Die Akteurinnen der Spielbühne Schopfheim haben in Sibylle Bergs Satire "Die Damen warten" keine Berührungsängste.

Die Damen lassen bitten. Sie stehen da wie bei einem Filmstill, regungslos, eingefroren, ähnlich wie die auf der Bühne platzierten unbekleideten Schaufensterpuppen. Ein guter Inszenierungscoup, die Protagonistinnen von Sibylle Berg, der gelernten Puppenspielerin, wie Puppen wirken zu lassen. Die in Zürich lebende erbarmungsloseste deutsche Schriftstellerin, Dramatikerin und meistgelesene Kolumnistin, die schon als „Designerin des Schreckens“ oder „moralinsaures Monster“ bezeichnet wurde, ist mittlerweile mit ihren 55 Jahren genau in dem Alter ihrer weiblichen Figuren. In dem provokativen Stück einer empörten Autorin geht es zynisch zu. Die bedauernswerten Männer sitzen in der Geschlechterfalle und Frau Berg, die Hasspredigerin, lässt ihren ganzen Zivilisationsekel und Männerhass an ihnen aus. In Zeiten von „MeToo“ trifft Bergs spezieller giftig-böser Sound den Nerv der Zeit.

Im Falle dieses Stückes ist es gar nicht mehr nötig, ihren Kolumnentitel „Fragen Sie Frau Sibylle“ wörtlich zu nehmen. Da werden unterschiedliche Lebensentwürfe und gallenbittere Thesen bei einem Wellness-Aufenthalt in einem Spa-Hotel durchbuchstabiert. Dass dahinter ein perfider politischer Plan steckt, kommt erst später heraus, aber da ist das Stück schon dramatisch gekippt. Achtung, es ist also keine launige Wechseljahrekomödie. Die gut aufgenommene Premiere fand einen Abend nach dem Weltfrauentag statt. Aber zu hören gibt es keine feminine Lyrik, sondern emanzipatorische Hasstiraden und Sottisen, auch frauenverachtende Zitate aus der Weltliteratur. Regisseur Wolfgang Künzel entgeht aber der Gefahr, dass dieses Thesentheater nur Abziehbilder von Bosheit, Bitterkeit, Frauenfeindlichkeit und Frustration zeigt. Künzel macht keine Slapsticknummern aus diesem Wohlfühl-Wochenende. Er gibt dem Text viel Raum, hat ihn aber extrem gekürzt, was dem Stück in seiner Dichte gut tut, und er lässt im zweiten Akt chorisch sprechen. Die Damen ziehen sich auch aus, setzen sich in Bottiche, schlüpfen in weiße Overalls, entsprechen den Rollenbildern, lesen Frauenzeitschriften, reden über Sex und zu kurze Röcke: die naive Hausfrau (Magda Brase), die Alleinerziehende (Edith Ganter), die kalt-intellektuelle Pathologin (Marianne Tittel), die genervte Anwältin und Dauergeliebte (Susanne Kita). Aus einem Mann werden zwei: Hairstylist, Make-up-Artist, Masseur und Fitnesstrainer. Die beiden „Horst“ vertreten als schmierige Alphatiere männliche Normen. Boris Heilscher und Gerhard Abt mit gegeltem Haar und Tattoos versprühen nicht nur Aromen aus der Sprühpistole, sondern auch Gift und Galle. Zuvor pediküren, maniküren und traktieren sie die Damen mit Messer und Masken, was dem handlungsarmen Stück zu den bissigen Kommentaren zusätzliche Action verleiht.

Zusatzvorstellung: 19. März, 20 Uhr, Haus der Stadtmusik Schopfheim.