Kommunalpolitik im Krisenmodus: Weil Gemeinderat und Ausschüsse wegen der Coronavirus-Pandemie nicht tagen, einiges jedoch dringlich ist, hat Bürgermeister Dirk Harscher jetzt mit Rückendeckung des Gemeinderats Eilenentscheidungen getroffen – unter anderem betrifft dies den Campus, aber auch das Hausärzte-MVZ. Gerade der Beschluss zur Übergangslösung für das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sei ihm persönlich sehr wichtig, weil „wir damit in diesen Zeiten ein wichtiges Zeichen setzen“, sagt Bürgermeister Dirk Harscher.

Eigentlich war vorgesehen, dass der Bauausschuss (BUT) und der Gemeinderat in dieser Woche unter anderem weitere Bauleistungen für den Schulcampus auf den Weg bringen. Da diese Sitzungen nun ausfallen – wie voraussichtlich auch die April-Sitzungen –, hat Bürgermeister Harscher nun mehrere Aufträge per Eilentscheidung vergeben. Dabei geht es um die Heizung und die Lüftung (neue Sporthalle), um Glasfassaden mit Türanlagen sowie um Stahlbauarbeiten für die Verbindungsbrücke (Neubau Schule). Ebenfalls per Eilentscheid wurde der Bau eines Rückhaltebeckens am Eisweiher auf den Weg gebracht, das für die Erschließung des Neubaugebiets benötigt wird.

Harscher begründet dieses – mit den Gemeinderats-Fraktionsvorsitzenden zuvor abgesprochene – Vorgehen damit, dass es in all diesen Fällen einerseits darum ging zu verhindern, dass die Bauprojekte ins Stocken geraten. Vor allem aber gehe es darum, „Schaden von der Stadt abzuwehren“. Hintergrund: Die Aufträge waren ausgeschrieben worden, da gehe es nun darum, Bindefristen einzuhalten.

Bei einer weiteren Eilentscheidung, die Harscher ebenfalls getroffen hat, geht es zwar nicht in vertraglicher und damit finanzieller Hinsicht um akute Schadensabwehr – wohl aber im übertragenen Sinne um das Wohl der Stadt und ihrer Einwohner. So ist nun beschlossen, dass das Hausärzte-MVZ (Medi-MVZ) vorübergehend für einige Jahre auf dem Areal des Krankenhauses in einer Container-Unterkunft untergebracht werden wird. Wie mehrfach berichtet, war das vom Mediverbund betriebene Hausärzte-MVZ zwar im Januar in Fahrnau in den Räumen der Praxis Blessing/Klein eröffnet worden, um eine drohende Hausarzt-Unterversorgung abzuwenden. Schon vor dem Start aber war klar: Die Räume sind zu klein. Daher hatte Harscher einen Stufenplan ins Spiel gebracht. Zuerst soll das Medi-MVZ provisorisch in Containern, später dann dauerhaft im geplanten Kohlegässle-Quartier auf dem ehemaligen SBG-Parkplatz untergebracht werden.

Zwei Standorte hatte die Stadt für diese Übergangsphase näher untersucht – außer dem Krankenhausareal auch das Gelände in Fahrnau, wo die Gemeinschaftsunterkunft steht. Im Vergleich allerdings schnitt das Krankenhausareal deutlich besser ab.

Harscher betonte, dass ihm auch persönlich sehr wichtig gewesen sei, das Thema Medi-MVZ beziehungsweise Hausärzte-MVZ nicht weiter aufzuschieben, sondern Klarheit zu schaffen, wie es weitergeht. Gerade jetzt in der Coronavirus-Krise „setzen wir damit ein wichtiges Zeichen und gewinnen Zeit“.