ist und das nichts nützt, müssen wir uns weitere Schritte überlegen.“ Dann will die Stadt Anwälte einschalten, um Rechtsmittel gegen den Bescheid auszuloten. „Diese Sache verhagelt uns städtebaulich einiges“, ärgerte sich Harscher. „Wir werden alles dafür tun, hier voranzukommen.“

Die Stadt will laut Bürgermeister sofort informieren, wenn der Bescheid eingetroffen ist. Seitens der Denkmalschutzbehörde war am Dienstag keiner der mit dem Fall befassten Sachbearbeiter zu erreichen.

Im Dach des westlichen der beiden Häuser war im Juni 2017 ein Feuer ausgebrochen und hatte den Dachstuhl zerstört. Stadt und Bürgermeister verfolgen das Ziel, die Häuser abzureißen. Bevor die Baurechtsbehörde des Landratsamts über den Abrissantrag der Stadt entscheidet, muss das Denkmalamt zustimmen. Wurden die Gebäude doch aus heimatgeschichtlichen Gründen als Kulturdenkmal eingestuft, weil dort Johann Georg Uehlin 1864 die erste Zeitung in der Region gründete, den „Statthalter von Schopfheim“.